Die Lehre aus dem 20. Juli : Die Faschisten bekämpfen bevor sie an der Macht sind

Am 20. Juli 1944 scheiterte der bedeutendste Umsturzversuch des militärischen Widerstandes in der Nazi-Zeit. Wenn ich an die Akteure dieses gescheiterten Staatsstreichs denke, dann empfinde ich eine bestimmte Ambivalenz.

Es ist gut zu wissen, auch während schrecklichen Zeit der Nazi-Herrschaft gab es in allen Schichten der Bevölkerung Menschen, für die ihr Gewissen mehr zählte als bedingungsloser Kadaver-Gehorsam. Gerade die Beteiligten dieses Umsturzversuches, die als Soldaten dazu erzogen worden waren, Befehle ohne Zögern auszuführen, standen sicherlich in einem Konflikt zwischen den ihnen antrainierten Tugenden und der Stimme ihres Gewissens. Sie entschieden sich dafür: Widerstand war ihre Pflicht. Auch wenn der geplante Staatsstreich scheiterte, sie haben ein Zeichen gesetzt und für die Parlamentsarmee Bundeswehr somit eine neue Tradition geschaffen, die besagt, es gibt höhere Werte und Tugenden, als die Sekundärtugend des soldatischen Gehorsams.

Doch wenn wir uns die Männer des 20. Juli anschauen, stellen wir fest, sie waren zwar bestimmt nicht die Schlimmsten unter denen, die dem Verbrecher-Regime der Nazis dienten, aber überzeugte Demokraten und Antifaschisten waren sie sicher nicht. Sie machten unter Hitler eine militärische Karriere, wie Generaloberst Ludwig Beck. Stauffenberg hatte sich schon bei den Reichspräsidentenwahlen 1932 für Hitler ausgesprochen. Goerdeler, der als Chef einer Übergangsregierung vorgesehen war, war Politiker der Deutschnationalen Volkspartei gewesen, hatte schon vor 1933 eine Regierungsbeteiligung der Nazis befürwortet und war erklärter Antisemit. Das Deutschland, das diese Leute sich vorstellten, hätte sich wohl mehr an den autoritären Verhältnissen der wilhelminischen Zeit als an den demokratischen der Weimarer Republik orientiert.

Der späte und gescheiterte Umsturzversuch 1944 ist wohl historisch zu verstehen als ein Versuch von Leuten, die lange die Nazis als eine positive oder zumindest beherrschbare Erscheinung angesehen hatten, den schlimmen Auswüchse dessen, was sie selbst einmal begrüßt hatten, ein Ende zu setzen. Aber 1944 war es zu spät, 15 Jahre vorher wäre es das nicht gewesen. Die Lehre des 20. Juli 1944 heißt: Kein bagatellisieren oder gar schön reden von faschistischen Tendenzen. Den Schneeball kannst du zertreten, die Lawine hält keiner mehr auf.

Wir sind mehr Wir sind die Mehrheitsgesellschaft

Die Ideologie, die hinter einer Schlagzeile in der NZZ steht, hat mich empört. „In deutschen Städten sieht die Mehrheitsgesellschaft ihrem Ende entgegen.“ Was meint der Verfasser mit Mehrheitsgesellschaft ? Alle, die keinen Migrationshintergrund haben, also per Abstammung über Generationen deutsch sind. Denken wir das mal zu ende. Hier wird eine Teil der Bevölkerung als Mehrheitsgesellschaft definiert und zwar unabhängig davon, ob er tatsächlich in der Mehrheit ist oder welche Werte er vertritt. Das heißt also, der junge Mensch mit zB türkischen oder polnischen Großeltern gehört nicht dazu, der rechtsextreme Terrorist ist aber durch seine „ur-deutsche“ Abstammung ein Teil der Mehrheitsgesellschaft? Wie weit sind wir da noch vom Ariernachweis entfernt?

Wenn es darum geht, wer zu einem Volk gehört, fällt mir immer Carl Zuckmayer ein : „Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht.ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, der Guttenberg, und der Matthias Grünewald und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland.“

Ein nicht-völkischer Begriff – d.h. frei von rassistischer Ideologie – der deutschen Mehrheitsgesellschaft definiert sich so: Es der Teil der Gesellschaft, der die Werte des Grundgesetzes vertritt, wie Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit, der Teil, der für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung einsteht, der Teil, der ein respektvolles Miteinander in einer pluralen Gesellschaft will. Dieser Teil der Gesellschaft ist auch glücklicherweise die große Mehrheit und zwar unabhängig von Abstammung und religiöser Überzeugung.

Der Teil der Gesellschaft, der für Hass, Spaltung und Ausgrenzung steht, gegen die Werte unseres Grundgesetzes, ist eine extreme Minderheit. Es geht darum, diesen Teil mit langfristiger Überzeugungsarbeit in unsere freiheitlich demokratische Gesellschaft zu integrieren, unabhängig davon welcher Abstammung er ist. Und soweit das nicht möglich ist, müssen diese Menschen mit rechtsstaatlichen Mittel und notfalls der ganzen Härte unserer Gesetze dazu gezwungen werden, unsere Ordnung zu achten und zu respektieren.

Die Mehrheitsgesellschaft, das sind wir, die wir – ohne wenn und aber – auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen. Wir sind mehr!

Happy Independence Day

„We hold these truth for self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their creator with certain unalienable rights, that among these rights are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.“
These words marked a milestone on the way to freedom and democracy. The Declaration of Independence was a turning point in world history, from a rule of the few, who thought it were their birthright to govern others, to Civil Rights and Democracy for all.
But freedom and democracy don`t suddenly appear and they are there, but it`s a continuing process of development. The fathers of the Declaration of Independent and the American Constitution lived in a time, when slavery was taken as normal. I don`t think that it`s wise to blame them for this from a point of view more than 240 years later. But we should recognize that a continuing development is demanded and normal. The history of the United States leads from Georges Washington to Abraham Lincoln to the Civil Rights Movement in the 1960s.

Today every person in the US has the same Civil Rights, at least formally. And is it reality? If you are in court? If you are looking for an apartment? If you are stopped by the police? Studies say that an overwhelming majority of coloured people feel, that`s a difference in such cases, if you are black or white.

In 1776 the winning run of freedom and democracy in world began. But if you look around, we are far from a victory of democracy all over world. And look to the US, and you see a country that seems to be controlled more by business than by idealism, a country that has all kinds of problems with poverty, guns and prejudices. Democracy is no spectator sport and you have to stand for it every day.

Today we live in a time when people want to make us believe, that liberal democracy is an obsolete idea. And even people sitting in the US on the levers of power seem to be sympathetic to such thoughts.

No! No! and again No! I’m sure the ideas underlying the American Declaration of Independence are stronger. And the American people are strong enough to resist such nonsense. The US is part of the free world and the ideas of freedom and equality are unstoppable.
Greetings from Germany, all my American friends. I wish you a Happy Independence Day !

Diese Bücher sind auch eine Hommage an meine Freunde unter den Taxifahrern

Alle meine 3 bisher veröffentlichten deutschsprachigen Bücher spielen hauptsächlich im Taximilieu. Ich bin öfter nach dem Grund gefragt worden.

Ich habe ein interessantes, langes und sehr wechselhaftes Berufsleben hinter mir. Ich war kaufmännischer Lehrling, Student, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni, Buchhalter, Hauptabteilungsleiter Finanzen und auch Taxifahrer. Dabei habe ich viele völlig unterschiedliche Menschen kennengelernt, sehr nette und weniger angenehme Zeitgenossen. Die meisten angenehmen Kollegen hatte ich unter den Taxifahrern. Ich habe niemanden eins-zu-eins abgebildet, aber viele meiner Protagonisten sind inspiriert durch tatsächlich lebende Personen.

Der Roman, der zur Zeit bei mir in Vorbereitung ist, wird allerdings in einem ganz anderem Umfeld spielen.

Warum muss Macron Merkel zu ihrem Glück zwingen ?

Ursula von der Leyen vom Europäischen Rat vorgeschlagen als Kommissionspräsidentin. Angela Merkel kann zufrieden sein, alles entwickelt sich in ihrem Sinne. Der überraschende Vorschlag von der Leyen spielt ihr in vieler Hinsicht in die Hände.

Wirklich ein überraschender Vorschlag? Eigenartigerweise wurde der Name von der Leyen als mögliche Kandidatin für die Kommissionspräsidentschaft von der französischen Zeitung Libération genannt schon eine Woche bevor der Vorschlag offiziell in Brüssel auf den Tisch kam. Gut informierte Kreise in Paris hatten eine derartige Lösung offensichtlich schon wesentlich früher im Focus.

Als naiver Beobachter frage mich natürlich, warum geht Politik so verschlungene Wege? Hätte man nicht viel früher auf eine solche Idee kommen können? Beispielweise schon vor der Europa-Wahl? Es kann auch damals politischen Insidern kein Geheimnis gewesen sein, dass z.B. Ursula von der Leyen wesentlich mehr Akzeptanz in europäischen Regierungen gefunden hätte als Manfred Weber. Ich habe nichts gegen Manfred Weber und schätze ihn mehr als die meisten anderen CSU Politiker. Aber war es nicht von vornherein klar, dass er für ein solches herausragendes Amt eher als ein Leichtgewicht gelten musste?

Von der Leyen als Spitzenkandidatin der EVP bei der Europa-Wahl, das wär natürlich für sie ein persönliches Risiko gewesen. Die Sache hätte schiefgehen können und sie wäre am Ende einfache Europa-Abgeordnete gewesen. Aber auch jetzt ist ja nichts endgültig klar, es besteht durchaus die Möglichkeit, dass unter den Umständen, wie alles gelaufen ist, sie die notwendige Mehrheit im EU Parlament verfehlt. Anders hätte es ausgesehen, wenn sie vorher als Spitzenkandidatin aufgetreten wäre, nämlich für die Partei, die relativ am besten abschneidet und dann mit überwältigender Mehrheit von Europäischen Rat vorgeschlagen wird, die Mehrheit im EU Parlament wäre ihr sicher gewesen. Und viel wichtiger, es wäre nicht bei vielen Wählern der Eindruck eines unwürdigen Geschachers entstanden, der sicherlich bei vielen Politikverdrossenheit hinterlässt.

Ich meine hier liegt ein generelles Problem in unserer heutigen Politik. Viel zu selten klare Kante und Risikobereitschaft, sich für eine politische Vorgehensweise zu entscheiden, von der man überzeugt ist, auch wenn der Ausgang schwer kalkulierbar ist. Taktieren und Abwarten ist schlimmer und meistens auch nicht sehr erfolgreich. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Gespräch vor der Bundestagswahl 2017 mit einem Freund der CDU Mitglied ist. Ich sagte damals, meiner Meinung nach wäre ein offensiver Wahlkampf für die CDU das Beste, dem „Merkel muss weg“ den zentralen Slogan „Merkel muss Kanzlerin bleiben“ klar entgegenstellen. Mein Freund war von dieser Idee nicht begeistert und die Parteiführung hielt von solchen Ideen wohl auch nichts, sonst hätte man wohl nicht einen Wahlkampf geführt, den Kritiker als asymmetrische Demobilisierung bezeichneten. Besonders erfolgreich war der aber wohl auch nicht.

Auch wenn ich mich nicht der Illusion hingebe, dass man auf mich hören wird, rate ich den Politikern: Klare Kante zeigen! Mut zum Risiko!

Saving Lives Is Never a Crime ! Letting People Die Is!

Matteo Salvini calls himself „Il Capitano“, captain and leader of the Italian nation, instead of choosing the self-designation „Il Duce“. Perhaps that would have been too obvious, or perhaps he simply had too much reverence for the Fascist leader Mussolini to take over his title. Salvini loves to pose in police uniform, same as his idol Mussolini. Sometimes he appears that way in parliament, even though he has not been in police service either today or in the past. Salvini incites hatred and racism, he would like to introduce special shop opening hours for migrant shops and special train compartments for migrants.

Carola Rackete, the German captain of Seawatch3 wants to save lives in the in the Mediterranean Sea. Since rescue operations have been stopped by European countries and the EU, private people and organizations have taken the initiative to save at least a few from drowning. Since important ministries in the Italian government are occupied by racists and fascists, these people are threatened with prosecution, if they bring rescued castaways into Italian waters. I know, there are people, who say, sea rescue services are to bring the rescued persons to Libya. If those who say so, pretend there would be a safe harbor in Libya, they are either very badly informed or they are liars. According to a decision of the European Court of Human Rights a return to Libya is contrary to European law. It is a very superficial argument to appeal in this context to new Italian laws . The people, who hid Anne Frank, were breaking the law, the people, who killed her, were following it.

I don`t know, how Italian courts will decide on a case-by-case basis. But I know the judgement of history.

Shame to „Il Capitano“ Matteo Salvini ! Honor to Captain Carola Rackete !

Vergognati, Capitano ! Viva La Capitana !

Die Gefahr durch den Rechtsterrorismus heute ist um ein Vielfaches größer als die durch die RAF damals

Die RAF Terroristen in den 1970er und 80er Jahren waren eine linksterroristische Gruppe von 60-80 Personen ohne irgendeinen Rückhalt in nennenswerten Teilen der Bevölkerung. Heute aber, 500 Neo-Nazis mit Haftbefehl gesucht, die nicht auffindbar sind. 12.700 gewaltbereite Rechtsextremisten teilweise bewaffnet, Unterstützung für autoritäres und rechtsextremes Gedankengut, das in Teilen der Bevölkerung verankert ist und bis in die Parlamente reicht. Das dies möglich ist, hat eine lange Vorgeschichte.

Der Nationalsozialismus eine prinzipiell gute Idee, die lediglich schlecht ausgeführt wurde ? Seit Ende 1945 wurden im Auftrag der Opinion Survey Section der US Militärregierung im besetzten Deutschland wiederholt Umfragen unter der deutschen Bevölkerung durchgeführt. Auch nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland behielten die Amerikaner ihr Interesse an der politischen Einstellung der Deutschen. Die U.S. High Commission for Germany beauftragte die Reactions Analysis Staff at HICOG Office of Public Affairs bis Ende 1952 weitere Erhebungen durchzuführen. Bei diesen Umfragen stellte sich heraus, dass ca 50% der Befragten die Einschätzung „Nationalsozialismus eine prinzipiell gute Idee“ teilten, Tendenz Angang der 1950er Jahre eher steigend.

Nachdem die US Militärverwaltung ihre Erhebungen einstellte, hatte offensichtlich niemand in Deutschland Interesse daran, derartige Umfragen fortzusetzen. Der Feind war ja im Osten und eine breite antifaschistische Aufklärungs- und Bildungsarbeit sah man wohl in der Konfrontation mit dem Kommunismus eher als hinderlich an. Hunderttausende Nazi-Verbrecher kamen straffrei davon und Millionen von indirekt Schuldigen wollten am liebsten alles verdrängen.

Immerhin die alten Nazis starben im Laufe der Jahrzehnte größtenteils weg und beginnend mit den Holocaust Filmen entstand in den letzten 40 Jahren bei vielen ein Bewusstsein für das Ausmaß der Nazi-Verbrechen. Aber eine sytematisch angelegte und breite politische Bildungsarbeit, darüber was Faschismus ist und warum er immer eine enorme Bedrohung für die Demokratie darstellt, wurde immer noch nicht ausreichend gefördert. Warum auch? Bestehende Probleme zudecken ist doch viel einfacher. So wundert es nicht, dass 70 Jahre nach Kriegsende immer noch ca 10% und mehr der Deutschen Aussagen zustimmten wie „Was Deutschland braucht ist eine einzige starke Partei die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“ oder „wir sollten einen Führer haben der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert.“

Wenn dann noch eine Partei es schafft in die Parlamente einzuziehen, deren Vertreter eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad fordern, die Zeit des Nationalsozialismus als einen „Fliegenschiss“ in der deutschen Geschichte ansehen und stolz auf die Leistungen der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg sind, wen wundert es da, das Neo-Nazis immer frecher auftreten und auch zum offenen Terrorismus übergehen.

Jede Terrorbewegung ist so stark oder so schwach, wie der Rückhalt für ihr Gedankengut in Teilen der Bevölkerung ist. Deshalb sind alle Demokraten aufgerufen, Zeichen der Gefahr zu erkennen und sich stark zu machen sowohl für konsequente Verfolgungsmaßnahmen gegen Rechtsterroristen als auch für aktive Aufklärung über die Gefahren. „Alerta Alerta Antifascista“ „Nazis raus“ (aus Bundeswehr, Polizei, Verfassungsschutz etc)