Und die da reden von Vergessen

Ich habe mich jetzt spontan für den Titel des Buches, an dem ich zurzeit arbeite, entschieden:   Und die da reden von Vergessen

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, Deutschland am Ende des zweiten Weltkrieges und siebzig Jahre später. Macht das Sinn? Viel natürliches Vergessen liegt dazwischen. Die meisten Zeitzeugen von damals leben nicht mehr. Wer will da urteilen?

Ich meine es darf kein Vergessen geben, sonst besteht die Gefahr, dass Geschichte sich wiederholt. Natürlich die Zeiten sind anders, das Deutschland 2016 ist nicht Weimar und die USA heute sind es bestimmt nicht, auch wenn die Washington Post nicht zu Unrecht Donald Trump als “ short-cut Mussolini “ bezeichnet. Aber bestimmte Grundmuster sind oft gleich. Viele Menschen suchen nach einfachen Antworten auf komplizierte Sachverhalte. Demagogen nutzen das aus, indem sie Minderheiten, die sich durch Herkunft oder Religion von der Mehrheit unterscheiden, als Wurzel des Übels anprangern. Und demokratische Politiker schauen oft nur auf die nächsten Wahlen und geben sich gegenseitig die Verantwortung für das, was schief läuft.

Manchmal wenn mein tief verwurzelter Optimismus nicht die Oberhand gewinnt, stelle ich mir folgendes Horrorszenario vor: Die Blase der internationalen Finanzjongleure platzt, wir stecken in einer Weltwirtschaftskrise, wie immer zahlt dabei der kleine Mann die Zeche, hohe Arbeitslosigkeit und gekürzte Sozialleistungen. Und in solch einer Situation vielleicht zwei Millionen relativ neue, nicht integrierte Migranten in Deutschland. Wie das ausgehen könnte, male ich mir lieber nicht so genau aus.

Aber dann kommt wieder mein Optimismus und sagt mir: Geschichte braucht sich nicht zu wiederholen. Es gibt heute mehr überzeugte Anhänger der Demokratie als in der Weimarer Zeit und es gibt Menschen, die aus der Geschichte gelernt haben. Wenn ich mit meinen Diskussionsbeiträgen und Büchern dazu beitragen kann, dass deren Zahl ein bisschen größer wird, dann bin ich froh .

Ich sage nicht wie Bertold Brecht in einem später geschriebenem  Schlussakt der Dreigroschen Oper schrieb:

Und die da reden von Vergessen und die da reden von Verzeihen

All denen schlage man die Fressen mit schweren Eisenhämmern  ein.

Ich sage aber:

Und die da reden von Vergessen, könnten dazu verurteilt sein, Erfahrungen der Geschichte zu wiederholen.

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Und die da reden von Vergessen

  1. Lothar das du darüber schreibst ist genial, ob sie die Geschichte wiederholt werde die Zukunft zeigen, es ist grandios das du und manche andere Schriftsteller nicht die Augen verschließt sondern immer wieder darüber schreibt ein grosse Dankeschön ….meine große Hoffnungen ist das viele Menschen dasselbe sehen ….viel Erfolg und weiter so….

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  2. der „kleine“ Mann zahlt immer die Zeche. Siehe wenn Banken es geschafft haben sich in eine vertrackte Situation zu bringen. Nicht der kleine Mann ist schuld daran, es sind jene die sich anmaßen, alles im Griff zu haben. Überheblichkeit ist es die jedoch hier noch belohnt wird. Verrückte Welt mag man denken. Aber es ist alles nur Kalkül. Wie lange braucht es noch bis der „kleine“ Mann wieder aufsteht und sagt….Bis hierhin und nicht weiter. Geschichte wird sich sooft wiederholen, bis die Fehler der Vergangenheit ausgemerzt sind. Eine sehr schöne Parabel dazu bietet der Film: “ Und täglich grüßt das Murmeltier…. “ Erst wenn wir begriffen haben was geändert werden muss , kann unsere Geschichte in friedvollere Zeiten gehen. VERGESSEN… geht nicht, dafür wird immer wieder erinnert, VERZEIHEN hingegen sollte schon drin sein.

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