Viele, die sich als Verteidiger konservativer Werte aufspielen, meinen damit überholte Normen und Strukturen

Grundwerte sind zeitlos. Sie gelten heute wie vor 2.000 Jahren. Dazu gehören Ehrfurcht vor dem Leben, Ehrfurcht vor der Schöpfung, Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Viele Menschen teilen diese Werte auf der Grundlage christlicher oder auch anderer religiöser Überzeugungen, aber es ist natürlich auch möglich basierend auf einer atheistisch/humanistischen Weltanschauung diese Werte zu vertreten. Es ist durchaus möglich ein in sich geschlossenes philosophisches Wertesystem zu entwickeln, bei dem statt der oben genannten Werte rücksichtloses Verfolgen der Eigeninteressen oder der eigenen nationalen Ziele ganz oben stehen: Allerdings, wer das macht und vorgibt sich dabei auf abendländische Werte oder gar ein christliches Menschenbild zu stützen, ist ein elender Heuchler.

Anders als die Grundwerte unterliegen Normen und Strukturen dem gesellschaftlichem und historischem Wandel. Normen besagen, wie man sich in der Gesellschaft verhalten sollte, ansonsten würde man sozial bestraft. Beispiel: Homosexualität wurde vor nicht allzu langer Zeit strafrechtlich verfolgt, auch danach gesellschaftlich weitgehend geächtet, heute ist dies zumindest größtenteils glücklicherweise nicht mehr der Fall. Auch Strukturen unterliegen dem Wandel. In der Vergangenheit waren Familien, Firmen, Parteien, war die gesamte Gesellschaft von patriarchalische Strukturen geprägt. Wir erleben heute immer mehr die Überwindung dieser Strukturen. Zu den Strukturen der Vergangenheit gehörte auch, dass man männlich, weiß, aus „guter Familie“ und ohne Migrationshintergrund sein musste, um gute Karrierechancen zu haben. Langsam aber unaufhaltsam setzt sich heute die Erkenntnis durch, dass so etwas in dem Einwanderungsland Deutschland für den Erfolg unseres Landes äußerst schädlich ist. Aus diesen Gründen ist die Vermutung nicht von der Hand zu weisen, dass viele, die sich konservativ nennen und sich gern als Verteidigern von Werten aufspielen, im Grunde nur überholte Normen und Strukturen verteidigen wollen.

Es gibt verschiedene Einstellungen, mit denen man gesellschaftliche und politische Entwicklungen betrachten kann, progressive und konservative. Die progressive geht davon aus, das Neue ist grundsätzlich erstmal positiv, während die konservative wesentlich skeptischer ist. Der Konservative sieht die Gefahr, dass bei der Veränderung auch manches über Bord geworfen werden könnte, was erhaltenswert ist. Beides sollte vernünftig in Einklang gebracht werden, wie ein Fahrzeug Motor und Bremse braucht. Hier liegt auch ein wichtiger Unterschied zwischen Konservativen und Rechten. Der Konservative meint Bremsen ist notwendig, um eventuell eine Kollision zu vermeiden, Rechte möchten gern den Rückwärtsgang einlegen und über Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit rasen.

Auf Grund meiner Lebenserfahrungen neige ich in vielen Fragen zu einer konservativen Einstellung. Ich bin aber kein Idiot und weiß, dass Wandel notwendig und richtig ist. Um es mit einem historischen Bild zu sagen, ich glaube, es ist besser Monarchen und Adel schrittweise zu entmachten, als sie sofort auf die Guillotine zu schicken. Ich distanziere mich aber deutlich von denen, die unter dem Vorwand für konservative Werte einzutreten nur überholte Normen und Strukturen verteidigen und am liebsten voll den Rückwärtsgang einlegen möchte. #Konservativstattrechts !

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