Mary Winona, eine der Protagonistinnen aus meinem Roman „Die Rückkehr der Weißen Büffelkalbfrau“

Ich werde öfter gefragt, nach dem Roman an dem ich zur Zeit arbeite. Die Rückkehr der Weißen Büffelkalbfrau. Deshalb habe ich mich entschieden euch eine der Protagonistinnen heute vorzustellen.

Sie wurde geboren während der Belagerung von Wounded Knee. Am 27. Februar 1973 besetzten Mitglieder der militanten indianischen Gruppe American Indian Movement Wounded Knee und nahmen elf Geiseln. Mit der Aktion wollten sie die Absetzung des Stammesvorsitzenden von Pine Ridge Dick Wilson erreichen. Er wurde allgemein der Korruption und Vetternwirtschaft verdächtigt. Aber die Forderung nach seiner Absetzung wurde in keiner Weise eingegangen, stattdessen zog das FBI einen Belagerungsring um die Besetzer von Wounded Knee. Nachdem mehrmalige Verhandlungen gescheitert waren, riefen die Eingeschlossenen die unabhängige Oglala Nation aus. Die Belagerung dauerte 71 Tage. Während dieser Zeit wurde Mary Winona geboren. Zusätzlich zu dem Namen Mary Winona gab ihr ein alter Medizinmann den Geheimnamen  Ptaysanwee, die Bedeutung war Weiße Büffelfrau, aber der Medizinmann machte ihrer Mutter klar, dieser Name sei eine geheimes Zeichen, nur sie und später ihre Tochter sollten ihn erfahren. Als die Aufständischen unter dem Kugelhagel  der FBI Agenten kapitulierten, kamen US Marshalls nahmen Mary Winona  ihrer Mutter weg und brachten sie in ein Kinderheim. Dort versuchten katholische Nonnen aus Indianer Kindern anständige Christen zu machen, wie sie sagten.

Doch Mary Winona war immer ein sehr widerspenstiges Kind. Die Nonnen versuchten mit Strenge und drakonischen Strafen Ihren Eigensinn zu brechen. Zu den Strafen gehörten auch Schläge mit einer Peitsche. Alle Versuche sie zu erziehen und zu zähmen scheiterten. Mary fand immer wieder ihre heimlichen Nischen. Aus Sicht der Nonnen war sie durch und durch verdorben. Im Alter von 12 Jahren wurde sie erwischt Händchen haltend mit einem 2 Jahre älteren Jungen aus einer anderen Abteilung des Heims. Beide schmusten und hatten eine gestohlene Flasche Whisky dabei.  Nachdem sie erwischt wurden, wurde Mary Winona geschlagen, im Keller eingesperrt, von den Nonnen immer wieder dazu angehalten zu beten und zu beichten. In dieser Zeit entwickelte sie einen tiefen Widerwillen gegen das ihr aufgezwungene Christentum. Aber sie war nicht dumm. Sie erkannte, dass sie hier einfach mitspielen musste. Sie begann den Nonnen vorzuspielen, sie sei eine überzeugte Christin und sei bemüht ein Gott gefälliges Leben zu führen. Auch im Katechismusunterricht, war sie jetzt eine der aufmerksamsten Schülerinnen. Die Nonnen waren zufrieden und sicher, dass ihre Gott wohl gefällige Erziehungsarbeit nun endlich den erhofften Erfolg zeigte.

So durfte sie im Alter von 15 Jahren das Erziehungsheim verlassen und sie kam in eine gute christliche Familie, wo sie als Haushaltshilfe arbeiten durfte. Sie war inzwischen ein körperlich voll ausgereifte junge Frau geworden. So war es kein Wunder, dass sie bald immer wieder begehrliche Blicke von allen Seiten spürte, die ihren Körper betrachteten. Solche Blicke kamen auch von dem Hausherren der Familie, für die sie arbeitete. Eines Abends kam dieser -natürlich ohne anzuklopfen- in ihr Zimmer, als sich gerade entkleidete. Er versuchte sie zu vergewaltigen. Doch Mary Winona war kräftig und zu allem entschlossen. Sie wehrte sich, zog sich schnell an, raffte ihre paar Habseligkeiten zusammen und verließ noch in der Nacht das Haus dieser Familie für immer.

Anschließend streifte sie im Lande umher auf der Suche nach, ja nach was? Das wusste sie natürlich selbst nicht genau. Sie suchte im Grunde nach ihrer eigenen Identität und Herkunft und so trieb es sie gefühlmäßig immer dahin wo amerikanische Ureinwohner sich aufhielten.

So kam sie eines Tages in die Hütte eines alten Medizinmannes. Bei ihm war eine Frau, etwas über vierzig Jahre alt, die an einem schweren Fieber litt. Mary Winona fragte, ob sie helfen könne und der Medizinmann nahm die Hilfe gerne an. So pflegte Mary Winona die Frau und gab ihr die Medizin die der weise Schamane zu bereitete. Manchmal sprach die kranke Frau im Fieber und sie erzählte von einer Tochter, die sie damals während des Aufstandes am Wounded Knee vor zwanzig Jahren geboren hatte und die ihr weggenommen worden war. Da lief es Mary Winona wie ein Schauer über den Rücken. Diese Frau war ihre Mutter. Der alte Medizinmann spürte, was die junge Indianerin in diesem Augenblick erkannte, er sah ihr in die Augen und sprach. „ Du bist Ptaysanwee, die weiße Büffelfrau, diesen Namen hast du von mir im Auftrag des großen Geistes von mir am Tage deiner Geburt bekommen. Die Wege der großen Geister des Lebens sind unergründlich, aber sie führen zum Ziel.“

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