Als Deutscher und Europäer sage ich den Nachzüglern des Nationalismus: Ihr habt noch nicht einmal Eure eigene Ideologie verstanden

Es gibt Leute, die wollen uns weismachen, Nationen seien etwas Tausendjähriges oder sogar Ewiges. Das ist natürlich ein solch hanebüchener Unsinn, dass es sich nicht einmal lohnt darauf einzugehen.

Aber woher kommen die Ursprünge des Nationalgedankens, wann sind nationale Ideen entstanden? Antworten finden wir, wenn wir in das letzte Drittel des 18.Jahrhunderts und zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Die Ursprünge haben einen stark emanzipatorischen Charakter. Das gilt sowohl für die Entstehung der amerikanischen Nation als auch für die französische Nation. Der größte Teil der Einwanderer in Nordamerika wollten sich von der Vorherrschaft des britischen Empire befreien, erklärten ihre Unabhängigkeit und begannen sich schrittweise als eigenständige Nation zu verstehen. In Frankreich definierte sich der dritte Stand als „Nation française“ gegen Adel und Klerus. Niemals lag dem Ganzen eine ethnische Abgrenzung zu Grunde. „La France est une idée.“ Die Völker Lateinamerikas folgten im 19. Jahrhundert dem Beispiel der USA und sagten sich von der Fremdherrschaft der von Madrid und Lissabon gesteuerten Viel-Völker Imperien los.

Wenn wir die Geschichte Europas im 19. Jahrhundert betrachten, finden wir dort besonders starke nationale Gefühle und Bewegungen, wo es um Befreiung und Loslösungen von imperialen Vielvölkerstaaten ging. Das 19. Jahrhundert war nicht etwa- wie oft behauptet- ein Jahrhundert der Nationalstaaten, es wurde dominiert von Imperial-Mächten, die multiethnisch waren, aber in denen ein Volk vorherrschte. So das Zarenreich, das osmanische Reich, die Habsburger Monarchie und auch das britische Empire. Besonders starke nationale Bewegungen gab es deshalb zum Beispiel in Polen, in Griechenland, den slawischen Teilen der Donau-Monarchie und auch in Irland.

In Deutschland entstand der Nationalgedanke in Reaktion auf die Napoleonische Besetzung, als man feststellen musste, dass die ursprünglich freiheitlichen aus Frankreich kommenden Ideen im Zuge des französischen Kaisertums immer mehr imperialen Charakter annahmen. So hatte der deutsche Nationalismus von Anfang an einen gespaltenen Charakter, einen liberalen und gleichzeitig einen anti-französischen. Schon am Rande des Hambacher Festes 1832 wurde teilweise der Code Civil und die Tricolore verbrannt. Die deutschen Nationalisten verhedderten sich später in Diskussionen über kleindeutsche oder großdeutsche Lösungen und versäumten es 1848 ihren Revolutions-Versuch konsequent durch zu führen, was nur mit einer Entmachtung der Fürsten möglich gewesen wäre. Die Besten der 1848er Revolution mussten schließlich ins Ausland fliehen, wo sie später teilweise an der Seite Abraham Lincolns für die Einheit einer amerikanischen Nation kämpften.

Die zurückgebliebenen Epigonen des Nationalismus in Deutschland überließen es schließlich Bismarck mit „Blut und Eisen“ und überflüssig provozierten Kriegen (Emser Depesche) die staatliche Einheit herzustellen. Aber Bismarck war wenigstens in soweit Realpolitiker, dass er gegen die Annektion Elsaß-Lothrigens war und Deutschland für gesättigt hielt. Nach 1890 versuchte Deutschland sich einen „Platz an der Sonne“ zu erkämpfen, rüstetet auf und wollte im Wettlauf der Imperial-Mächte ein gewichtiges Wort mitreden. Dies war mit eine Ursache zu der Entwicklung, die im verheerenden 1. Weltkrieg endete.

Der 1. Weltkrieg endete mit dem von Deutschland zu Recht als unfair empfundenen Versailler Friedensvertrag, der seinerseits wieder in der endgültigen Perversion des deutschen Nationalgedankens in Richtung Revanchismus eine Antwort fand, welche die Machtergreifung der Nazis 1933 mitbegünstigte.

Wir leben heute im 21. Jahrhundert. Eine Rückkehr zum Nationalismus des 19. Jahrhunderts wäre fatal. Aber ein Zusammenwachsen der Völker Europas – und zwar demokratisch, von unten, parlamentarisch kontrolliert und nicht von Regierungen verordnet- wäre genau die zeitgemäße Weiterentwicklung des emanzipatorischen und liberalen Gedankenguts der Aufklärung.

Ein echter Patriot in Europa kann nur ein überzeugter Europäer sein!

2 Gedanken zu “Als Deutscher und Europäer sage ich den Nachzüglern des Nationalismus: Ihr habt noch nicht einmal Eure eigene Ideologie verstanden

  1. Das Problem der Macht und wenn man sie in den Händen hält! Ich weiß nicht ob es überhaupt Einzelpersonen gibt die damit umgehen können, vllt war JFK so einer und wurde deswegen um die Ecke gebracht. Aber selbst Jesus hat die Herrschaft über die Welt abgelehnt als er von der Dunklen Macht alles angeboten bekam! Deswegen steht auch im GG: alle Macht geht vom Volke aus, und so sollte es eigentlich auch sein!

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