Friedliche und nicht friedliche Religionen? Welch ein Unfug!

Es gibt viele Argumente für und gegen Religionen. Die Einen glauben, Menschen brauchen Religionen und die Anderen sind überzeugt, Religionen haben der Menschheit vor allem Unglück und Kriege gebracht. Vielleicht hat auch John Lennon Recht als er sagte:

„Ich glaube an Gott, aber nicht als eine Sache, nicht als alter Mann am Himmel. Ich glaube, dass das, was die Leute Gott nennen, etwas in uns allen ist. Ich glaube, dass das, was Jesus und Mohammed und Buddha und alle anderen sagten, richtig war. Es ist nur so, dass die Übersetzungen schief gelaufen sind.“

Unabhängig davon bin ich überzeugt davon, problematisch ist eine Verbindung zwischen Staat und Kirche. Dass kirchliche und weltliche Kräfte unselige und enge Allianzen eingegangen sind, ist eine Tatsache, die wir häufig feststellen und kein für eine bestimmte Religion spezifisches Problem. Nicht nur im finsteren Mittelalter auch die absoluten Herrscher in der Zeit der Aufklärung leiteten ihre Macht von Gottes Gnaden ab. Die Verbindung von Thron und Altar war noch im 19. Jahrhundert sprichwörtlich und in den evangelischen deutschen Ländern war der Landesherr gleichzeitig Kirchenoberhaupt. Gleichzeitig gab es aber ausgehend von den Philosophen der Aufklärung eine Gegentendenz, die eine Trennung von Kirche und Staat forderte.Die erste Verfassung in der dieses Konzept nachhaltig Eingang gefunden hat, ist die Verfassung der USA.

In vielen anderen Staaten gab es in den folgenden Zeiten vielerlei ähnliche Entwicklungen, natürlich auch Gegenkräfte und nicht selten ein Auseinander-Driften von Verfassungstheorie und Wirklichkeit. In der Türkei gibt es seit 1924 eine säkulare Verfassung, in der letzten Zeit sind aber starke Gegenkräfte in der politischen Landschaft wirksam. In Polen wurde die ausdrücklich Trennung zwischen Kirche und Staat aus dem Jahre 1952 in der Verfassung von 1997 wieder relativiert und seit dem Regierungswechsel in den letzten Jahren ist ein verstärkter Einfluss klerikaler Kräfte festzustellen.

Aber die Verfassungs-Wirklichkeit kann sich auch anders verschieben. Es kommt darauf an, wie die Zivilgesellschaft sich entwickelt. Manchmal zeigt sich das an scheinbaren Kleinigkeiten. In den fünfziger Jahren rutsche einem Fußball-Kommentator während der Spielberichterstattung heraus “ Liebrich, du bist ein Fußball-Gott“ . Anschließend bekam er Ärger. Kirchenvertreter  witterten Blasphemie. Ungefähr fünfzig Jahre später beendete  der Ex-Nationalspieler Jürgen Kohler seine Karriere. Zehntausende im Dortmunder Westfalenstadion ( sicherlich Christen, Muslime und Atheisten gemeinsam) skandierten “ Jürgen-Kohler-Fußballgott“. Niemand beschwerte sich darüber. Ich, wie die Mehrheit in diesem Lande, möchte mir nicht von irgendwelchen kleinkarierten Menschen vorschreiben lassen, was ich zu sagen habe oder nicht. So bin ich beispielsweise auch froh, dass die Versuche von verschiedenen Politikern den § 166 im Strafgesetzbuch zu verschärfen ( sogenannter Blasphemie §) gescheitert sind, zuletzt gab es diesen Versuch von CSU Politikern nach der Veröffentlichung der Mohammed Karikaturen in der Zeitschrift Charlie Hebdo (  3 Jahre vor den Attentaten).

Übrigens eine Religion braucht nicht den Beweis antreten, das sie und alle Aussagen in ihren heiligen Bücher mit dem Grundgesetz übereinstimmen. Dann hätten auch die christlichen Kirchen ein Problem. Wie die Aufforderungen zum Völkermord im 4.Buch Mose rechtfertigen? Oder ist die frauenfeindliche Einstellung, die an einigen Stellen in den Paulusbriefen zum Ausdruck kommt, grundgesetzkonform? Nein es zählen nur die Handlungen, nicht Glaubensinhalte. Das hat bereits Thomas Jefferson, einer der Väter der US Verfassung, sehr gut in einem Kommentar ausgedrückt “ the legitimate powers of government reach actions only, not opinions.“

Im deutschen Grundgesetz ist eine Trennung zwischen Staat und Kirche nicht verankert, wie zB  in der Verfassung der USA oder Frankreichs. Aber wir sollten uns dafür einsetzen, dass sich die Verfassungswirklichkeit weiter in diese Richtung entwickelt. Etwas anderes macht ja auch wohl kaum Sinn bei einer Bevölkerung, zu der zu 29% evangelische Christen, zu 30% Katholiken und zu 34% Konfessionslose gehören.

Ich persönlich halte es mit Tomas Jefferson : Die legitimen Befugnisse der Regierung erstrecken sich nur auf Handlungen, die anderen schaden. Aber es verletzt mich nicht, wenn mein Nachbar sagt, dass es zwanzig Götter oder keinen Gott gibt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.