Drei Strategien gegen Covid. Nur No-Covid macht Sinn um gleichzeitig Leben zu retten und die Wirtschaft zu schonen

Es gibt grundsätzlich 3 Strategien gegen Covid. Die eine ist die „Augen zu und durch-Strategie“. Sie wurde versucht anfangs in Schweden, unter Trump weitgehend in den USA und am deutlichsten in Brasilien. Die Ergebnisse waren katastrophal. Hunderttausende überflüssige Todesfälle und der Wirtschaft hat es nichts genützt. Die Theorie: „wir müssen uns halt zwischen mehr Todesfällen und größerem wirtschaftlichen Schaden entscheiden“ wurde durch die Realität gerade in solchen Ländern als totaler Blödsinn entlarvt.

Die zweite Strategie ist eine konsequente NoCovid Strategie . Sie wurde vor allem verfolgt in einem Großteil asiatischer Länder und auch in Australien und Neuseeland. Diese Strategie war sowohl zur Geringhaltung der Todesrate als auch zur Begrenzung des Schadens sehr erfolgreich. Das ist durch umfangreiches Zahlenmaterial belegbar. Viele Leute hielten und halten diesen grundsätzlich anderen Ansatz aber für Europa für indiskutabel. Die Asiaten sind ja ganz anders, meistens handelt es sich um Diktaturen und Neuseeland oder Australien, das sind ja Inseln am anderen Ende der Welt. Solche Argumente konnte man hören und damit wurden Vorschläge, von solchen Staaten zu lernen, meist rundweg abgelehnt.

So entschieden sich fast alle europäischen Staaten für eine Strategie, die ich „Wischi-Waschi“ oder „hin und her“ Strategie nennen möchte. Das bisherige Ergebnis war weder für die Vermeidung von großen Todeszahlen noch für die wirtschaftliche Entwicklung gut. Interessant wäre jetzt mal ein Blick nach Kanada. Weder eine Insel am anderen Ende der Welt, noch eine Diktatur noch von asiatischer Mentalität geprägt. Dort stellen wir fest, dass Provinzen einen sehr unterschiedlichen Weg gewählt haben. Provinzen wie Alberta, Ontario oder Quebec sind einen Weg gegangen, der dem europäischen ziemlich ähnlich war, währen z.B. Nova Scotia, New Foundland und andere einen wesentlich härteren Anti-Covid Kurs gefahren haben, mit wesentlich besseren Ergebnissen sowohl auf medizinischem als auch auf wirtschaftlichem Gebiet.

Ein Teil der Zahlen, die oben genannten Einschätzungen belegen sind zu finden unter https://www.institutmolinari.org/ aber auch die Zahlen bei https://according to local sources… sprechen ein deutliche Sprache. Nun sind wir mittlerweile in der dritten Welle. Spät aber nicht zu spät, um aus den Erfahrungen, die weltweit in mehr 12 Monaten gemacht wurden, zu lernen. Kein Herumeiern sondern harte und konsequente Maßnahmen sind notwendig. No-Covid ist das Gebot der Stunde.

Ostern, Manitou und das große Geheimnis des Lebens

Manitou in Cree Schrift

Vor vielen Jahren in Kanada fragte ich einmal einen alten Angehörigen der Algoquin Nation was für ihn Manitou bedeutet. Er antwortete mir : Schau dir eine Blume an. Du kannst sie mit den Mitteln deiner Wissenschaft untersuchen, sezieren, zerlegen, wie auch immer. Du wirst niemals das Geheimnis ihres Lebens ergründen. Das Leben und seine Kraft ist ein Geheimnis, das unserem Verstand verschlossen bleibt. Manitou , das ist das Geheimnis, das uns alle leben lässt und diese Welt in Gang gesetzt hat und weiter erhält.

Ich gestehe, diese Antwort hat mich sehr beeindruckt. Ich habe mich mein Leben lang mit verschiedenen Religionen dieser Welt beschäftigt. Ich respektiere alle. Ich selbst bin im christlichen Sinne erzogen worden und aufgewachsen. Mein Denken und Glauben ist von christlicher Tradition geprägt. Dies kann und will ich gar nicht ändern. Der Respekt vor dem großen Geheimnis und die Ehrfurcht vor dem Leben ist etwas, was uns alle verbinden sollte.

Ostern feiern wir Christen das Fest der Auferstehung. Das bedeutet den Sieg des Lebens über den Tod. Die letzten Geheimnisse werden dem menschlichen Verstand immer verschlossen bleiben. So müssen wir uns auf das Wagnis des Glaubens einlassen. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. In diesem Sinne wünsche ich allen angenehme und Frohe Ostern .

Wenn der Markt allein die Einkommensverteilung regelt, führt das zur Perversion der Werte

Als 1956 Borussia Dortmund deutscher Fußballmeister wurde, war die Meisterschaftsprämie ein elektrischer Rasierapparat. Der Mannschaftskapitän hatte aber schon einen. „Kein Problem“ sagte der Vorstand. „Dann bekommst du ein schönes Radio. Aber da musst du 20,- DM zuzahlen, weil das ja teurer ist. 1960 war der erfolgreichste deutsche Fußballspieler Uwe Seeler. Sei Gehalt (geschätzt und umgerechnet in €) 7.200 pro Jahr. Das war 2 bis 3 mal soviel, wie ein durchschnittlicher Arbeiter damals verdiente. Heute verdient ein Spitzenverdiener im Profifußball ungefähr 14-15 Mio, das bedeutet ungefähr das 500fache eines durchschnittlichen Arbeiters.

Im Profisport ist die Entwicklung extrem, aber sie ist auch symptomatisch, wie sich die Einkommensverhältnisse auseinanderentwickelt haben. In den 1950er und Anfang der 1960er Jahre war davon auszugehen, dass derjenige, der an der Spitze eines großen Unternehmens stand 10 bis 20 mal so viel verdiente, wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im seinen Konzern. Im Jahre 2014 belegte eine Untersuchung, dass ein Vorstandsmitglied in einem Dax Konzern das 57fache von dem verdiente, was ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in gleichen Konzern bekam, ein paar Jahre später war es bereits das 71fache. Wir könnten die Beispiele unendlich fortsetzen: der Investmentbanker, der mehr als 100mal so viel verdient, wie die ausgebildete Spezialpflegekraft auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Jeff Bezos, der sich so nebenbei eine Villa mit 25 Badezimmern kauft, während ein Amazon-Auslieferungsfahrer kaum die Miete für eine menschenwürdige Wohnung von seinem Gehalt finanzieren kann, und vieles mehr.

Das ist keine Neid-Debatte, das ist eine Debatte über die Werte in unserer Gesellschaft. Leistung soll sich lohnen. Da sind wir fast alle einig. Aber wir haben uns von der Idee der sozialen Marktwirtschaft, die einmal am Anfang der Bundesrepublik Deutschland stand, sehr weit entfernt. Wir sollten nicht achselzuckend auf diese Entwicklung reagieren. “ Das ist halt der Markt. Die internationale Konkurrenz ist so. Da kann man nichts machen.“ Nein, wir sollten aufhören, mit einer Vergötzung des Marktes. Die Auseinanderentwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung wird unsere Gesellschaft auf Dauer zerreißen. Kehren wir zurück zu den Werten, mit denen wir einmal angefangen haben, zu den Werten der sozialen Marktwirtschaft !

Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahmzulegen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre eigene Sache. Wir zerbrechen uns darüber nicht den Kopf. Uns ist jedes gesetzliche Mittel recht, den Zustand von heute zu revolutionieren. […] Wir kommen nicht als Freunde, auch nicht als Neutrale. Wir kommen als Feinde! Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir.

Verfassungsschutz beobachtet AfD nun bundesweit

Wir sind eine wehrhafte und streitbare Demokratie, die aus den Erfahrungen der Weimarer Republik gelernt hat. Das oben genannte Goebbels Zitat belegt, wie Feinde der freiheitlich demokratischen Grundordnung Freiheiten und Möglichkeiten, die ihnen die Weimarer Republik bot, bewusst ausnutzten, um die Demokratie erst an den Rand der Funktionsunfähigkeit zu bringen und dann zu zerstören. Daraus haben wir gelernt. Das Bundesverfassungsgericht prägte den Begriff der streitbaren, wehrhaften Demokratie. Zu den Grundrechten, die im Grundgesetz niedergelegt sind, gehören einerseits Bürgerrechte, auf die nur Deutsche Anspruch haben, und andererseits allgemeine Menschenrechte, auf die alle Menschen pochen können, die in Deutschland leben. Oberstes Prinzip ist die Würde des Menschen, die unantastbar ist. Wer diese angreift, kann sich nicht auf Freiheiten des Grundgesetzes berufen. Wir werden kein zweites Mal in unserer Geschichte zu lassen, dass Grundsätze der Freiheit und der Demokratie ausgenutzt um Freiheit und Demokratie zu beseitigen.

Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen ist es zu begrüßen, dass die AFD – spät aber nicht zu spät – ein Verdachtsfall für den Bundesverfassungsschutz geworden ist. Ja, wir sind eine streitbare und auch wachsame Demokratie. Verfassungsfeinde sollen das wissen. Wer in dieser Partei aktiv mitarbeitet, bei dem ist zumindest der Anfangsverdacht gegeben, dass er nicht zu den Werten unseres Grundgesetzes steht und im gegebenen Fall sogar bereit sein wird, diese zu beseitigen. Wer diese Partei wählt, macht es obwohl – oder vielleicht gerade weil ? – hier an maßgeblicher Stelle Rechtsextremisten am Werk sind. Gegenüber solchen Kräften ist keine Neutralität angebracht.

Beweisen wir, dass wir aus der Geschichte gelernt haben und zeigen wir den Feinden unserer Werte, dass wir eine wehrhafte Demokratie sind.

Wenn Mesut schlechtere Chancen hat als Thomas ist das keine Fremdenfeindlichkeit sondern Rassismus

Mesut ist deutscher Staatsbürger und in Deutschland geboren, Thomas auch. Mesuts Großvater ist in Anatolien geboren als türkischer Staatsbürger, Thomas Großvater in Posen als polnischer Staatsbürger. Mesuts Vater kam in den 60er Jahren nach Deutschland, weil ihn eine deutsche Firma angeworben hatte .Thomas` Vater ungefähr 20 Jahre vorher als deutschstämmiger Aussiedler aus den „Ostgebieten“. Wenn sich beide um eine Arbeitsstelle oder eine Wohnung bemühen, wer hat wohl bessere und wer schlechtere Chancen ? Die Antwort wissen wir alle. Womit hat das zu tun? Damit dass der Eine ein Fremder ist und der andere nicht? Wohl kaum, denn fremd sind beide nicht hier. Es hat mit einem tief-verwurzelten Rassismus zu tun, der seit Jahrtausenden Menschen einteilt in solche, die einen besseren Platz in der Gesellschaft beanspruchen dürfen und solche, die nur geduldet und halt für niedere Tätigkeiten vorgesehen sind.

Schon Aristoteles geht von einer natürlich bedingten Unterscheidung von Freien und Sklaven aus. ªDenn geradeso wie ein lebendiges Wesen (zÙon) aus Seele und Leib und die Seele aus Vernunft (lÛgos) und Begierde (Ûrexis) und die Familie aus Mann und Weib und der Besitz aus Herrn (despÛtēs) und Sklaven (do˚los), ebenso ist auch der Staat aus ungleichartigen Bestandteilen zusammengesetzt“ ( Aristoteles, Politik, S. 134 ) . Und die Sklaven sind natürlich fremde Barbaren, die ihm von der Natur für niedere Tätigkeiten vorgesehen zu sein scheinen. Diese Grundeinstellung setzte sich durch die Jahrhunderte fort, so nannte Cicero Juden und Syrer „Menschen, die zu Sklaven geboren wurden“. Im Mittelalter begründete Thomas von Aquin unter Berufung auf Aristoteles die Rechtmäßigkeit und Notwendigkeit der Sklaverei aus dem dem Naturrecht (Esclaves et domestiques au Moyen Âge dans le monde méditerranéen, Paris 1996 ), Mit dem päpstlichen Bullen „Dum diversas“ (1452) und „Romanus Pontifex“ (1455) wurde es Christen erlaubt, Sarazenen, Heiden und andere zu versklaven. Es gab aber auch Papstbriefe, die sich entschieden gegen Sklaverei aussprachen (JohannesVIII 873 und PiusII 1462). Es ist allerdings nicht klar, ob sich diese nicht ausschließlich auf christlich getaufte Menschen bezogen. Denn auch im Mittelalter war es untersagt, Christen zu versklaven, Es war Christen aber keineswegs verboten, die Angehörigen nicht-christlicher Völker als Sklaven zu halten, so waren zB im Frühmittelalter die meisten slawischen Völker noch nicht christianisiert und der Wortstamm Sklave und Slawe klingt nicht zufällig sehr ähnlich.

Mit der Neuzeit erfuhr die Sklaverei einen neuen Aufschwung und viele weiße Christen sahen offensichtlich keinen Widerspruch darin, versklavten Afrikaner einerseits das Christentum zu predigen und sie zu bekehren, andrerseits sie trotzdem in Sklaverei zu halten. Die im Mittelalter weitgehend gewahrte Unterscheidung zwischen dem Verbot der Versklavung christianisierter Menschen und der Tolerierung bei Nicht-Christen bricht hier auseinander und die rassistische Rechtfertigung kommt klar zum Vorschein. Auch kommt hier der klare Widerspruch zu Tage zwischen den universell proklamierten Menschenrechten der Aufklärung und der Realität. Die Verfasser der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung ( „all men are created equal“ ) waren größtenteils Sklavenhalter. Nebenbei Besitzer von Sklaven, die i.d.R. zu dem gleichen Gott beteten wie sie selbst und nach christlichem Glauben ein Abbild des einen Gottes waren . Sowohl der christliche als auch der aufklärerische Anspruch versagten total vor den wirtschaftlichen Interessen und und der tief verwurzelten rassistischen Grundeinstellung.

Auch wenn zumindest die offizielle Form der Sklaverei heute nicht mehr verbreitet ist, die Grundeinstellung bleibt in vielen Köpfen, nämlich es gäbe Menschen für höherwertige Tätigkeiten und solche für die schlechter bezahlten und niederen. Und es ist wohl kein Zufall, das diese Einteilung sehr oft mit deren ethnischer Herkunft einhergeht. Abstammung, Hautfarbe oder einfach nur der Name entscheiden viel zu oft, über die Chancen die ein Mensch in unserer Gesellschaft hat. Diese Realität und die zu Grunde liegende Denkweise gilt es zu überwinden, sonst bleiben all unsre aufklärerischen, christlichen und humanistischen Ideale nur eine dünne Fassade, hinter der sehr schnell eine Menschen-feindliche und rassistische Wirklichkeit hervortritt.

Kein Witz. Ich habe das noch in der Schule erlebt: Klo Knaben katholisch

Getrennte Toiletten für evangelisch und katholische Schüler in einer Schule

Im Alter von 6 Jahren kam ich in die Schule. Der Krieg war seit 10 Jahren zu Ende. Aber immer noch waren viele Schulgebäude zerstört. So mussten sich die evangelische und die katholische Volksschule am Ort ein Gebäude teilen. Trotz der dadurch verursachten räumlichen Enge hielt man es für notwendig für die Schülerinnen und Schüler vier Toiletten zu haben: Mädchen evangelisch, Mädchen katholisch, Knaben evangelisch, Knaben katholisch. Unglaublich aber wahr. Und ich kenne die Geschichte eines sechsjährigen Mädchens ( ich bin heute mehr als 40 Jahre mit ihr verheiratet ) , die kam mit ihren Eltern 1960 – als Flüchtling aus der DDR – in ein kleines, rein katholisches Dorf im Rheinland. Man erwartete von ihr, mehr als eine Stunde mit dem Linienbus zur nächsten evangelischen Volksschule zu fahren. Erst nach langwierigen Verhandlungen mit dem Kreis-Schulamt durfte sie die katholische Volksschule, die um die Ecke lag, besuchen. Für uns Kinder waren Konfessions-Unterschiede auch damals kein Problem. Aber wir hörten manchmal von den Erwachsenen Äußerungen über die jeweils andere Konfession “ die sind alles Heuchler “ oder “ die sind so fanatisch“.

Solche Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Wenn ich heute mit jungen Leuten rede, dann können die mit dem Begriff „Mischehe“ nichts anfangen oder vermuten dahinter etwas völlig anderes als in den 50er und 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts damit gemeint war. Damals war das nämlich die Bezeichnung für eine Ehe zwischen katholischen und evangelischen Christen. Junge Leute vermuten hinter dieser Bezeichnung eher zB eine Ehe zwischen einer weißen Europäer*in und einem Einwanderer aus Afrika, oder eine Ehe zwischen einer Muslima und einem Christen. Vor dem Hintergrund meiner Lebenserfahrung begründet sich dadurch die Hoffnung, Vorurteile die uns heute noch oft trennen, werden zukünftigen Generationen genauso lächerlich erscheinen, wie eine Trennung der Klos für katholische und evangelische Jungens. Gesunder Menschenverstand und gegenseitige Toleranz wird sich durchsetzen. Freundschaften und auch Ehen zwischen Menschen völlig unterschiedlicher ethnischer Herkunft oder Religion werden – trotz Vorurteilen und widerlicher Hetze – auf Dauer als etwas völlig normales empfunden werden. Liebe, Toleranz und gegenseitiges Verständnis sind stärker als der Hass. Und wenn es noch etwas braucht um diese Zuversicht zu bestärken, dann fällt mir ein in Köln geborener Freund ein. Sein Name und sein mediterranes Aussehen weisen auf eine nicht-deutsche Abstammung hin, aber er sagt im bester kölscher Mundart.

„Ich binne ne Kölsche Jung, watt willste mache?
Ich binne ne Kölsche Jung und tun jern lache.

Sind Corona und Klimawandel Marshmallow-Tests für die demokratische Gesellschaft ?

In der Psychologie gibt es wenige Experimente, die derart bekannt und charmant sind wie der Marshmallow-Test: Ein Vorschulkind sitzt in einem Raum, vor ihm auf dem Tisch ein Marshmallow. Ein zweites Stück Schaumzucker in Sichtweite. Der Raum ist reizarm, es gibt keinen Fernseher, keine Bücher – und so bleibt das Kind mit sich und der Süßigkeit allein. Seine Aufgabe: ausharren. Denn wer so lange warten kann, bis die Leiterin oder der Leiter des Experiments zurückkommt, darf es beide Marshmallows essen. Wer das nicht schafft und zubeißt, bekommt nicht mehr als diesen einen. So weit, so einfach.

Marina Weisband fragt auf Twitter : “ Würde der Kapitalismus den Marshmellow-Test bestehen? “ Ich bin sicher, er würde. Denn gerade der Erfolg von Firmen, die in diesem System agieren, beruht darauf , einen vernünftigen Ausgleich zu finden zwischen Gewinnentnahmen, Investitionen und Rücklagen für schwierige Zeiten. Natürlich gibt es im Kapitalismus Firmen und auch große Konzerne, die zu Grunde gehen, weil sie Megatrends nicht oder viel zu spät erkennen. Auch wage ich keine Prognose, ob wir nicht in 200 Jahren oder wann auch immer – falls die Menschheit sich bis dahin nicht selbst ausgelöscht hat – eine Wirtschaftsform gefunden haben, die den Interessen der Allgemeinheit besser dient. Aber an dem Fortbestehen des Kapitalismus in den nächsten Jahrzehnte zweifle ich nicht. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob unsere freiheitliche, demokratische Gesellschaftsform die Marshmellow-Tests, die sie zu bestehen hat und die in der Zukunft zu erwarten sind, überstehen wird.

Die Quintessenz des Marshmellowtests sagt uns, vorübergehender Verzicht bringt langfristigen Erfolg. In der Corona-Krise stellen wir fest, ein wesentlicher Teil der Bevölkerung ist nicht bereit, dies zu akzeptieren. Das ist natürlich sehr unterschiedlich nach Ländern, in Deutschland ist die Akzeptanz ziemlich groß, zB in den USA wesentlich geringer. Die Motive der nicht-Akzeptanz sind sehr unterschiedlich. Da sind Leute die einfach nur Party machen wollen und ihr altes Leben sofort wieder zurückhaben wollen, es gibt Menschen, die den unterschiedlichsten absurden Theorien anhängen und es gibt Rechtsextreme, die jede Bewegung, die diesen Staat diskreditiert und schwächt, unterstützen, weil so so ihre Chance sehen, eine bunte Koalition also. Die Befürchtung ist nicht weithergeholt, dass bei Komplikationen der Corona Krise durch Mutationen zB oder zukünftigen Pandemien – so unwahrscheinlich sind die wohl nicht – diese Gruppe immer größer werden könnte. Und erstmal bei Herausforderungen, die noch eine ganz andere Dimension haben ?

Der Klimawandel ist eine noch viel größere Herausforderung. Wachstum ist in der Wirtschaftsgeschichte jahrhundertelang direkt proportional mit dem Ressourcenverbrauch abgelaufen. Genau diesen Zusammenhang gilt es zu entkoppeln. Das ist mehr als ein Jahrhundert-Projekt. Es ist eine Illusion zu glauben der Markt und ein paar geniale technische Lösungen würden es schon schaffen, dass Ganze ohne große Verwerfungen zu bewältigen. Es wird Gewinner und Verlierer geben, gewaltige gesellschaftliche Spannungen und auch – analog zum Marshmallow-Test – die Haltung, was kümmern mich die Probleme von morgen, wahrscheinlich alles nur Panikmache, ich will den Konsum in der gewohnten Form fortsetzen. Es werden nicht immer nur die Konzerne sein, die bremsen. Der Großteil davon ist erfahrungsgemäß flexibler als viele denken. Das große Problem wird – um es mal bildhaft auszudrücken – der Ausgleich zwischen dem Elektromobilität nutzenden Veganer und dem Nackensteak essenden Dieselfahrer sein.

Mit der Corona Krise ist das autoritäre China bisher am erfolgreichsten umgegangen. Wie wird es mit den Herausforderungen der Energiewende und der Klimakrise sein? Ich glaube an die Vorteile einer freiheitlich demokratischen Ordnung. In solch einer Ordnung müssen sich die Verantwortlichen alle vier Jahre Wahlen stellen. Das ist normalerweise ein Vorteil. Kann aber auch ein Nachteil sein, wenn sich der Wähler lieber für den einen Marshmallow jetzt entscheidet. Viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit in den nächsten Jahren wird notwendig sein.

Whoever denies that Joe Biden is the legitimate 46th President of the United States is not a patriot but an enemy of the constitutional order

On January 20 Joe Biden was inaugurated according to the Constitution of the United States as 46th President. The 74 million American voters, who would have preferred to see another candidate as president, have now had time to get used to the facts. 81 million voters voted for Joe Biden and he had a majority of 306-232 in electoral college. Now everyone has to decide whether he is a patriot or he disputes the facts that have come about due to the constitution of the United States.

There were allegations of voter fraud. Around 40 independent American courts have examined these and rejected them as absolutely unproven. Whoever still now denies Joe Biden is the rightful President of the United States is denying the constitutional order of this country and is mentally on the side of people who want to eradicate this order. Opposition belongs to democracy and of course everyone can say I am in opposition to this government. But it is an old and good democratic tradition to give every new government a chance. And it is a good American tradition to unite behind the rightful presidents in times of crisis.

Everyone has to decide now whether they are for or against the American Constitution. God bless America. God save the 46th President of the United States!

Wounded Knee ein Symbol im Kampf der Native Americans für ihre Rechte

Wounded Knee steht im Zusammenhang mit zwei historische Ereignissen im Kontext der Indianerkriege und der Indianerpolitik der USA. Im Jahr 1890 wurde Wounded Knee durch das Massaker der US Army an Lakota-Indianern bekannt. Und im Jahre 1973 erregte der Ort Aufsehen wegen der Besetzung durch Aktivisten des American Indian Movement . Die Aktion bewirkte weltweites Aufmerksamkeit und fand zahlreiche prominente Unterstützer. U. a. Marlon Brando, der in damals den Oscar für seine Rolle in „Der Pate“ bekam, boykottierte die Verleihungszeremonie und ließ statt seiner die Vorsitzende des National Native American Affirmative Image Committee, Sacheen Littlefeather auftreten.

Heute möchte ich an dieser Stelle eine -bisher unveröffentlichte Passage- aus dem Buch, an dem ich zur Zeit arbeite – „Die Rückkehr des weißen Büffelkalbs“ , als Leseprobe hier vorstellen:

„In den Jahren danach habe ich mich an verschiedenen Orten herumgetrieben und viel Alkohol getrunken. Trinken war für mich normal, mein Vater hatte getrunken, mein Stiefvater, sogar meine Mutter – diese nicht so viel, aber ich habe sie öfter beschwipst gesehen, meine älteren Schwestern tranken und also ich auch. Du trinkst, um deinen Ärger und deine Wut herunter zu spülen, aber in Wirklichkeit wird die Wut immer größer. So geriet ich auch oft in Schlägereien.

Während meiner Barhopping-Tage ging ich in Rapid City in einen Saloon, um ein Bier zu trinken. Unter den Sioux hat Rapid City den Ruf, für die Indianer die rassistischste Stadt des ganzen Landes zu sein. Als ich dort saß ich in dem Saloon kam so eine weiße alte Schachtel und keifte mich an. In Wirklichkeit war sie wohl nicht viel älter als dreißig, aber ich war damals siebzehn und sie kam mir sehr alt vor. Sie sagte: „Du dreckige Indianerin, raus hier und geh auf die Gosse, wo du hingehörst.“ Ich ging auf sie zu. „Was hast du gesagt?“ „Du hast mich schon verstanden, ab in den Dreck, da gehörst du hin.“ Ich fühlte unbändige Wut in mir aufsteigen. Vor mir auf der Theke lag ein Glas-Aschenbecher. Ich zerschlug ihn und mit einer Scherbe davon schnitt ich der Alten kurz oberflächlich ins Gesicht. Dann ging ich raus. So betrunken, wie ich war, fühlte ich mich gut. Später wieder nüchtern, dachte ich nur: „Was hast du für einen gefährlichen Scheiß gemacht. Du hättest sie schwer verletzen können und die Polizei hätte dich geschnappt und du wärst für ewig im Knast gelandet.“

Ich schlug mich weiter durch von Stadt zu Stadt. Ladediebstahl gehörte dazu um zu überleben. Einmal wurde ich von der Polizei geschnappt. Vor ein paar Jahren bestand der Lieblingssport der weißen Staatstruppen und Polizisten darin, junge indianische Mädchen zu verhaften, die betrunken oder unordentlich aussahen, selbst wenn die Mädchen nüchtern waren, sperrten sie diese in sogenannte Ausnüchterungszellen und dort vergewaltigen sie dich. Manchmal brachten sie die Mädchen in ihren Streifenwagen in die Prärie, um „Ihnen zu zeigen, was ein weißer Mann tun kann. Ich tue dir wirklich einen Gefallen, Girl. “ Nachdem sie mit ihnen fertig waren, warfen sie die Mädchen oft aus ihren Autos und fuhren los. Dann musste das vergewaltigte Mädchen fünf oder zehn Meilen nach Hause laufen und hatte keine Chance etwas dagegen zu tun. Indianische Mädchen, die weiße Polizisten beschuldigen, werden in South Dakota selten ernst genommen.

Das American Indian Movement traf unser Reservat wie ein Tornado, wie ein neuer Wind, der aus dem Nichts weht, ein Trommelschlag aus der Ferne, der immer lauter wird. Es war fast wie das Ghost Dance-Fieber, das die Stämme 1890 getroffen hatte, wie Großvater Fool Bull erzählt hatte, und breitete sich wie ein Präriefeuer aus. Das erste Treffen mit dem AIM löste ein inneres Erdbeben in mir aus. Es war ein herrliches Gefühl. Meine erste Begegnung mit AIM fand 1971 in einem Powwow bei Crow Dog nach dem Sonnentanz statt. Ich zeigte auf Leonard Crow Dog und fragte eine junge Frau: „Wer ist dieser Mann?“ „Das ist Crow Dog“, sagte sie. Ich schaute auf seine langen, glänzenden Zöpfe. Zu dieser Zeit lange Haare zu tragen, war für Männer immer noch außergewöhnlich. „Ist sein Haar echt?“ fragte ich. „Ja, das ist sein echtes Haar.“ Mir ist aufgefallen, dass fast alle jungen Männer des AIM lange Haare hatten, einige mit daran gebundenen Adlerfedern. Sie hatten alle bunte Hemden an. Sie hatten einen neuen Look, nicht den Hangdog-Reservierungs-Look, den ich gewohnt war. Sie bewegten sich auch anders, selbstbewusst und prahlerisch, sowohl die Mädchen als auch die Jungen. Sie gehörten vielen Stämmen an und waren in einem heruntergekommenen Lastwagen mit Slogans und Gemälden gekommen. Sie waren den ganzen Weg von Kalifornien zum Sonnentanz gereist, wo sie an der Besetzung von Alcatraz Island teilgenommen hatten.

Dann sprach Leonard Crow Dog und sagte, wir hätten seit Generationen mit unseren Lippen mit dem weißen Mann gesprochen, aber er habe keine Ohren zu hören, keine Augen zu sehen, kein Herz zu fühlen. Crow Dog sagte, dass wir jetzt mit unseren Körpern sprechen müssen und dass er keine Angst hatte, für sein Volk zu sterben. Es war eine sehr emotionale Rede. Einige Leute weinten. Ein alter Mann wandte sich an mich und sagte: „Dies sind die Worte, die ich immer sprechen wollte, aber in mir eingeschlossen hatte.“

Ich fragte einen der jungen Männer: „Was für Indianer seid ihr?“ „Wir sind AIM“, sagte er mir, „American Indian Movement. Wir werden die Dinge ändern. “ Ich schloss mich ihnen an. Und nachdem ich das gemacht hatte, hörte ich auf zu trinken.

Wir Jüngeren wurden zu AIMs Speerspitzen und die Sioux gaben den Stil vor. Die AIM-Uniform war im Sioux Stil, mit den schwarzen „wütenden Hüten“ mit den Federn im Hutband, den Knochenhalsbändern, den Medizinbeuteln an unseren Brüsten und den Levi-Jacken, auf die wir unsere Kampfzeichen gestickt hatten – Alcatraz, Trail of Broken Treaties, Wounded Knee. Einige Typen trugen ein drittes, extra dünnes Geflecht als Kopfhautbedeckung. Wir haben unsere eigenen Songs erfunden – fortyniners, Ehrenlieder, Lieder für einen Krieger hinter Gittern im Slammer. Das AIM-Lied wurde von einem vierzehnjährigen Sioux-Jungen erfunden. Die Ojibways sagen, dass es von einem ihrer eigenen Kinder erfunden wurde, aber wir wissen es besser.

Zuerst hassten wir alle Weißen, weil wir nur eine Art kannten – die John Wayne-Art. Es dauerte einige Zeit, bis wir Weiße trafen, mit denen wir uns identifizieren und deren Freundschaften wir akzeptieren konnten.

Wir kreierten unsere eigenen Beziehungen und Ehen.  Normalerweise sagte ein Junge zu einem Mädchen: „Sei meine alte Dame“ und sie antwortete vielleicht: „Ohan, du bist mein alter Mann.“ Sie würden einen Medizinmann suchen, um sie zu federn und zu schmücken, die Pfeife mit ihnen zu rauchen und eine rote Decke um ihre Schultern zu legen. Das machte sie zu Männern und Frauen im indianischen Stil. Das Gesetz der Weißen erkannte solche Ehen nicht an, aber für uns waren sie gültig. Manche dauerten nur kurze Zeit, manche sehr lange.

Ich bin selbst in eine dieser Ehen geraten. Es dauerte gerade lange genug, bis ich schwanger wurde. Geburtenkontrolle widersprach unseren Überzeugungen. Wir hatten das Gefühl, dass nicht mehr genug Indianer auf der Welt übrig waren. Je mehr zukünftige Krieger wir auf die Welt gebracht haben, desto besser, dachten wir. Einige Jahre lang führten BIA ( Bureau of Indian Affairs )-Ärzte Tausende von Zwangssterilisationen an indischen und Chicano-Frauen ohne deren Wissen oder Zustimmung durch. Aus diesem Grund freute ich mich über den Gedanken, ein Baby zu bekommen. Ich habe mir geschworen niemals mein Kind in einem weißen Krankenhaus zur Welt zu bringen. Dann passierte etwas Seltsames. Die traditionellen alten Vollblut-Medizinmänner und Medizinfrauen haben sich uns Kindern angeschlossen.

Besonders die alten Großmütter haben mich tief beeindruckt. Frauen wie Lizzy Fast Horse, eine Urgroßmutter, die bis zum Gipfel des Mount Rushmore kletterte, direkt auf diesen riesigen Glatzköpfen stand und die Black Hills für ihre rechtmäßigen Besitzer zurückeroberte. Lizzy, die von den Soldaten den Berg hinuntergeschleppt wurde, wurde an ihre neunjährige Urenkelin gefesselt, bis ihre Handgelenke verletzt waren und ihr Blut in Tropfen auf den Schnee fiel. Es ist wirklich wahr, sagt die alte Cheyenne: „Eine Nation ist nicht tot, bis die Herzen ihrer Frauen auf dem Boden liegen.“ Nun, die Herzen unserer alten Vollblutfrauen waren nicht am Boden. Sie waren weit oben und konnten uns immer noch ermutigen.

Die Rancher und die Polizei verbreiteten eine Menge Lügen über uns. Die Medien sagten, wir würden Banküberfälle veranstalten, Gefängnisse stürmen, die Landeshauptstadt in Brand setzen, den Mount Rushmore in die Luft jagen und den Gouverneur ermorden. Sie nannten uns die neuen Indianer. Zur Hölle, wir sind die alten Indianer, die Grundbesitzer dieses Kontinents, die kommen, um unser Recht einzufordern.

Und so haben wir Wounded Knee besetzt. Crow Dog war der spirituelle Führer. Die Gewehre wurden gezählt. Jemand maß die Menge an Benzin, die noch in den Tanks der Tankstelle war. Einige von uns Frauen gingen in den Laden, um die Lebensmittel und Konserven zu beschaffen. Unterwegs trafen wir eine ganze Safari von Leuten, die Lebensmittel aus der Cafeteria geholt hatten, um der Menge in der Kirche und den Kriegern in den Bunkern das Frühstück zu machen. Ein Auto voller Idioten erschien am Horizont. Einige Männer feuerten drauf los und es ging alles schnell. Ich konnte ein FBI-Auto auf der Straße sehen, aber es blieb in respektvoller Entfernung. Wir wurden beobachtet. Dann haben wir uns  verschanzt und die Belagerung dauerte 70 Tage.“

In der Hoffnung, dass die Botschaft, die uns die indigenen Völker dieser Welt zu geben haben nicht verhallt, werde ich weiter an diesem Buch arbeiten und es hoffentlich bald veröffentlichen.

Der Antisemitismus ist die Mutter aller Verschwörungstheorien

Antisemitische Verschwörungstheorien sind Jahrtausende alt. Schon die Bibel berichtet im 2. Buch Mose davon. Was ist es, wenn nicht eine Verschwörungstheorie, wenn der Pharao sagt: „Siehe, das Volk der Israeliten ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. “ Man kann nur vermuten, warum das Volk der Juden anderen Völkern seit der Vorzeit suspekt erschien. War es, weil sie die erste monotheistische Religion überhaupt darstellten? War es, weil sie auch nach Niederlagen ihrem Gott treublieben und nicht wie es oft in der Antike üblich war, die Götter der Sieger ihrem eigenen Götter-Kanon hinzufügten und als überlegen anerkannten? War es, weil sie sich selbst im Exil einer Assimilation verweigerten? Den Römern, die sonst in religiösen Fragen sehr tolerant waren, missfiel besonders der Eigensinn der Juden. Nach ihrer Auffassung konnte ja jeder seine eigenen Götter verehren, aber er musste anerkennen, dass der Kaiser in Rom auch ein Gott war und zwar der mächtigste in ihrem Imperium. Da spielten die Juden nicht mit, übrigens auch die Christen nicht, was eine große Zahl von Verfolgungen nach sich zog. Nebenbei bemerkt, die ersten Christen waren anfangs eine Art jüdische Sekte. ( Sie verkündigten den anderen Juden: Der Messias, auf den ihr wartet, war schon da. Nur ihr habt in umgebracht.) Erst mit dem Wirken des Apostel Paulus wurden die Weichen gestellt, dass aus dieser jüdischen Sekte eine Weltreligion wurde. Anfangs gab es Juden-Christen und Heiden-Christen und es wurde ernsthaft diskutiert, ob Heiden, die Christen werden wollten, nicht erstmal den jüdischen Glauben annehmen mussten.

Erst nachdem sich das Christentum in der damals bekannten Welt durchgesetzt hatte entwickelte sich ein Anti-Judaismus, der teilweise schon bei den Kirchenvätern im 4. und 5. Jahrhundert festzustellen ist. Im Mittelalter steigerte sich das zu widerlichen Höhen. Im 13. Jahrhundert behauptete der Dominikanermönch Thomas von Cantimpré, dass die Juden Christen in Ritualmorden töteten und das geopferte Blut an alle jüdischen Gemeinden verteilt werde. Die Juden wurden zu Sündenböcken- schlechthin. Für Seuchen oder andere Katastrophen, die über die Menschen hereinbrachen, konnte es nur einen Schuldigen geben. Beim Ausbruch der Pest im 14. Jahrhundert bekamen die Juden den ganzen Hass ihrer nicht-jüdischen Mitbürger zu spüren. Es half wenig, dass verschiedene Päpste versuchten entgegenzuwirken und die Juden immer wieder unter ihren Schutz stellten, es konnte diese nicht vor Übergriffen schützen. In der langen Reihe der Verfolgungen von Juden aus angeblich christlichen Motiven ist als unrühmliches Beispiel zu nennen das Alhambra Edikt 1492 in Spanien ( Vertreibung der Juden ) wobei selbst getaufte Juden von der Inquisition ständig unter den Generalverdacht der Häresie gestellt wurden. Weithinaus über die in früheren Zeiten üblichen anti-judaistischen Positionen ging auch Martin Luther. Von der Aufforderung zur Inbrandsetzung der Synagogen über die Zerstörung der jüdischen Wohnhäuser und den Zwang zu harter körperlicher Arbeit bis hin zur Empfehlung, den Juden alle Bücher und Wertsachen zu entziehen, ist bei ihm alles zu finden.

Seit dem 19. Jahrhundert ist festzustellen, dass sich antisemisches Gedankengut vor allem mit nationalistisch völkischer Ideologie verbindet. Fanatischen Judenfeinde organisierten sich in Parteien und Verbänden. In Dresden existierte seit 1881 die „Deutsche Reformpartei“; in Kassel wurde 1886 die „Deutsche Antisemitische Vereinigung“ gegründet. Diese und viele mehr bereiteten den Boden für die Rassenideologie der Nazis. Bald waren die Juden an allem Schuld. So wurde der katholische Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, der auf Weisung Hindenburgs und Ludendorffs 1918 das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet hatte, abwechselnd als Marionette des Vatikans oder der Juden dargestellt und schließlich von Rechtsextremen ermordet. Die ganze antisemitische Hetze fand ihren fürchterlichen Höhepunkt in dem Versuch der Nazis alle Juden weltweit auszurotten, dem 6 Millionen jüdische Menschen in vielen Ländern Europas zum Opfer fielen.

Als dieses einzigartige Verbrechen nach dem 2. Weltkrieg international bekannt wurde, war der Schock so groß, dass sich nur wenige noch offen zu antisemitischen Positionen bekennen. Stattdessen sind immer mehr Spielarten eines – letztendlich nur schlecht – versteckten Antisemitismus festzustellen. Dazu gehören Leugnung oder Relativierung des Holocaust, Bestreiten des Existenzrechts des Staates Israels, Verweis auf jüdische Herkunft bestimmter Hassfiguren des rechtsextremen Lagers ( zb Soros ) aber auch einige teilweise links erscheinende Framings, wie “ die Macht des jüdischen Finanzkapitals“. Hinter allem steht eine ebenso einfache wie perfide Logik, für alles tatsächlich oder scheinbar Schlimme braucht es einen Sündenbock. Da werden die abstrusesten Theorien hervorgeholt. Nichts ist Leuten, die der AFD oder QAnon anhängen, blöd genug, es zu verbreiten. So unterstellte 2018 der AfD-Landtagsabgeordnete Till Schneider in einer Rede dem Zentralrat der Juden, er wolle mithilfe des Islam „multikulturelle Verhältnisse herbeiführen“ und das deutsche Volk abschaffen.

Treten wir jeder Form von Antisemitismus oder Verschwörungstheorien entgegen ! Entlarven wir bei dem was Schlimmes geschieht die ebenso dummen wie einfachen Sündenbock Erklärungsmuster ! Suchen wir nach den wirklichen Ursachen. Wir werden oft genug bei unserem eigenen Verhalten landen. Keine Chance dem Antisemitismus und den Verschwörungstheorien !