Was ist Rassismus ? Gibt es Rassismus gegen Weiße?

Es gibt keine Menschenrassen! Wir sind alle Menschen mit gemeinsamen Vorfahren.

Eine allgemein gültige Definition, was Rassismus ist, gibt es nicht. Das klassische Konzept von Rassismus beinhaltet eine Ideologie, welche die Menschheit in biologische „Rassen“ einteilt und diese „Rassen“ hierachisch einstuft. Diese Ideologie wurde von Europäern – mit pseudowissenschaftlichen Begründungen – im 17. und 18. Jahrhundert entwickelt und diente zur Rechtfertigung von Ausbeutungs- und Herrschaftsformen wie zB Kolonialismus. Solche Konzepte waren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bewusstsein der großen Mehrheit glücklicherweise so verändert, dass kaum noch jemand wagt, dies in Reinform öffentlich zu vertreten. Das heisst aber nicht, dass sie total verschwunden sind, sie wirken sich nur wesentlich subtiler aus. Beispiel: In den Zeiten, die ich in den Südstaaten der USA verbracht habe, habe ich dort bei McDonald`s ausschließlich Servicekräfte mit schwarzer Hautfarbe gesehen, während in Mittel- und Oberklasse Restaurants nur Personal mit weißer Hautfarbe war. Warum wohl? Wer jetzt sagt, ja dort aber bei uns doch nicht, der möge sich die ethnische Herkunft in einigen schlecht bezahlten Berufsgruppen ( zB Paketauslieferungsfahrer ) ansehen, die entspricht sicher nicht dem Durchschnitt in der Bevölkerung.

In der Diskussion der letzten Jahrzehnte sind verschiedene Rassismus Definitionen aufgetaucht, die von der klassischen abweichen, u.a. die von Albert Memmi : “ Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden des Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ Wir sind also hierbei sehr stark im Bereich von Verallgemeinerung und Vorurteilen und die gibt es leider überall in der Welt. Sehr oft hängen sie von individuellen Erfahrungen ab, die gern verallgemeinert werden. Im Sinne solcher Definitionen ist zB die Aussage: „ich hasse die Weißen, weil die alle Rassisten sind“ ein typisches rassistisches Vorurteil. Es dürfte übrigens weitgehend richtig sein, dass solche Aggressionen und pauschalen Vorurteile oft als Gegenreaktion entstehen. Die ehemalige AIM Aktivistin Mary Crow Dog hat einmal gesagt, „racism breeds racism in reverse“.

Eine neue Variante des Rassismus ist übrigen auch der „Ethnopluralismus“. Wie klassische Rassisten behaupten „Ethnopluralisten“ es gäbe unveränderliche Eigenschaften von Menschengruppen. Es wird dabei ausgeblendet, dass menschliche Kulturen sich gegenseitig beeinflussen und „reine“ unvermischte Ethnien fast nicht existieren. Aber so falsch solch eine Ideologie ist, sie trägt dazu bei, Vorurteile zu verstärken und führt zu ebenso rassistischen wie praxisfernen Parolen wie „Deutschland den Deutschen“.

Welchen Rassismus Begriff wir auch immer für richtig halten, Tatsache bleibt, rassistische Vorteilsnahme, rassistische Aggresionen und die Forderung nach strikter Trennung von Ethnien und Kulturen ist ein Gift, dass uns gesellschaftlich noch lange zu schaffen machen wird. Deshalb ist es immer wieder wichtig, sich klar zu machen: Wir sind eine Menschheit, bei allen Unterschieden haben wir gemeinsame Vorfahren und Interessen, nur gemeinsam wird es uns gelingen, diese Welt zu einem lebenswert Ort zu machen.

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