Erschlagt die Armen

„Man irrt sich, wenn man glaubt, dass die Reichen die Armut erhalten wollen. Nein und nochmals nein! Sie wollen sehen, dass die Welt sich entwickelt, nicht zu hässlich, nicht zu traurig. Vor allem nicht schon halb tot, wie ein ausgesetzter sterbender Köter vor ihrer Haustür. Sie sind schon zufrieden, wenn sie für die vielfältigen Aufgaben. die sie zu vergeben haben, unkomplizierte und kostengünstige Arbeitskräfte finden. Mehr brauchen sie nicht, um die Einsicht von sich selbst fernzuhalten, dass sie ihre Seele dem Teufel verkauft haben. Sie verjagen den Teufel, sie verjagen das Elend von ihrer Haustür. Sonst hätten sie das Gefühl, dass die Zeit stillsteht, gefriert und sich zu einem düsteren Klumpen verdichtet, der wie ein schlechtes Vorzeichen über ihnen schwebt.“
Diese Worte sind aus dem Buch Erschlagt die Armen von Shumona Sinha. Die Autorin stammt aus Indien, hat selbst als Übersetzerin bei der französischen Asylbehörde gearbeitet und Teile des Buches, das kein Sachbuch ist, spiegeln wohl Erfahrungen bei ihrer Arbeit dort wieder. Vor allem ist die Wut über die Heuchelei authentisch, die in unseren Ländern oft zu finden ist, wenn es um Flüchtlinge, Fluchtursachen und das gesamte Asylsystem geht.
Jetzt höre ich manche natürlich sagen, „ich gehöre doch nicht zu den Reichen, ich habe auch keine vielfältigen Aufgaben für kostengünstige Arbeitskräfte zu vergeben.“ Diesen Leuten empfehle ich, mal darüber nachzudenken, wo und unter welchen Bedingungen ihre Kleidung produziert wird oder ihre Smartphones oder wo der von uns produzierte Giftmüll entsorgt wird.
Zur Zeit drängen Menschen aus den verschiedensten Gründen nach Europa. Menschen die in ihren Heimatländern verfolgt werden, Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und die sogenannten Wirtschafts- und Klimaflüchtlinge, die juristisch keinen Anspruch haben, bei uns zu bleiben. Aber nur mit juristischen Kriterien hier zu sortieren wird auf Dauer nicht weiterhelfen. Nur wenn tatsächlich etwas gegen Fluchtursachen getan wird, kann man der Lösung näher kommen.
Und genau hier stelle ich fest, dass von Regierungspolitikern zwar immer öfter von Fluchtursachen geredet wird, bei denen man ansetzen müsse, aber wenn man genauer hinschaut, ist festzustellen, dass es sich meist nur um leere Worthülsen handelt.
Wo bleibt denn die Tat? Beispielsweise, an Saudi Arabien keine Waffen mehr zu liefern, da wir doch wissen, dass von denen der Yemen militärisch verwüstet wird. So sind die nächsten Flüchtlingsströme absehbar. Wo bleibt ein europäischer Marshall-Plan für die Länder Afrikas, der die Situation der Menschen verbessert und wirksamer gegen Terrorismus wäre als alle erhöhten Militär Anstrengungen. Wo bleibt ein wirksames Entwicklungshilfe Konzept, das ausnahmsweise mal nicht internationalen Konzerne und korrupten Eliten in den Empfängerländern dient, sondern der Masse der armen Bevölkerung tatsächlich hilft.
So viele unbeantwortete Fragen. Ich fürchte so lange diese nicht wirksam angefasst werden, wird keine Grenzsicherung verhindern, dass der Zustrom von armen Menschen in den nächsten Jahrzehnten grösser wird. Wird dann tatsächliche die letzte Maßnahme sein “ Erschlagt die Armen“ ??

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