Der Feind steht rechts

„Da steht der Feind, der sein Gift in die Wunden eines Volkes träufelt – Da steht der Feind – und darüber ist kein Zweifel: Dieser Feind steht rechts!“ Bei diesen Worten wendet sich Reichskanzler Joseph Wirth den rechtsextremen Abgeordneten des Parlaments zu. Das waren damals -1922-keine Nazis ( die kamen erstmals 2 Jahre später in den Reichstag ), das waren in erster Linie die Abgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei, eine Partei, die sich als bürgerlich verstand und deren Programmatik sich auf den völkischen Nationalismus gründete.

Einen Tag vor dieser Rede war Außenminister Walther Rathenau von rechtsextremen Terroristen ermordet worden. Die bürgerlichen Deutschnationalen im Parlament hatten sich bei dieser Tat ihre Hände natürlich nicht schmutzig gemacht. Sie taten alles damit Verbindungen zu den Kreisen der Attentäter nicht ruchbar wurden und diese als fanatische Einzeltäter erscheinen sollten. Dass sie die Atmosphäre für diesen Mord geschaffen hatten, leugneten sie. Aber folgendes hatte ein Reichstagsabgeordneter Wochen vor der Tat geschrieben: „Sie aber, Herr Rathenau, und Ihre Hinterleute, werden vom deutschen Volk zur Rechenschaft gezogen werden.“

So beeindruckend die Rede des Reichskanzlers Wirth war, es gab damals auch Kritik, selbst aus seiner eigenen Partei, die sich als Partei der politischen Mitte verstand, dem Zentrum. Man zollte der Rede Respekt, viele hielten sie aber für politisch unklug, weil die pauschale Kritik gemäßigte Kreise und damit mögliche Koalitionspartner vor den Kopf gestoßen habe.

Die Fortsetzung der politische Entwicklung der Weimarer Republik zeigte, dass man sich schrittweise an den Gedanken gewöhnte mit Rechtsextremen zu kooperieren. Im November 1922 trat Joseph Wirth als Reichskanzler zurück, es folgte die Kabinette Cuno, Stresemann 1+2 , Marx 1+2, Luther 1+2, Marx 3+4, Müller 2, Brüning 1+2. Im August 1925 ging die Zentrumspartei erstmals eine Koalition mit den Deutschnationalen ein.

Seit 1924 war ein noch extremerer Flügel der politischen Rechten im Reichstag vertreten, Hitlers NSDAP. Diese blieb 6 Jahre lang parlamentarisch eine unbedeutende Splittergruppe. Das änderte sich schlagartig mit der Weltwirtschaftskrise. Ihr Wähleranteil schnellte hoch. Im Januar 1930 brachen bürgerliche Politiker in Thüringen erstmals das Tabu, auch mit der Nazi Partei Hitlers Koalitionen zu schließen. Die Baum-Frick Regierung in Thüringen war ein erster Meilenstein auf dem Weg, dass Nazis in Regierungen als etwas Normales und unvermeidlich erschienen.

Als 1932 sowohl im Landtag in Preußen als auch im Reichstag Regierungen, die sich auf eine demokratische Mehrheit stützen konnten, völlig unmöglich waren, kam für einige Monate die Zeit der Präsidialkabinette von Papen und Schleicher. Man strebte eine autoritär-präsidiale Republik an und hoffte auf ein Tolerierungsbündnis mit den Nazis. Doch die wollten längst mehr. Da half auch nicht, auf deren Vorbedingungen einzugehen und das zwischenzeitlich von der Regierung Brüning erlassene SA-Verbot wieder aufzuheben. Schließlich traf sich der ehemalige Zentrumspolitiker ( Austritt 03.06.1932) von Papen am 4. Januar 1933 im Hause des Bankiers von Schröder mit Hitler. Staatssekretär Otto Meissner und der Sohn des Reichspräsidenten Oskar von Hindenburg waren anwesend. Hier wurden die Einzelheiten für die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler vereinbart. Den drei Hindenburg -Vertrauten von Papen, Meissner und seinem Sohn Oskar gelang es schließlich den Reichspräsidenten zur Ernennung Hitlers zu überreden. Absicht des Plans war es, Hitler in der Regierung zu entzaubern und in Wirklichkeit sollten bürgerlich-nationale Kräfte die Strippen ziehen. „In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, dass er quietscht!“ soll Papen damals gesagt haben. Wie die Geschichte weiterging ist allgemein bekannt.

Wenn beim Lesen der Ereignisse aus der Zeit der Weimarer Republik einige Ähnlichkeiten zu politischen Ereignissen und Entwicklungen heute offensichtlich werden, dann muss uns das zum Nachdenken veranlassen. Es gibt in der Geschichte zwar keinen Determinismus und eins-zu-eins Vergleiche sind nicht möglich, aber bestimmte Ähnlichkeiten fallen erschreckend ins Auge. Der Faschismus konnte immer nur an die Macht kommen, wenn von bestimmten national gesinnten, bürgerlichen Kräften Unterstützung da war. Dabei ist es erstaunlich, mit welcher Arroganz und Dummheit man die Gefahren unterschätzte und sich einbildete, man werde schon alles im Griff haben.

Aber es ist möglich aus der Geschichte zu lernen. Wehret den Anfängen! Den Schneeball kann man zertreten, die Lawine niemals !

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