Kein Witz. Ich habe das noch in der Schule erlebt: Klo Knaben katholisch

Getrennte Toiletten für evangelisch und katholische Schüler in einer Schule

Im Alter von 6 Jahren kam ich in die Schule. Der Krieg war seit 10 Jahren zu Ende. Aber immer noch waren viele Schulgebäude zerstört. So mussten sich die evangelische und die katholische Volksschule am Ort ein Gebäude teilen. Trotz der dadurch verursachten räumlichen Enge hielt man es für notwendig für die Schülerinnen und Schüler vier Toiletten zu haben: Mädchen evangelisch, Mädchen katholisch, Knaben evangelisch, Knaben katholisch. Unglaublich aber wahr. Und ich kenne die Geschichte eines sechsjährigen Mädchens ( ich bin heute mehr als 40 Jahre mit ihr verheiratet ) , die kam mit ihren Eltern 1960 – als Flüchtling aus der DDR – in ein kleines, rein katholisches Dorf im Rheinland. Man erwartete von ihr, mehr als eine Stunde mit dem Linienbus zur nächsten evangelischen Volksschule zu fahren. Erst nach langwierigen Verhandlungen mit dem Kreis-Schulamt durfte sie die katholische Volksschule, die um die Ecke lag, besuchen. Für uns Kinder waren Konfessions-Unterschiede auch damals kein Problem. Aber wir hörten manchmal von den Erwachsenen Äußerungen über die jeweils andere Konfession “ die sind alles Heuchler “ oder “ die sind so fanatisch“.

Solche Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Wenn ich heute mit jungen Leuten rede, dann können die mit dem Begriff „Mischehe“ nichts anfangen oder vermuten dahinter etwas völlig anderes als in den 50er und 60er Jahren des vorherigen Jahrhunderts damit gemeint war. Damals war das nämlich die Bezeichnung für eine Ehe zwischen katholischen und evangelischen Christen. Junge Leute vermuten hinter dieser Bezeichnung eher zB eine Ehe zwischen einer weißen Europäer*in und einem Einwanderer aus Afrika, oder eine Ehe zwischen einer Muslima und einem Christen. Vor dem Hintergrund meiner Lebenserfahrung begründet sich dadurch die Hoffnung, Vorurteile die uns heute noch oft trennen, werden zukünftigen Generationen genauso lächerlich erscheinen, wie eine Trennung der Klos für katholische und evangelische Jungens. Gesunder Menschenverstand und gegenseitige Toleranz wird sich durchsetzen. Freundschaften und auch Ehen zwischen Menschen völlig unterschiedlicher ethnischer Herkunft oder Religion werden – trotz Vorurteilen und widerlicher Hetze – auf Dauer als etwas völlig normales empfunden werden. Liebe, Toleranz und gegenseitiges Verständnis sind stärker als der Hass. Und wenn es noch etwas braucht um diese Zuversicht zu bestärken, dann fällt mir ein in Köln geborener Freund ein. Sein Name und sein mediterranes Aussehen weisen auf eine nicht-deutsche Abstammung hin, aber er sagt im bester kölscher Mundart.

„Ich binne ne Kölsche Jung, watt willste mache?
Ich binne ne Kölsche Jung und tun jern lache.

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