Die Menschheit steht vor einer Umbruchsphase wie sie zuletzt vor mehr als 10.000 Jahren stattgefunden hat

Es ist 11 bis 12 Tausend Jahre her, da begann eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte. Der Mensch wurde sesshaft und gleichzeitig fand der Übergang von Jäger und Sammlerkulturen zu einer bäuerlichen Lebensweise mit domestizierten Tieren und Pflanzen statt. Der Mensch, bis dahin nur mit dem reinem Überleben beschäftigt, fing an sich die „Erde untertan“ zu machen, ihre Ressourcen systematisch zu nutzen. Der Übergang zum Neolithikum dauerte bis zu 5.000 Jahre. Voraussetzung war wahrscheinlich ein Klimawandel, der zuvor stattgefunden hatte, Begleiterscheinungen waren Migration und weitreichende gesellschaftliche Veränderungen.

Fortschritt und Wachstum, die sich anfangs nur im Schneckentempo entwickelten, wurden schneller vor allem in der Neuzeit, sie nahmen Fahrt auf mit der ersten industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts und die Entwicklung beschleunigte sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts in einem atemberaubenden Tempo, so dass heute schon von Industrie 4.0 die Rede ist. Dabei haben wir allerdings ein System der Produktion und des Konsums entwickelt, das basiert ist auf ständigem Wachstum und steigendem Ressourcenverbrauch und dies in einer Welt, deren Ressourcen eindeutig begrenzt sind. Es muss jedem einleuchten, dass ständiges – zumindest quantitatives – Wachstum und steigender Ressourcenverbrauch in absehbarere Zeit in einer Katastrophe enden müssen.

Das Problem ist allerdings, bei dem Tempo, das die Entwicklung heute angenommen hat, haben wir nicht viel Zeit. Während in früheren Jahrtausenden und Jahrhunderten die Menschen über Generationen Zeit hatten, sich an veränderte Bedingungen anzupassen, bleibt uns im 21. Jahrhundert diese Zeit nicht. Und die Erde ist durch die rasante Entwicklung der Informationstechnologie wesentlich kleiner geworden. Wie man in Europa oder USA lebt, ist in Afrika oder Indien kein Geheimnis mehr. Ein US Bürger lebt, als ob wir 5 Erden zur Verfügung hätten, ein Deutscher als ob es 3 wären und die Vergleichszahl für einen Inder ist 0,7 Erden. Ziemlich problematisch jetzt dem Inder zu sagen, er solle mal auf die Ressourcenknappheit Rücksicht nehmen, oder ?

Wenn ein Kollaps vermieden werden soll, dann geht es um viel mehr, als Autos mit Verbrennungsmotor gegen Autos mit Elektroantrieb auszutauschen. Dann geht es darum, unsere gesamte Art zu leben, zu denken, zu konsumieren und zu produzieren total umzustellen. Es reicht auch nicht ein neues Heizungssystem einzubauen, das in 10 oder 20 Jahren schon wieder veraltet ist und am besten gegen ein moderneres ausgetauscht werden sollte. Damit drehen wir letzten Endes nur weiter an einer Beschleunigungsschraube, die uns dem Kollaps näher bringt. Ein SUV mit Elektromotor wird auch die Produktion immer größerer Batterien notwendig machen usw . Nach 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte, in denen wir so handelten als ob die Ressourcen dieser Erde unbegrenzt wären, muss jetzt ein totales Umsteuern stattfinden. Es wird vielmehr notwendig sein, unsere Art zu Denken auf das Prinzip der Nachhaltigkeit umzustellen und entsprechend zu konsumieren und zu produzieren.

Ich gebe zu, angesichts dieser Mammut-Herausforderung kann man leicht mutlos werden. Aber was ist die Alternative? Resignieren? wir fahren eh vor die Wand, also mit Vollgas voran? Nein, das darf nicht unsere Haltung sein. Elektromobilität, Einschränkung des Individualverkehrs, Ausstieg aus den fossilen Energien, all das ist notwendig. Aber wir müssen noch viel mehr verändern. Das geht von Ernährungsgewohnheiten bis zu Konsumgewohnheiten in allen Bereichen, also zB statt 10 T-Shirts eins, das so verarbeitet ist, dass es viele Jahre hält und so manches mehr in diese Richtung.

Wenn uns das alles nicht gelingt, haben wir möglicherweise Ende dieses Jahrhunderts eine Welt, in der die eine Hälfte der Menschheit die andere umbringt oder im schlimmsten Fall ist das Ende menschlichen Lebens überhaupt auf diesem Planeten nahe. Die Welt wird nicht untergehen. Leben wird es immer geben. Aber menschliches Leben? Da können wir nicht so sicher sein. Wir haben – historisch gesehen- wenig Zeit. Es bleiben wahrscheinlich weniger als 100 Jahre Zeit, uns auf eine neue Denkweise und ein neues Zeitalter einzustellen. Fangen wir an!

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