Wie kam es zum ersten, wie zum zweiten Weltkrieg, womit ist die Situation 2022 vergleichbar ?

„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“ Dieser Satz wird Mark Twain zugeschrieben und der Grundgedanke dahinter ist sicher richtig. 1 zu 1 Wiederholungen in der Geschichte gibt es nicht, aber durchaus ähnliche Grundmuster, aus denen man teilweise ableiten kann, welche historischen Fehler man besser nicht wiederholt. In einer Zeit, in der – nicht völlig zu Unrecht – Befürchtungen laut werden, wir könnten uns in einem Vorstadium zu einem dritten Weltkrieg befinden, macht es deshalb Sinn, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie war die Situation vor den ersten beiden Weltkriegen.

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg galten militärische Auseinanderstzungen als ein legitimes Mittel der Politik. Es gab damals zwei große Machtblöcke in Europa. Den Mittelmächten mit Deutschland, Österreich-Ungarn, Türkei, Bulgarien und Italien auf der einen Seite stand die Entente mit Frankreich, dem United Kingdom, Russland auf der anderen Seite gegenüber. Auf dem Balkan gab es ein Bündnis zwischen Serbien, Bulgarien und Griechenland mit Russland als Schutzmacht im Hintergrund. Erhebliches Konfliktpotential hatte sich angehäuft. Als am 28. Juni 1914 der österreichische Thronfolger in Sarajewo ermordert wurde, musste dies nicht zwangläufig zu einem Krieg führen. So war sich Österreich-Ungarn zuerst durchaus nicht sicher, wie hart man gegen Serbien vorgehen solle und suchte Rückendeckung in Deutschland, wo man anfangs teilweise zögerte. Eine Notiz von Kaiser Wilhelm II – „Mit den Serben muss aufgeräumt werden und zwar bald!“- sorgte dafür, dass Österreich-Ungarn einen „Blankoscheck“ für ein hartes Vorgehen bekam. Da Serbien dem Ultimatum aus Wien nicht unverzüglich nachkam, führte es dazu, dass am 28. Juli Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte. Auf Grund der Bündnisverpflichtungen und der internationalen Interessenlage war es absehbar, dass andere europäische Großmächte bald reagieren würden. In Deutschland zählte jetzt nur noch die militärische Logik. Da der deutsche Generalstab davon ausging, Russland würde für eine Mobilmachung bis zu 2 Monate brauchen, war vorrangiges Ziel, Frankreich unter Missachtung der Neutralität Belgiens und Luxemburgs durch einen schnellen Angriffkrieg über den rechten Flügel (Schlieffenplan) zu überrennen. So kam es am 2. August zur Kriegserklärung Deutschlands an Luxemburg, am 3. August an Frankreich, am 4. August an Belgien. Der erste Weltkrieg, der große Verwüstungen über Europa brachte und ungefähr 17 Millionen Menschen das Leben kostete, hatte begonnen. Das entstand in einer Zeit, wo Krieg als legitimes Mittel der Politik angesehen wurde und zwei Bündnissysteme sich gegenüberstanden und man allgemein davon ausging, zumindest begrenzte Kriege seien bald unvermeidbar.

Ganz anders war die Situation in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg. Nach dem traumatischen Erfahrungen des ersten Weltkrieges waren die Völker Europas kriegsmüde und hofften auf eine lange Periode des Friedens. Dieses Wunschdenken führte in den dreißiger Jahren dazu, dass man die Entwicklung in Deutschland, die sich unter Hitler und den Nazis anbahnte nicht Ernst genug nahm. Dabei hatte Hitler aus seinen Vorstellungen keinen Hehl gemacht. Ein deutsches Großreich sollte entstehen, weit über die Grenzen von 1914 hinaus, Österreich, die Tschechoslowakei und Westpolen sollten dazugehören, Frankreich seiner Großmachtstellung beraubt werden und die Deutschen sollten sich zusätzlich neuen Lebensraum im Osten erobern. Das alles war aus seinen Äußerungen und Schriften klar zu erkennen. Statt dies als Gefahr deutlich zu sehen, meinte man durch Entgegenkommen Deutschland – das wohl durch den Versailler Vertrag zu sehr gedemüdigt worden sei – beschwichtigen zu können und so den Frieden zu sichern. Daher ignorierte man, dass Hitler die allgemeine Wehrpflicht einführte ( was den zahlenmäßigen Beschränkungen des Friedensvertrages widersprach), seine Truppen in das entmiltarisierte Rheinland einmarschieren ließ, in Österreich einmarschierte, Anschluss des Sudentenlandes mit Drohungen erzwang und trotz des Münchener Abkommens anschließend in die Rest-Tschechoslowakei einmarschierte. Auch Unterdrückung der Opposition und Judenverfolgung nahm man nicht als ausreichende Warnzeichen, mit wem man es zu tun hatte. Erst als Hitler am 1. September 1939 erklärte gegen Polen würde „zurückgeschossen“, reagierten die westlichen Länder und der zweite Weltkrieg, dessen Auswirkungen noch viel schlimmer als die des ersten waren, war unvermeidlich geworden.

Historische Fragen „was wäre gewesen wenn?“ kann man natürlich nie endgültig beantworten. Trotzdem stelle ich die Frage einfach mal in den Raum: Wäre der zweite Weltkrieg nicht vielleicht zu vermeiden gewesen, oder zuminest nicht so unsagbar schlimm ausgefallen, wenn man Hitler – auch unter Einsatz militärischer Mittel – viel früher Grenzen gesetzt hätte. Und wenn wir die Situation heute mit der vor den beiden Weltkriegen vergleichen, dann ist es eindeutig, die Entwicklung in den letzten Jahren ist ähnlicher der vor dem zweiten als der vor dem ersten Weltkrieg. Deshalb bin ich sicher, der Weg zur Vermeidung eines neuen Weltkrieges führt nicht über Appeasement sondern darüber, dass dem dem Aggressor Putin-Russland unmißverständlich Einhalt gebietet.

Was ist Rassismus ? Gibt es Rassismus gegen Weiße?

Es gibt keine Menschenrassen! Wir sind alle Menschen mit gemeinsamen Vorfahren.

Eine allgemein gültige Definition, was Rassismus ist, gibt es nicht. Das klassische Konzept von Rassismus beinhaltet eine Ideologie, welche die Menschheit in biologische „Rassen“ einteilt und diese „Rassen“ hierachisch einstuft. Diese Ideologie wurde von Europäern – mit pseudowissenschaftlichen Begründungen – im 17. und 18. Jahrhundert entwickelt und diente zur Rechtfertigung von Ausbeutungs- und Herrschaftsformen wie zB Kolonialismus. Solche Konzepte waren bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Bewusstsein der großen Mehrheit glücklicherweise so verändert, dass kaum noch jemand wagt, dies in Reinform öffentlich zu vertreten. Das heisst aber nicht, dass sie total verschwunden sind, sie wirken sich nur wesentlich subtiler aus. Beispiel: In den Zeiten, die ich in den Südstaaten der USA verbracht habe, habe ich dort bei McDonald`s ausschließlich Servicekräfte mit schwarzer Hautfarbe gesehen, während in Mittel- und Oberklasse Restaurants nur Personal mit weißer Hautfarbe war. Warum wohl? Wer jetzt sagt, ja dort aber bei uns doch nicht, der möge sich die ethnische Herkunft in einigen schlecht bezahlten Berufsgruppen ( zB Paketauslieferungsfahrer ) ansehen, die entspricht sicher nicht dem Durchschnitt in der Bevölkerung.

In der Diskussion der letzten Jahrzehnte sind verschiedene Rassismus Definitionen aufgetaucht, die von der klassischen abweichen, u.a. die von Albert Memmi : “ Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden des Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ Wir sind also hierbei sehr stark im Bereich von Verallgemeinerung und Vorurteilen und die gibt es leider überall in der Welt. Sehr oft hängen sie von individuellen Erfahrungen ab, die gern verallgemeinert werden. Im Sinne solcher Definitionen ist zB die Aussage: „ich hasse die Weißen, weil die alle Rassisten sind“ ein typisches rassistisches Vorurteil. Es dürfte übrigens weitgehend richtig sein, dass solche Aggressionen und pauschalen Vorurteile oft als Gegenreaktion entstehen. Die ehemalige AIM Aktivistin Mary Crow Dog hat einmal gesagt, „racism breeds racism in reverse“.

Eine neue Variante des Rassismus ist übrigen auch der „Ethnopluralismus“. Wie klassische Rassisten behaupten „Ethnopluralisten“ es gäbe unveränderliche Eigenschaften von Menschengruppen. Es wird dabei ausgeblendet, dass menschliche Kulturen sich gegenseitig beeinflussen und „reine“ unvermischte Ethnien fast nicht existieren. Aber so falsch solch eine Ideologie ist, sie trägt dazu bei, Vorurteile zu verstärken und führt zu ebenso rassistischen wie praxisfernen Parolen wie „Deutschland den Deutschen“.

Welchen Rassismus Begriff wir auch immer für richtig halten, Tatsache bleibt, rassistische Vorteilsnahme, rassistische Aggresionen und die Forderung nach strikter Trennung von Ethnien und Kulturen ist ein Gift, dass uns gesellschaftlich noch lange zu schaffen machen wird. Deshalb ist es immer wieder wichtig, sich klar zu machen: Wir sind eine Menschheit, bei allen Unterschieden haben wir gemeinsame Vorfahren und Interessen, nur gemeinsam wird es uns gelingen, diese Welt zu einem lebenswert Ort zu machen.

Slava Ukrajini 

Die Parole „Slava Ukrajini“ ( Ruhm der Ukraine ) wurde erstmals 1840 von dem Nationaldichter Taras Schewtschenko in seinem Gedicht „Für Osnowajenko“ verwandt. Es war ungefähr zu gleichen Zeit, wo Hoffmann von Fallersleben das „Lied der Deutschen“ schrieb. Überall in Europa entstanden Nationalbewegungen, so auch in der Ukraine. Man besann sich auf seine eigene Geschichte. Der Begriff Ukraina war erstmals 1187 in der Hypatiuschronik erwähnt. In den folgenden Jahrhunderten gab es ukrainische Staaten in verschiedenen Ausdehnungen. Im Zuge der polnischen Teilungen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das heutige Gebiet der Ukraine aufgeteilt zwischen dem zaristischen Russland und der Habsburger Monarchie, die die westliche Teile davon bekam. Bis zum 1. Weltkrieg stand der Großteil der Ukraine fest unter russisch-zaristischer Herrschaft.

Im 1. Weltkrieg unterstützte Deutschland ukrainische Nationalbewegungen als Mittel zu Schwächung Russlands. 1917 sah man in der Ukraine Chancen für einen eigenen Staat. Im Januar 1918 gab es Wahlen zu einer Verfassungsgebenden Versammlung der Ukraine. Aber schon im Februar eroberten die Bolschewiki Kiew, während die Mittelmächte den westlichen Teil der Ukraine besetzten. 1919 gründeten die Bolschewiki die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik, die 1922 offiziell Teil der Sowjetunion wurde.

Unter Stalin wurde in den folgenden Jahren die Industrialisierung und die Kollektivierung der Landwirtschaft betrieben. Ein bestimmter Prozentsatz der Ernte musste an den sozialistischen Staat abgeführt werden. Dieser Satz wurde von Jahr zu Jahr erhöht. Gerade unter den Bauern der Ukraine gab es erheblichen Widerstand gegen diese Politik, man versuchte einen Teil der eigenen Erträge zu verstecken. Stalin hielt dagegen durch Beschlagnahme-Aktionen und drastische Repressionen. Lange Haftstrafe und Todesurteile ( die teils sogar bei Kindern vollstreckt wurden ) waren an der Tagesordnung. Folge war eine riesige Hungersnot, die von Moskau bewusst verstärkt wurde mit dem Ziel, die Bevölkerung zu disziplinieren. Dies ging als Holodomor in die Geschichte ein. Schätzungen über die Zahl der Todesopfer schwanken zwischen 3,5 und 5 Millionen. Ende 1932 war es Stalin gelungen so die sowjetische Herrschaft zu festigen.

Wen wundert es, als 1941 Hitlers Wehrmacht in die Sowjetunion einmarschierte, hatten viele Ukrainer die Hoffnung, es kämen Bündnispartner gegen die Unterdrückung aus Moskau. Von ukrainischen Nationalisten wurde bald ein eigenständiger ukrainischer Staat proklamiert. Aber sie hatten sich in Hitler getäuscht. Er hatte ganz andere Pläne mit der Ukraine, auch die Tatsache, dass ein Teil der Nationalisten der Nazi Ideologie durchaus nahe standen, interessierte ihn nicht. Deren Führer wurden verhaftet und kamen in KZs nach Deutschland. Das Land wurde von einem „Reichskommissariat Ukraine“ auf brutalste Weise unterdrückt. Es tobte ein langer Partisanenkrieg, der sich sowohl gegen die deutsche Besatzung als auch gegen die Sowjet Herrschaft richtete. Es dauerte bis 1947, dass nach dem Rückzug der Deutschen der sowjetische Repressionsapparat die Situation wieder voll im Griff hatte.

Als 1990 der Zerfall der Sowjetunion begann, wurde in Kiew eine Souveränitätserklärung beschlossen, die die Gesetze der Ukraine grundsätzlich über die der Sowjetunion stellten. Im gleichen Jahr, 3 Tage nach dem gescheiterten August-Putsch in Moskau wurde der Austritt aus der Sowjetunion beschlossen. Die Unabhängigkeit wurde durch ein Referendum mit 90,3% der Stimmen bestätigt. Mit der Unabhängigkeit wurde die Ukraine zur 3. größten Atommacht der Welt. Es war aber im Interesse der Großmächte die Zahl der Amtommächte zu begrenzen. So kam es zu folgender Vereinbarung: Das Budapester Memorandum besagte, alle Nuklearwaffen auf dem Staatsgebiet der Ukraine werden an Russland abgegeben oder vernichtet. Im Gegenzug erhielt die Ukraine (ebenso wie Belarus und Kasachstan) die Garantie für ihre Souveränität und die Unversehrtheit ihres Staatsgebietes. Diese Vereinbarung wurden unterzeichnet von Russland, der USA und dem UK. Zusätzlich wurden die bestehenden Grenzen zwischen Russland und der Ukraine noch einmal durch den russisch-ukrainischen Freundschaftsvertrag vom 31. Mai 1997 festgeschrieben.

In den Folgejahren gab es verschiedene Regierungen in der Ukraine, die teilweise eine stärkere Westbindung, teilweise aber auch eine stärkere Anbindung an Russland anstrebten. Seit 2010 war Janukowytsch Präsident der Ukraine, der eine Russland nahe Politik verfolgte. Während der Fußball-Europameisterschaft 1992 kam es bereits zu ersten Protesten wegen Willkürjustiz und Inhaftierungen von Oppositionspolitikern. Ab November 2013 weiteten sich die Proteste aus, die zunächst unter dem Begriff „Euromaidan“ bekannt wurden. Trotz harten Vorgehens ( ca 100 Tote) wurde der Polizeiapparat von Janukowytsch nicht Herr der Proteste. Da er um seine persönliche Sicherheit fürchtete, flüchtete er nach Russland. Er wurde vom Parlament abgesetzt, das dann eine Übergangsregierung einsetzte. Putin reagierte darauf mit der Annektion der Krim ( wobei alle bestehenden Verträge gebrochen wurden) und er ließ Freischärler in die Ost-Ukraine einsickern, die er auch mit schweren Waffen unterstützte. Im Juli 2014 berichtete der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte von einem totalen Zusammenbruch von Recht und Ordnung in diesen Gebieten. Dort wurden die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk gegründet, die bis heute ( mit Ausnahme von Russland und Syrien ) nirgendwo international anerkannt sind.

Durch die Minsker Abkommen 2014/15, die von der Ukraine, Russland, Deutschland und Frankreich ausgehandelt wurden, sollte versucht werden, sowohl ein Waffenstillstand zu erreichen als auch eine langfristige Lösung des Gesamtkonflikts zu finden. Ein erster Schritt sollte sein, dass beide Seiten schwere Waffen von der Waffenstillstandslinie abziehen und eine Pufferzone bilden. Stattdessen kam es zu einer 4stelligen Zahl von schweren Verletzungen der Feuerpause. Ein UN Beobachter registrierte zB an einem einzigen Tag 236 Explosionen. Beide Seiten verstärkten ihre Militärpräsenz.

Einen Partnerschaftsvertrag zwischen der Ukraine und der NATO gibt es seit 1997. Dabei verpflichte sich die Ukraine grundsätzlich an Einsätzen mit Mandat des UN Sicherheitsrates oder des OSZE gemeinsam mit der NATO teilzunehmen, außerdem sind im Rahmen dieser Charta gemeinsame militärische Ausbildungen möglich. Während der Krim Krise beschloss die NATO ihre Kontakte mit der Ukraine zu intensivieren. Seit 2018 erkennt die NATO offiziell an, dass die Ukraine eine Mitgliedschaft anstrebt. Konkrete Schritte oder Zeitpläne wurden in diesem Zusammenhang aber nicht vereinbart. Absicht von Seiten der NATO war offensichtlich, Russland nicht zu provozieren. Es wird allgemein vermutet, dass gerade Deutschland bei dieser eher bremsenden Haltung der NATO eine wichtige Rolle spielte.

Seit Anfang 2022 wurde von westlichen Aufklärungssystemen immer stärkere russische Truppen Konzentrationen an der Grenze der Ukraine beobachtet. Im Februar 2022 erklärte Putin den Minsker Friedensprozess für endgültig gescheitert und erkannte die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk auch offiziell an. Am 24. Februar 2022 marschieren russische Truppen in der Ukraine ein und beginnen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.

Es gab Experten, die auf Grund des wesentlich größeren Militärpotentials einen russischen Sieg innerhalb weniger Tage voraussagten. Stattdessen dauert der Krieg jetzt fast drei Monate und ein Ende ist nicht abzusehen. Zahlreiche Kriegsverbrechen der russischen Seite sind offiziell dokumentiert, entscheidende Fortschritte konnte Russland aber nicht erreichen. Zu den Gründen zählt, das russische Militär ist bei weitem nicht so gut aufgestellt wie manche meinten, die Kampfkraft und die Motivation der ukrainischen Kämpfer ist bewundernswert groß und die meisten westlichen Staaten leisteten – anders als von Putin erwartet – wesentliche Unterstützung durch Militärhilfen für die Ukraine und wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Die Ukraine hat Chancen diesen Krieg zu gewinnen und sie muss ihn gewinnen.

SOLIDARITÄT MIT DER UKRAINE !

Gegen Eroberungskrieg und Genozid Slava Ukraini!

#DeutschlandProUkraine

Es ist ungefähr 60 Jahre her, damals wurde ich als Schüler erstmals mit den Verbrechen der Nazi-Zeit konfrontiert. Es war anläßlich des Eichmann Prozesses und später der Auschwitzprozesse. Ich nervte in dieser Zeit die Erwachsenen mit unangenehmen Fragen: Wie war das möglich? Was habt ihr gewusst? Warum habt ihr nichts getan? Ich bekam keine zufriedenstellenden Antworten. Weder auf Fragen, wieso das Ausland in den dreißiger Jahren stillgehalten hatte, noch darauf, warum soviele Deutsche bei den Verbrechen mitgemacht hatten. Ich schwor mir damals, alles zu tun, was in meinen Kräften steht, dass sich Vergleichbares in Deutschland und Europa nicht wiederholt.

Ich glaube, sagen zu können: Ich habe mein Versprechen gehalten. Wo immer ich meinte, der Faschismus oder Hitler vergleichbare Verbrecher würden ihr Haupt wieder erheben, habe ich nicht geschwiegen. Dabei war lange meine Befürchtung, Deutschland könnte erneut der Entstehungsort sein, wo die Geister der Vergangenheit wieder erwachen. Im Bundestagswahlkampf 1969 habe ich von NPD Ordnern Prügel bezogen und auch in den Jahrzehnten habe ich mich nicht zurückgehalten, wenn es darum ging, aufkeimendem Faschismus die Stirn zu bieten.

In der letzten Zeit aber erkenne ich den gefährlichsten möglichen Hitler Nachfolger nicht in Deutschland sondern in Russland: Putin. Und ich sehe Deutschland eher in der Nachfolge von westeuropäischen Appeasement Kräften in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. „So schlimm ist Hitler ja gar nicht“ oder „Erhaltung des Frieden muss doch die höchste Prioriät sein“ und „Realpolitik bedeutet auch, Zugeständnisse machen“, ungefähr solche Äußerungen waren damals im Vereinigten Königreich und in Frankreich zu hören. Ähnliche Sprüche wie sie heute bei uns zu hören sind.

Nein! Ein Genozid (Handlungen, die darauf abzielen nationale, religiöse oder ethnische Gruppen ganz oder teilweise zu vernichten) muss frühzeitig aufgehalten werden, Ein Eroberungskrieg muss im Ansatz gestoppt werden. Die Ukraine braucht und verdient unsere volle Solidarität, ohne wenn und aber. Lieferung aller benötigten Waffen und wirtschaftliche Sanktionen wie zB ein schneller Ölimportstopp aus Russland dürfen nicht verzögert werden.

Nie Wieder! Das bedeutet gerade für uns Deutsche, ohne Ausreden und Zögern voll an der Seite der Ukraine zu stehen.

Wir werden einen langen Atem brauchen gegen die Kräfte des Putinismus

Als Anfang der 90er Jahre die Sowjet Union zerfiel, hofften viele auf eine Ende der Geschichte, wie wir sie lange kannten, geprägt von Angriffkriegen, Blockdenken, Großmacht Politik und den vielen schlimmen Begleiterscheinungen. Spätestens mit der Ukraine Invasion dürfte auch dem Letzten klar gewoden sein, dies war leider eine Illusion. Extremer Nationalismus ist in vielen Teilen der Welt wieder erwacht. Dieser extreme Nationalismus feiert jetzt in Putins Russland sein aggressivstes Comeback. Russisches Großmachtstreben, das vor allem seinen Einfluss nach Westen ausdehnen will, ist Jahrhunderte alt, es hatte nur knapp 70 Jahre einen roten-ideologsichen Mantel übergezogen. Wer gehofft hatte, das post-sowjetische Russland würde sich darauf konzentrieren, dass Missverhältnis zwischen militärischer Stärke und wirtschaftlicher Schwäche zu beseitigen, hat Putin, der seit über 20 Jahren an der Macht ist, völlig falsch eingeschätzt. Imperiale Größe ist ihm wichtiger als der Lebensstandard seine Mitbürger.

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine ist mehr als nur ein ärgerlicher Zwischenfall in der Geschichte. Es geht um die Fragen miltärische Macht vor Recht, rücksichtloser Nationalismus vor internationaler Zusammenarbeit, Diktatur vor Demokratie! Zugegeben, Imperialismus und Völkerrechtsbruch sind keine Erfindung Putins, aber seit Hitler sind sie zumindest in Europa nicht mehr so brutal praktiziert worden. Und das Schlimme daran, Putin wird wenigstens kurzfristig seine miltärischen Ziele erreichen. Zu groß ist die Übermacht und zu groß ist die berechtigte Befürchtung, ein direktes Eingreifen des Westens könne einen Atomkrieg heraufbeschwrören. Was Putin mittel- und langfristig aus diesem militärischen Erfolg machen kann, ist eine andere Sache.

Das liegt natürlich auch an uns. Wenn der größte Teil der Ukraine erstmal erobert ist, wenn der Krieg nur noch auf kleiner Flamme (Partisanenkrieg) weiterköchelt und eine freie Berichterstattung darüber nicht mehr möglich sein wird, was dann? Werden dann nicht Stimmen lauter werden, die sagen, wir bräuchten schließlich ein „vernünftiges“ Verhältnis zu Putin Russland, Sanktionen würde uns selbst auch sehr schaden und russisches Gas sei schließlich billiger als Flüssiggas aus USA oder Quatar? Wenn solche Stimmen vielleicht in einem Jahr die Überhand haben sollten, dann hat der Putinismus gewonnen, selbst wenn sich die Moskauer Elite dazu entscheiden sollte, Putin auszuwechseln.

Wir werden einen langen Atem brauchen gegen Putin und die Kräfte, die er vertritt. Haben wir den? Ich hoffe, ja.

Die Sowjetunion vor 50 Jahren und Russland heute – Warum ich kein Putinversteher bin

Stehen wir wenige Wochen oder vielleicht nur Tage vor einem Krieg in der Ukraine? Das weiß wahrscheinlich nur Putin, weil er den Einmarschbefehl geben wird – oder auch nicht – niemand sonst. Aber wenn er noch davon abgehalten werden kann, dann nur durch eine unmißverständlich geschlossene Haltung der westlichen Länder, die ihm vermittelt, der Preis für eine militärische Intervention wird sehr hoch sein.

Die Situation ist im Grunde umgekehrt wie vor 50 Jahren. Damals ging es darum, die Realitäten, die durch den 2. Weltkrieg entstanden waren, zu akzeptieren. Die Situation, wie sie war, gefiel vielen im Westen nicht. Souveräne Staaten, Verhältnisse und Grenzen waren zu Stande gekommen, die viele als ungerecht empfanden. Im Osten gab es Befürchtungen, weil diese Realitäten nicht akzeptiert wurden, es können versucht werden, durch militärischen Druck die Verhältnisse zu ändern. Der Ostpolitik der 70er Jahre, wozu auch die Verträge von Moskau und Warschau gehörten, gelang es diese Befürchtunge weitgehend abzubauen. Diese Politik basierte teilweise auf den Harmel Report (benannt nach dem damaligen belgischene Außenminister) von 1967, der eine Doppelstrategie beinhaltete.

Einerseits durch ausreichende militärische Stärke abschreckend wirken, um die militärische Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten eindeutig und zweifelsfrei zu gewährleisten

Andererseits sollten unter dem Vorzeichen gesicherten militärischen Gleichgewichts dauerhafte Beziehungen zu den Staaten des Warschauer Pakts hergestellt werden, um grundlegende politische Fragen lösen zu können.

Knapp 20 Jahre später, in den Jahren 1989 bis 1991, brach der Ostblock zusammen und es kam zum Zerfall der Sowjetunion. Dies geschah nicht durch Intervention von außen oder militärischen Druck. Die Gründe lagen in einem maroden, autoritären System, das nicht in der Lage war, sich den Veränderungen der Zeit entsprechend anzupassen.

Die Sowjetunion bestand aus 15 Republiken, Russland war zwar dominant und machte von der Fläche ca 3/4 der UdSSR aus ( letzteres mag dazu beitragen, dass bei oberflächlicher Betrachtungsweise UdSSR und Russland oft gleichgesetzt werden ) stellte aber nur 51% der Bevölkerung der Sowjetunion. In den letzten 10 Jahren sind in Russland Kräfte stark geworden, die von einen Wiedererstarken eines russischen Großreiches träumen. Hier ist besonders Dugin zu nennen, der antiwestliche und antiliberale Positionen propagiert, der von „globalistischen Eliten“ redet und ein grossrussisches Reich haben möchte, das Europ bis zum Atlantik dominiert. Es ist unklar, in wie weit Putin von solchen Kräften beeinflust wird, aber bemerkswert ist, Putin bezeichnete den Zerfall der SowjetUnion als die „größte Katastrphe des 20. Jahrhunderts“.

Angesichts dieser Tatsachen wundert es nicht, dass in ehemaligen Repuliken der UdSSR und ehemaligen Ländern des Warschauer Pakts die Ängste groß sind. Noch größer sind sie geworden, als Militärbewegungen großen Ausmaßes dazu führten, dass 130.000 russische Soldaten inclusive schwerer Waffen Panzer etc an der Grenze der Ukraine aufmarschierten und Schiffe der russischen Marine ( inclusive Landungsboten ) vom Nordmeer ins Schwarze Meer beordert wurden. Ein normales Manöver? Wohl kaum.

Es ist kaum zu leugnen, dass die russische Regierung eine Ordnung von souveränen Staaten, die Anfang der 90er Jahre entstanden ist mit militärischem Druck verändern will. Wer sich der Illusionen hingibt, wenn man jetzt Putin in Grundsatzfragen entgegenkommt, wäre das Friedenspolitik und dann wird alles gut, der hat aus der Geschichte wirklich nichts gelernt. Natürlich könnten beiderseitige Abkommen über Nicht-Stationierung von Truppen oder bestimmten Waffensystemen Sinn machen. Doch darum geht es offensichtlich nicht. Es geht Putin darum, aus souveränen Länder Satelliten Staaten zu machen. Aber dabei darf es keine Kompromisse geben.

Hoffen wir auf Frieden und darauf, dass eine unmissverständliche Haltung des Westens Putin von militärsichen Abenteuern abhält.

 

Wenn sich Verschwörungstheorien verbreiten, kann das Ergebnis nur entweder Resignation oder Gewalt sein.

In den letzten Jahren haben Verschwörungstheorien Konjunktur. Mißtrauen wird an allen Ecken und Enden geschürt. Die wildesten Theorien werden verbreitet. Klimawandel gibt es nicht. Nur eine Erfindung der Grünen. Eine Pandemie gibt`s auch nicht, Regierungen und Pharma-Industrie haben sich verbündet, um Profite zu machen und das Volk noch besser unterdrücken zu können. Alle Meinungsumfragen sind natürlich gefälscht. Die von den Herrschenden gekaufte Lügenpresse verbreitet ständig Fake News und auch unabhängige Gerichte gibt es nicht. Die entscheiden doch immer nur so, wie es den Regierungen gefällt. Und bei Wahlen geht natürlich auch nicht alles mit rechten Dingen zu. So wurde zB Trump seine Wahl gestohlen.

Ich habe wirklich nichts gegen kritisches Hinterfragen von Meldungen. Und ein gewisses Mißtrauen vielen Politikern gegenüber kann ich durchaus verstehen. Aber ich habe lange gebraucht, die Tatsache zu akzeptieren, dass es viele Menschen gibt, die einen Blödsinn – wie oben angeführt – tatsächlich glauben. Vielleicht war mein Vertrauen in die Rationalität des Menschen zu groß, oder ich habe das Treiben der Neuen Rechten unterschätzt, die es darauf anlegt, Ängste zu schüren und einfache Erklärungen und Lösungen zu verkaufen.

In den Verschwörungstherorien steckt eine sehr große Gefahr. Wenn alle, die irgendwie Einfluss haben, heimlich verbündet sind, -also Regierungen, Parlamente, Medien, Gerichte, Wissenschaftler etc- dann habe ich nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder ich resigniere, denn „die da oben“ entscheiden eh alles unter sich, oder ich strebe den gewaltsamen Umsturz des gesamten Systems an.

Was kann man denn gegen die Rattenfänger, die solche Theorien verbreiten tun? Ersten natürlich mit viel Geduld, Logik und Fakten bei denen, die auf der Kippe stehen, immer wieder dagegen argumentieren. Zweitens – das richtet sich vor allem an unsere Politiker – ein bisschen präziser und ehrlicher argumentiren, auch wenn es einfacher machmal leichter zu sein scheint. Also zB nicht sagen, „Leute lasst euch impfen, dann kann euch nichts passieren“, sondern „Impfen verbessert eure individuelle Chance nicht schwer zu erkranken, und je mehr weltweit geimpft sind, desto eher kriegen wir die Sache in den Griff.“ Oder nicht zu sagen „Klimaschutz wird euch nichts kosten“ , sondern „Kosten die jetzt aufgeschoben werden, sind später umso höher und natürlich muss es dabei eine Umverteilung geben, dass die stärkeren Schultern mehr tragen“

Nur mit Fakten, Logik und teilweise unbequemen Wahrheiten werden wir gegen Verschwörungstheorien ankommen.

A Christmas Carol in War Times 1944 : Christmas Eve, Peace on Earth

Lothar Birkner

My book ` Die Macht des Schicksals (The Force of Destiny)` has an epilogue, which is at the same time the prolog of a new book that`s been published in 2016. Serena, one of the acting persons, tells how her grandfather came for the first time to Germany at Christmas 1944. This short story is inspired by a real event in war winter 1944/45. I often republish this on Christmas Eve because it expresses something of the spirit of Christmas.

Serena begins to narrate:
My grandfather came to Germany in December 1944. On December 16 Hitler commanded the Battle of the Bulge to still enforce the turn on the Western Front. It is bitterly fought on both sides. The American troops  actually came under pressure.
It was a hard and snowy winter. Grandpa Joe, at that time not even 20 years old, a young black soldier from the South of…

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Was einmal die Stärke der CDU war – ihre große politische Spannbreite – könnte zu ihrem Problem werden

Als 1949 der erste Bundestag zusammentrat gab es mehr als 10 Fraktionen. Zu denen zählten SPD und KPD, die standen für Sozialismus bzw Kommunismus. die FDP als liberale Partei, die DP als konservative Partei und die größte Fraktion war die der CDU und CSU Landesverbände (der 1. Bundesparteitag der CDU war 1950). Diese Fraktion zeichnete sich dadurch aus, dass sie keiner Richtung zuzuordnen war, man bekannte sich klar zur Demokratie, aber es war Platz für alle möglichen Richtungen, die erste Volkspartei, die Menschen mit sozialer, liberaler und auch konservativer Einstellung eine politische Heimat anbot, das einzig Verbindende war das C, die christliche Grundeinstellung der Mitglieder und Christen war damals fast alle.

Das Modell der Volkspartei entwickelte sich zu einem Erfolgsmodell. Auch unter dem Einfluss der Wahlrechtsreformen von 1953 und 1957 ( 5% Klausel, erst auf Landes- dann auf Bundesebene ) wurde der Zulauf immer größer. Seit 1959 verabschiedete sich die SPD von Sozialismus- Vorstellungen marxistischer Prägung und wurde ihrerseits zur Volkspartei. Mehr als zwei Jahrzente lang wurde die politische Landschaft in Deutshland geprägt von zwei großen Volksparteien, die -ergänzt durch die verhältnismäßig kleine FDP – die Regierungen bildeten.

Im Laufe der Zeit waren aber zwei langfristige Entwicklungen zu beobachten. Erstens ließ die Integrationskraft der beiden großen Parteien nach. Immer weniger Menschen, fühlten sich von ihnen vertreten. In den besten Zeiten der Volksparteien waren es mehr als 90%, heute beträgt die Wählerschaft von SPD und Unionsparteien zusammen weniger als 50%. Zweitens nahm die christliche Ausprägung unseres Landes immer mehr ab. Nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung sind noch formal Mitglied einer der großen christlichen Konfessionen und diejenigen, die ihren christlichen Glauben praktizieren, sind eine ziemlich kleine Minderheit. Im Zuge der letzteren Entwicklung ging die CDU dazu über das Christliche sehr weitgehend zu interpretieren. Es genügt eine grundsätzliche Zustimmung zu einem christlichen Menschenbild, was Angehörigen der verschiedensten Religionen und auch den meisten Agnostikern nicht schwerfällt. ( Ich selbst kenne noch Zeiten, in denen man auf einem CDU Aufnahme-Antrag ankreuzen musste, ob man jetzt katholisch oder evangelisch war.)

Das was die Mitglieder der Unionsparteien zusammenhielt war nur noch der Wille zur politischen Macht und meistens eine Person an der Spitze, der man zutraute, das Land auch in schwierigen Situationen erfolgreich zu führen. Adenauer, Kohl und Merkel sind hier zu nennen.Was ist nun im Jahre 2021 davon übriggeblieben?

Wir haben mittlerweile sechs Fraktionen im deutschen Bundestag. Bei den meisten ist wenigsten umrißartig zu sagen wofür sie stehen oder stehen wollen. Die Linke für eine antikapitalistische Grundausrichtig, die SPD für soziale Gerechtigkeit, die FDP für den Liberalismus, die Grünen für den Vorrang von Klima- und Umweltschutz, die AFD für eine krude Mischung aus autoritärem, nationalistischem und rassistischem Denken. Aber wofür steht eigentlich die CDU? Ich habe Schwierigkeiten, diese Frage zu beantworten. Eine Person an der Spitze, der eine Mehrheit kompetente Problemlösungen zutraut, sehe ich auch nach dem Abgang von Frau Merkel nicht mehr.

Die Frage zu beantworten, wofür steht diese Partei eigentlich, wird entscheidender sein, als die Reihen auf jeden Fall geschlossen zu halten. Eine Partei, deren Spannbreite von der sogenannten Werte-Union bis zur Klima-Union reicht, wird von niemamdem als Partei mit einem eigenen Markenkern wahrgenommen werden. Liebe CDU, dieses Problem gilt es zu lösen, sonst sehe ich für Eure Zukunft schwarz (im doppelten Sinne) . Das wäre eigentlich schade, denn eine Demokratie braucht eine Oppositionspartei, die ggf in der Lage ist, die Regierung zu führen oder zumindest als starker Partner mitzugestalten.

Wir können und müssen eine Menge von indigenen Völkern lernen

Im Zuge der Vorarbeiten für mein nächstes Buch habe ich mich viel mit Narrativen und Mythen indigener Völker beschäftigt. Ich bin sicher, hier ist viel Weisheit zu finden, die uns helfen kann, Probleme unserer Zeit anders und besser anzugehen. Ich glaube die Wurzeln der heute sich zuspitzenden ökologischen Krise liegen sehr lange zurück, sie führen bis in die vorchristliche Antike und bis zu der gängigen Interpretation des jüdisch/christlichen Schöpfungsmythos. Alle unsere herrschenden Weltbilder – inclusive vor- und nachchristlicher – sehen alle den Menschen im Mittelpunkt. „Macht euch die Erde untertan.“ Das ist Jahrtausende lang so interpretiert worden, als sei die gesamte Natur und alle Lebewesen nur dazu da, die stetig wachsenden Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen. Durch die enge Verbindung, die Wissenschaft und Technologie seit Mitte des 19. Jahrhunderts eingegangen sind, hat sich die Entwicklung so rasant beschleunigt, dass wir in eine Krise hereingeraten sind, die in letzter Konsequenz sogar das Überleben der zivilisierten Menschheit in Frage stellen könnte. Aber das was uns meistens als Lösung einfällt, ist eine Weiterentwicklung der Technologie, ohne unser Denken und Verhalten grundsätzlich zu ändern. Als ob wir so die Natur austricksen könnten.

Es gibt auf der Welt hunderte indigene Völker – mit insgesamt schätzungsweise 300 Mio Menschen – die sich unseren Narrativen und unserer Denkweise nicht angeschlossen haben. Wir schauen meist auf sie herab, auf die Primitiven, die halt zurückgeblienen sind und nicht so fortschrittlich wie wir. Möglicherweise werden diese Völker im Zuge der großen ökologischen Katastrophe auch als erste ausgelöscht und der menschlichen Gier zum Opfer fallen. Es sei denn, wir beginnen zu begreifen, dass die ökologische Krise, die wir produzieren auch und zuerst durch eine philosophisch, weltanschauliche Fehldeutung verursacht ist. Alle Mythen und Narrative. mit denen ich mich beschäftigt habe, die die Weltsicht indigener Völker prägen, gehen davon aus, der Mensch und alle Lebewesen stehen auf einer Ebene, sie sind alle Teil der Natur, die von einander abhängig sind, die letztlich sogar irgendwie spirituell verbunden sind. Es sind die unterschiedlichsten Mythen, aber allen ist gemein, den Menschen nicht allein vorherrschend in den Mittelpunkt zu stellen. Werden wir in der Lage sein, die kopernikanische Wende in der Geschichte der Weltanschauungen der sogenannten zivilisierten Völker zu vollziehen?

Auch wenn ich große Zweifel habe, es gibt auch vielerorts Zeichen der Hoffnung und des Umdenkens. Ich höre sie in vielen Diskussionen, ich stelle derartiges fest im Handeln und Denken vieler Umweltgruppen und mancher einzelnen Menschen. Auch im kirchlichen Bereich scheint mir das Bewusstsein für die Problematik zu erwachen. Das Christentum ist die am stärksten anthroprozentrische Religion, die ich kenne. Aber es gab auch einen Franziskuss von Assisi, in meinen Augen der größte spirituelle Revolutionär in der westlichen Geschichte. Er predigte den Vögeln und er sah Tiere als Schwestern und Brüder, somit Teil der göttlichen Familie an. Ist es ein Zufall, dass der gegenwärtige Papst sich entschied seinen Namen zu tragen? Sicher nicht. Trotz aller dramatische Gefahren für unsere Zukunft, es gibt auch Zeichen der Hoffnung.

Noch einmal zurück, zu meinem Buch. Es ist ein Thriller und eine Art Romeo und Julia Geschichte vor dem Hintergrund von Konflikten zwischen Lakota und Weißen in Süd-Dakota, wobei gleichzeitig viel Einblick in alte indianische Mythologie gegeben wird. Zum Schluss stellt einer der Protagonisten die Frage : „Wieviel Mensch hält die Erde aus?“ Die Antwort lautet: „Das hängt von uns ab:“