Verstehen wir die Zeichen an der Wand

Elf Millionen illegale Einwanderer in den USA. Donald Trump möchte sie aus dem Land jagen. Millionen von Einwanderern sind nach Europa gekommen und weitere sind auf dem Weg dorthin, unter ihnen Kriegsflüchtlinge, Asyl-Suchende und Menschen, die einfach nur einem miserablen Leben entkommen möchten. Können wir diese Probleme lösen in denen wir Mauern und Zäune bauen?

Ich sage: Nein. Migranten, die in unsere Länder kommen, illegal oder legal, Kriegsflüchtlinge oder nicht, sind nichts als ein Zeichen an der Wand. König Belsazar von Babylon verstand die Zeichen in flammender Schrift an der Wand nicht. Kurz darauf war er tot. Verstehen wir die Schrift an der Wand?

Es gibt eine lange Geschichte von Ausbeutung und Versklavung der armen Völker durch westliche Länder. Man denke an Millionen von Sklaven von Afrika in die USA, Brasilien und andere Länder gebracht. Fast die Hälfte von ihnen starb auf der Überfahrt oder in den ersten Tagen danach. Die stark genug waren, das zu überleben, konnten noch durchschnittlich sieben Jahre auf den Plantagen arbeiten und weiter ihr Dasein fristen. Die Zeit der Sklaverei ist vorbei, aber Nachwirkungen gibt es noch immer. Haiti musste zB bis 1885 an französische Slavenbesitzer die riesige Entschädigung von 150 Millionen Goldfranken ( nach heutigen Maßstäben ein 12 stelliger Betrag in $) zahlen für die Befreiung der Sklaven. Mit einer der Gründe für die extreme Armut dieses Landes. Frankreich hat bis heute jede Kompensation dafür abgelehnt.

Jetzt wird mancher sagen: Hör auf mit solch alten Geschichten, das ist lange her. Okay, neue Beispiele von Ausbeutung und Versklavung sind gefragt. Die neuen Kolonialherren sind Banken, Hedgefonds, IWF, internationale Konzerne usw.

Zb sterben jedes Jahr (UN Zahlen) in den 122 ärmsten Ländern der Welt 58 Millionen Menschen an Folgen der Armut ( Hunger, mangelnde medizinische Versorgung, Hygiene-Mängel usw). So viel Todesopfer kostete der zweite Weltkrieg in sechs Jahren. Glauben Sie, das ist Schuld dieser Länder selbst?

Nigeria ist das reichste Land Afrikas. Aber 70% der Bevölkerung leiden unter extremer Armut. Wer macht Riesengewinne dort? Exxon, BP, Royal Dutch und andere.

Hedgefonds spekulieren mit Grundnahrungsmitteln. Sie fragen nicht, ob durch solche Geschäfte die ärmsten in der Welt vielleicht hungern und sterben. Das Jahreseinkommen eines Hedgefond Topmanagers beträgt zwischen 400 Millionen und 1.3 Milliarden US-Dollar.

Kolumbien ist der 5. größte Palmöl Produzent der Welt. Ein gutes Geschäft für Großgrundbesitzer und internationale Konzern, die an Biosprit für unsere Autos verdienen. Sie heuern paramilitärische Gruppen an, die Kleinbauern gewaltsam von ihrem Land vertreiben. 13.000 Menschen wurden in fünf Jahren umgebracht. Die übrigen waren ohne Land und Arbeit.

Im Jahre 2008 verkündeten Angela Merkel und Nicolas Sarkozy, es würden 1.700 Milliarden bereitgestellt für die Rettung der Banken. Im gleichen Jahr wurde der europäische Beitrag für das Welternährungs Hilfe Programm von 6 auf 3.2 Milliarden gekürzt.

Ich könnte noch eine Menge weiterer Beispiele anführen, aber ich will nicht langweilen. Wer mehr Informationen möchte, dem schicke ich gerne eine umfangreiche Literatur-Liste.

Jedenfalls ist es kein Wunder, wenn angesichts dieser Tatsachen Menschen aus den ärmeren Ländern versuchen in reichere Länder einzuwandern, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können. Natürlich stimme ich zu, Migration kann das Problem der Armut in der Welt nicht lösen. Sonst müssten 2 Milliarden Menschen zu uns in die reichen Ländern kommen. Aber wir dürfen unsere Augen vor den Problemen der Welt nicht verschließen. Wir leben nicht mehr in Goethes Zeiten, als man sagen konnte “ wenn hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinander schlagen“ und gleichzeitig sicher war, die Probleme dort bleiben weit weg. Die Welt ist klein geworden und Informationen erreichen alle in Sekunden, Menschen reisen in Stunden oder wenigen Tagen um die Welt.

Wenn wir uns um die Probleme der Armut in der Welt nicht kümmern, werden diese Probleme auf uns zurückfallen, auf vielerlei Weise.

Unrecht irgendwo ist eine Bedrohung für das Recht überall.

( Martin Luther King )

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “Verstehen wir die Zeichen an der Wand

  1. oh ja…. die großen sahnen und heben ab. Und auch ghier muss der „kleine“ Mann wieder zusammenrücken und ist gefordert. Das ist nicht fair. Mir wäre es auch lieber gewesen die schlecht bezahlten Arbeitsplätze die dort unter widrigsten Umständen geschaffen wurden um die Arbeitskraft auf diese Art auszubeuten, wären hier bei uns geblieben. Das die Firmen anständige Löhne zahlen hier und nicht das Modell befristete schlecht bezahlte Jobs führen, Je mehr Arbeiter jetzt hier noch herkommen, nicht ausgebildet und die daher mit Dumpinglöhnen auch den geradegeschaffenen Mindestlohn, der an sich schon noch ein Witz ist, zu unterlaufen. Das wir die westliche Welt, dem Müll dort abgeben, welches diese sich mittlerweise aber auch gut bezahlen lassen. Hier und dort wird es immer Menschen geben die andere auch eben die Landsleute ausnutzen, ausbeutem. Es geht aber dennoch nicht, das alle jetzt meine hierher kommen zu müssen. Unsere Kapazitäten sind begrenzt. Das Modell welches Katl-heinz Böhm einführte, Hilfe zur Selbsthilfe ist immer noch der beste Weg. Wer frage ich auch wer musste denn unbedingt allen die „sogenannte“ Zivilisation näher bringen. Viele waren in ihren Stammesgebaren einfach nur glücklich. Wie often posten wir heute die Lebensweisheiten der Indianer, gedankenlos, oftmals , denn ändern tun wir nichts. WIR sind nicht für alle Armut der Welt zuständig.

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  2. Ah, es ist alles entsetzlich, der Mensch seine gier nach noch mehr ist unendlich. …..dieser Lebensmittel zocker wünsche ich , …. wenn eine Hölle gibt das die dort schmoren …..Sklaverei existiert immer noch …..anderes als vor 100 jahren ….aber voll da….es ist genial geschrieben lieber Lothar und richtig auf dem Punkt getroffen. ….ich kann nur sagen…. es ist gut das wir Menschen haben wie dich und deinesgleichen um zu versuchen , machen , können und wollen andere Menschen die Augen öffnen …..gutes gelingen. …..ich sah heute Abend die Wahlergebnisse. …..es wurde mir schlecht…….

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