Wie kam es zum ersten, wie zum zweiten Weltkrieg, womit ist die Situation 2022 vergleichbar ?

„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Dieser Satz wird Mark Twain zugeschrieben und der Grundgedanke dahinter ist sicher richtig. 1 zu 1 Wiederholungen in der Geschichte gibt es nicht, aber durchaus ähnliche Grundmuster, aus denen man teilweise ableiten kann, welche historischen Fehler man besser nicht wiederholt. In einer Zeit, in der – nicht völlig zu Unrecht – Befürchtungen laut werden, wir könnten uns in einem Vorstadium zu einem dritten Weltkrieg befinden, macht es deshalb Sinn, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie war die Situation vor den ersten beiden Weltkriegen.

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg galten militärische Auseinanderstzungen als ein legitimes Mittel der Politik. Es gab damals zwei große Machtblöcke in Europa. Den Mittelmächten mit Deutschland, Österreich-Ungarn, Türkei, Bulgarien und Italien auf der einen Seite stand die Entente mit Frankreich, dem United Kingdom, Russland auf der anderen Seite gegenüber. Auf dem Balkan gab es ein Bündnis zwischen Serbien, Bulgarien und Griechenland mit Russland als Schutzmacht im Hintergrund. Erhebliches Konfliktpotential hatte sich angehäuft. Als am 28. Juni 1914 der österreichische Thronfolger in Sarajewo ermordert wurde, musste dies nicht zwangläufig zu einem Krieg führen. So war sich Österreich-Ungarn zuerst durchaus nicht sicher, wie hart man gegen Serbien vorgehen solle und suchte Rückendeckung in Deutschland, wo man anfangs teilweise zögerte. Eine Notiz von Kaiser Wilhelm II – „Mit den Serben muss aufgeräumt werden und zwar bald!“- sorgte dafür, dass Österreich-Ungarn einen „Blankoscheck“ für ein hartes Vorgehen bekam. Da Serbien dem Ultimatum aus Wien nicht unverzüglich nachkam, führte es dazu, dass am 28. Juli Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte. Auf Grund der Bündnisverpflichtungen und der internationalen Interessenlage war es absehbar, dass andere europäische Großmächte bald reagieren würden. In Deutschland zählte jetzt nur noch die militärische Logik. Da der deutsche Generalstab davon ausging, Russland würde für eine Mobilmachung bis zu 2 Monate brauchen, war vorrangiges Ziel, Frankreich unter Missachtung der Neutralität Belgiens und Luxemburgs durch einen schnellen Angriffkrieg über den rechten Flügel (Schlieffenplan) zu überrennen. So kam es am 2. August zur Kriegserklärung Deutschlands an Luxemburg, am 3. August an Frankreich, am 4. August an Belgien. Der erste Weltkrieg, der große Verwüstungen über Europa brachte und ungefähr 17 Millionen Menschen das Leben kostete, hatte begonnen. Das entstand in einer Zeit, wo Krieg als legitimes Mittel der Politik angesehen wurde und zwei Bündnissysteme sich gegenüberstanden und man allgemein davon ausging, zumindest begrenzte Kriege seien bald unvermeidbar.

Ganz anders war die Situation in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg. Nach dem traumatischen Erfahrungen des ersten Weltkrieges waren die Völker Europas kriegsmüde und hofften auf eine lange Periode des Friedens. Dieses Wunschdenken führte in den dreißiger Jahren dazu, dass man die Entwicklung in Deutschland, die sich unter Hitler und den Nazis anbahnte nicht Ernst genug nahm. Dabei hatte Hitler aus seinen Vorstellungen keinen Hehl gemacht. Ein deutsches Großreich sollte entstehen, weit über die Grenzen von 1914 hinaus, Österreich, die Tschechoslowakei und Westpolen sollten dazugehören, Frankreich seiner Großmachtstellung beraubt werden und die Deutschen sollten sich zusätzlich neuen Lebensraum im Osten erobern. Das alles war aus seinen Äußerungen und Schriften klar zu erkennen. Statt dies als Gefahr deutlich zu sehen, meinte man durch Entgegenkommen Deutschland – das wohl durch den Versailler Vertrag zu sehr gedemüdigt worden sei – beschwichtigen zu können und so den Frieden zu sichern. Daher ignorierte man, dass Hitler die allgemeine Wehrpflicht einführte ( was den zahlenmäßigen Beschränkungen des Friedensvertrages widersprach), seine Truppen in das entmiltarisierte Rheinland einmarschieren ließ, in Österreich einmarschierte, Anschluss des Sudentenlandes mit Drohungen erzwang und trotz des Münchener Abkommens anschließend in die Rest-Tschechoslowakei einmarschierte. Auch Unterdrückung der Opposition und Judenverfolgung nahm man nicht als ausreichende Warnzeichen, mit wem man es zu tun hatte. Erst als Hitler am 1. September 1939 erklärte gegen Polen würde „zurückgeschossen“, reagierten die westlichen Länder und der zweite Weltkrieg, dessen Auswirkungen noch viel schlimmer als die des ersten waren, war unvermeidlich geworden.

Historische Fragen „was wäre gewesen wenn?“ kann man natürlich nie endgültig beantworten. Trotzdem stelle ich die Frage einfach mal in den Raum: Wäre der zweite Weltkrieg nicht vielleicht zu vermeiden gewesen, oder zuminest nicht so unsagbar schlimm ausgefallen, wenn man Hitler – auch unter Einsatz militärischer Mittel – viel früher Grenzen gesetzt hätte. Und wenn wir die Situation heute mit der vor den beiden Weltkriegen vergleichen, dann ist es eindeutig, die Entwicklung in den letzten Jahren ist ähnlicher der vor dem zweiten als der vor dem ersten Weltkrieg. Deshalb bin ich sicher, der Weg zur Vermeidung eines neuen Weltkrieges führt nicht über Appeasement sondern darüber, dass dem dem Aggressor Putin-Russland unmißverständlich Einhalt gebietet.

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