Der 17. Juni 1953 – Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit

Der 17. Juni 1953 der Anfang vom Ende der DDR

1945 war Nazi-Deutschland durch die Anti-Hitler-Koalition, zu der die USA, UK, die SU und andere gehörten vollständig besiegt. Deutschland wurde in Besatzungszonen aufgeteilt. Schon bald wurde klar, dass ein Eiserner Vorhang Europa in Ost und West teilte. Die westlichen Siegermächte einerseits und die Sowjet Union andrerseits überließen den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau nicht den Deutschen allein. Wenn Sie das getan hätten, wären möglicherweise Nazis bald wieder an die Macht gekommen oder extrem konservative bürgerliche Kräfte hätten statt einer repräsentativen Demokratie eine Art Ständestaat errichtet. ( siehe zB Vernehmungsprotokolle 1945, Franz Oppenhoff, Aachener Oberbürgermeister , wenig später von einem Nazi-Kommando ermordet) . Stattdessen übten die Siegermächte in ihren jeweiligen Besatzungszonen entscheidenden Einfluss aus, dass jeweils ein politisches und wirtschaftliches System entwickelt wurde, das sich entweder am Vorbild der westlichen Demokratien oder der Sowjet Union orientierte.

Die entscheidenden Unterschiede in der Entwicklung waren folgende: Der militärische Druck der West-Alliierten brauchte bei weitem nicht so groß sein, wie der im Osten. Im Westen konnte man es sich erlauben, freie und geheime Wahlen zu zulassen, im Osten Deutschlands wurde sehr schnell klar, dass solche Wahlen in eine Richtung geführt hätten, die der Sowjet Union absolut nicht gefallen hätte. Im Westen wurde ein kapitalistisches Wirtschaftssystem eingeführt, das sehr erfolgreich war und den Lebensstandard der Menschen bald erhöhte. Gleichzeitig gab es keinen Zwang sich etwa ausschließlich am US Vorbild zu orientieren, es entstand eine Art „rheinischer Kapitalismus“ mit gesetzlicher Kranken- und Rentenversicherung, Mitbestimmung etc. Im östlichen Teil Deutschlands führte die Plan-Wirtschaftspolitik der SED zu großen Problemen. Investitionen wurden vorwiegend in die Schwerindustrie gelenkt, die in der DDR bislang keine Basis hatte. So fehlten dringend benötigte Mittel für die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie, und die Versorgung der Bevölkerung war beeinträchtigt. Bei Einbruch der Dunkelheit gab es Stromabschaltungen, um in Spitzenzeiten den Bedarf der Industrie zu decken. Die Bodenreform führte zu einer Ernährungskrise. So stand DDR Bürgern nur die halbe Menge an Fleisch und Fett der Vorkriegszeit zur Verfügung

Das führte zu wachsender Unzufriedenheit in der DDR Bevölkerung, die sich im Juni 1953 in zahlreichen spontanen Protesten Luft machte. Am 17. Juni traten die Belegschaften von vielen großen Betrieben in den Streik und formierten sich zu Demonstrationszügen. Teilweise liefen Volkspolizisten zu den Demonstranten über. Die sowjetischen Behörden reagierten mit der Verhängung des Ausnahmezustandes. Die Demonstrationen wurden mit militärischer Gewalt unter Einsatz von Panzern aufgelöst. Sogenannte Provokateure wurden von Sowjet-Armee MfS und DDR Polizei verhaftet.

Von diesem Zeitpunkt an war klar, dass das System des sogenannten real existierenden Sozialismus in der Defensive war und nur durch Militär-Gewalt bzw deren potentieller Androhung aufrecht zu erhalten war. Weitere Stationen bei dem Versuch, den Untergang des „sozialistischen Lagers“ aufzuhalten, waren Ungarn 1956, der Mauerbau 1961, CSSR 1968. Die folgenden Jahre zeigten, dass autoritäre marxistisch-leninistische Regime letztendlich nicht wirklich reformfähig waren und führten endlich 1989-1991 zum Zusammenbruch des Ostblocks.

Heute – 67 Jahre danach – haben wir erstmal Anlass zur Freude, in dem freiesten und besten Deutschland zu leben, das es in der Geschichte je gab. Was natürlich nicht heißen soll, es bliebe nicht noch viel zu tun, manches besser und gerechter zu gestalten. Und wir sollten uns aber gerade angesichts weltweit stärker werdender autoritärer Tendenzen immer klar sein: Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit, sie zu bewahren ist eine Kunst, die mit Verantwortung jedes einzelnen zu tun hat.

Ein Gedanke zu “Der 17. Juni 1953 – Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit

  1. Freiheit zu bewahren bedeutet auch, gegen das Vergessen zu kämpfen und aus der Geschichte zu lernen. Nie wieder Krieg, nie wieder Diktatur. Hass, Rassismus, Diskriminierung dürfen in unserer Gesellschaft und in der EU keinen Platz einnehmen. 🇪🇺🇩🇪🇪🇺

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