Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber

Hinter der Trommel her
Trotten die Kälber                                 
Das Fell für die Trommel                          
Liefern sie selber.
Der Schlächter ruft: Die Augen fest geschlossen.     
Das Kalb marschiert. In ruhig festem Tritt.         
Die Kälber, deren Blut im Schlachthaus schon geflossen
Marschiern im Geist in seinen Reihen mit.

Es gibt Bilder und Ereignisse, die hätte ich mir im Nachkriegs-Deutschland, mehr als 70 Jahre nachdem Deutschland in Trümmern lag, kaum vorstellen können. Vielleicht bin ich ein zu großer Optimist und glaube zu sehr an die Lernfähigkeit des Menschen. Vor etwas mehr als 90 Jahren begann es so:

Nach dem gescheiterten Hitler/Ludendorff Putsch verfolgten die Nazis eine Taktik der Legalität. Nicht durch einen gewaltsamen Umsturz sollte die Republik beseitigt werden, sondern durch Teilnahme an Wahlen. Sie blieben natürlich gleichzeitig eine Bewegungspartei, die auch auf Terror setzte. Und sie ließen nicht nach, immer wieder vorhandene rassistische Vorurteile zu schüren und den Deutschen vor zu machen, wenn endlich ein sauberes von Fremdeinflüssen befreites Deutschland da wäre, würde zwangsläufig alles besser. Die Partei hatte Zulauf, der Erfolg bei Wahlen blieb aber vorläufig gering.

Das änderte sich sehr schnell, als durch die Weltwirtschaftskrise alles ins Wanken kam. Demokratische Mehrheiten kamen im Reichstag nicht mehr zustande. Unter diesen Bedingungen fanden antikapitalistische, antiliberale und vor allem auch widerlich rassistisch-antisemitische Propaganda immer besseren Nährboden. Die Großindustriellen mochten Hitler nicht, aber sie kamen bald zu der Überzeugung, er sei der Richtige, um mit der linken Gefahr aufzuräumen. Deshalb begannen sie Hitler zu finanzieren. Weiterhin kam es schon im Januar 1930 in Thüringen zur Baum-Frick Regierung, der ersten Landesregierung unter Beteilung der Nazis. Sie hielt nur 15 Monate, aber es war der erste Schritt, Nazis koalitionsfähig zu machen. Nebenbei hatte der spätere Reichsinnenminister und Kriegsverbrecher Wilhelm Frick hier eine hervorragende Gelegenheit, zu üben, wie er später den Staatsapparat säubern und mit Oppositionellen umgehen konnte.

Die Entwicklung der nächsten Jahre ist bekannt. Im Januar 1933 kam es zur legalen Machtergreifung der Nazis, innerhalb weniger Monate wurde die Demokratie beseitigt. Wenige Jahre später führte, die jetzt angefangene aggressive nationalistische Politik Deutschland und die Welt in den Krieg.

Mehr als 40 Millionen Tote in Europa waren das Ergebnis. Große Teile Europas und auch Deutschland lagen in Trümmern. Kann so etwas im historischen Gedächtnis eines Volkes ausgelöscht werden? Ist eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad möglich? Kann in diesem Deutschland wieder Nazi-verwandtes völkisches Gedankengut sich breitmachen? Ist es möglich, dass Leute, die sich selbst Konservative nennen, Faschisten wieder für koalitionsfähig halten?

Die Frage ist: Wer hat die Verantwortung, die Menschenrechte zu wahren und die Wiederholung der Geschichte zu verhindern ? Die Antwort : Wir alle !

       

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