Wir werden einen langen Atem brauchen gegen die Kräfte des Putinismus

Als Anfang der 90er Jahre die Sowjet Union zerfiel, hofften viele auf eine Ende der Geschichte, wie wir sie lange kannten, geprägt von Angriffkriegen, Blockdenken, Großmacht Politik und den vielen schlimmen Begleiterscheinungen. Spätestens mit der Ukraine Invasion dürfte auch dem Letzten klar gewoden sein, dies war leider eine Illusion. Extremer Nationalismus ist in vielen Teilen der Welt wieder erwacht. Dieser extreme Nationalismus feiert jetzt in Putins Russland sein aggressivstes Comeback. Russisches Großmachtstreben, das vor allem seinen Einfluss nach Westen ausdehnen will, ist Jahrhunderte alt, es hatte nur knapp 70 Jahre einen roten-ideologsichen Mantel übergezogen. Wer gehofft hatte, das post-sowjetische Russland würde sich darauf konzentrieren, dass Missverhältnis zwischen militärischer Stärke und wirtschaftlicher Schwäche zu beseitigen, hat Putin, der seit über 20 Jahren an der Macht ist, völlig falsch eingeschätzt. Imperiale Größe ist ihm wichtiger als der Lebensstandard seine Mitbürger.

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine ist mehr als nur ein ärgerlicher Zwischenfall in der Geschichte. Es geht um die Fragen miltärische Macht vor Recht, rücksichtloser Nationalismus vor internationaler Zusammenarbeit, Diktatur vor Demokratie! Zugegeben, Imperialismus und Völkerrechtsbruch sind keine Erfindung Putins, aber seit Hitler sind sie zumindest in Europa nicht mehr so brutal praktiziert worden. Und das Schlimme daran, Putin wird wenigstens kurzfristig seine miltärischen Ziele erreichen. Zu groß ist die Übermacht und zu groß ist die berechtigte Befürchtung, ein direktes Eingreifen des Westens könne einen Atomkrieg heraufbeschwrören. Was Putin mittel- und langfristig aus diesem militärischen Erfolg machen kann, ist eine andere Sache.

Das liegt natürlich auch an uns. Wenn der größte Teil der Ukraine erstmal erobert ist, wenn der Krieg nur noch auf kleiner Flamme (Partisanenkrieg) weiterköchelt und eine freie Berichterstattung darüber nicht mehr möglich sein wird, was dann? Werden dann nicht Stimmen lauter werden, die sagen, wir bräuchten schließlich ein „vernünftiges“ Verhältnis zu Putin Russland, Sanktionen würde uns selbst auch sehr schaden und russisches Gas sei schließlich billiger als Flüssiggas aus USA oder Quatar? Wenn solche Stimmen vielleicht in einem Jahr die Überhand haben sollten, dann hat der Putinismus gewonnen, selbst wenn sich die Moskauer Elite dazu entscheiden sollte, Putin auszuwechseln.

Wir werden einen langen Atem brauchen gegen Putin und die Kräfte, die er vertritt. Haben wir den? Ich hoffe, ja.

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