Gleichschaltung : Die Verzerrung historischer Begriffe darf nicht hingenommen werden

Nach Hitlers Ermächtigungsgesetz im März 1933 traten am 31. März und am 7. April 1933 zwei Gleichschaltungsgesetze in Kraft. Damit wurden die Länder ihrer politischen Selbständigkeit beraubt und später die Entsendung von Reichsstatthaltern beschlossen. Am 7. April 1933 folgte das Berufsbeamtengesetz, das es den Nazis erlaubte jüdische und politisch missliebige Beamte aus dem Dienst zu entfernen. Es folgte eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen, die alle dem Ziel der Beseitigung der pluralistischen Gesellschaft dienten: Auflösung der Gewerkschaften in die Deutsche Arbeitsfront, Zwangsvereinigung der Agrarverbände in den Reichsnährstand, Errichtung der Reichskulturkammer unter der Kontrolle von Joseph Goebbels, die Zusammenführung von Pfadfinder und anderen Jugendgruppen zum Großdeutschen Bund unter der Kontrolle des Reichsjungendführers Baldur von Schirach, der diesen bereits im Juni 1933 wieder auflöste und in die Hitlerjugend überführte. Als weiteres Beispiel ist u.a. die Reichsschrifttumskammer zu nennen, die das Recht zur weiteren Berufsausübung an Schriftsteller vergab.

Der Begriff Gleichschaltung hat also einen ebenso eindeutigen wie schlimmen historischen Hintergrund. Es handelte sich um brutale und rücksichtslose Beseitigung von Organisationen einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft. Wir können uns heute glücklich schätzen in einer solchen Gesellschaft zu leben, besser und gefestigter als es in der Weimarer Zeit je war. Deshalb ist es verabscheuenswert, wenn dieser Staat und diese Gesellschaftsordnung verunglimpft wird durch Verwendung von Begriffen, die genau das Gegenteil bedeuten, von dem was unser freiheitlich demokratisches System ausmacht. Das gilt für Begriffe wie Gleichschaltung oder auch Staatsfunk. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Gegenentwurf zum Großdeutschen Rundfunk der Nazis etabliert. Die Nationalsozialisten hatten die Medien gleichgeschaltet und den Rundfunk verstaatlicht und zentralisiert – er diente Reichspropagandaminister Joseph Goebbels als Instrument.

Leute, die diese Begriffe fälschlicherweise verwenden, sind entweder politisch total ungebildet oder sie verleumden bewusst unsere pluralistische, demokratische Gesellschaftsordnung. Man könnte geneigt sein, sie als Ignoranten oder politische Hetzer einfach zu ignorieren. Aber unterschätzen wir nicht die Macht der Worte, jede Lüge, die oft genug unwidersprochen wiederholt wird, geht irgendwann ins Unterbewusstsein ein. Deshalb sollten wir solchem verleumderischen Unfug deutlich und bei jeder Gelegenheit widersprechen.

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