Wahre konservative Werte sind nicht rechts

Ich bin im Jahre 1949 geboren und ich gehe nicht davon aus, dass alles was neu ist unbedingt besser ist, aber auch nicht, dass jede Veränderung per se von übel ist. Konservativ sein heißt, etwas bewahren wollen. Ich glaube ein fester Wertekanon ist als Kompass durchaus hilfreich.

Ich verstehe den Menschen als ein Teil der Natur, nicht als ein Geschöpf, das die Natur um sich herum rücksichtslos als Rohstoff ausbeuten darf. Als am höchsten entwickelte Spezies in dieser Welt haben wir eine große Verantwortung. Unser Handeln hat für die Zukunft des Lebens auf unserem Planeten entscheidende Bedeutung. Dessen müssen wir uns bewusst sein und unserer Verantwortung für Artenvielfalt und Klimaentwicklung gerecht werden.

Die Werteordnung des Grundgesetzes, Würde des Menschen, Freiheit und Gleichheit gehört für mich zu den zu bewahrenden Werten. Die Würde des Menschen ist unantastbar, nicht umsonst beginnt Artikel 1 unserer Verfassung mit dieser Feststellung und es schließt sich an die Feststellung, dass unverletzliche und unveräußerliche Menschenrechte die Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft sind. Wohlgemerkt, es ist hier nicht nur von der Würde des deutschen und den Rechten des deutschen Menschen die Rede.

Freiheit und Gleichheit sind weitere von unserer Verfassung garantierte und auf jeden Fall zu bewahrende Werte. Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass hierbei ein bestimmtes Spannungsverhältnis besteht. Unbegrenzte Freiheit ist ebenso wenig erstrebenswert wie Gleichheit um jeden Preis. Es ist Aufgabe der Politik ohne ideologische Fixierung ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden zu schaffen.

Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit so lautete der Wahlspruch der französischen Revolution, der sich an den Idealen der Aufklärung orientiert, die ebenfalls zu den zu erhaltenden Werten und den Grundlagen unserer Verfassung zählen. Brüderlichkeit kann man als weltlich ausgerichteter Mensch Mitmenschlichkeit und Solidarität nennen, oder als religiös orientierter Mensch von Nächstenliebe und Barmherzigkeit reden. Jedes mal sind die gleichen hohen menschlichen Werte gemeint.

Ich selbst bin überzeugt, dass menschliche Erkenntnisfähigkeit allein, niemals in der Lage sein wird, alle Rätsel des Lebens und des Universums zu erklären. Auch wenn ich ein anthropomorphes Gottesbild persönlich nicht übernehmen kann, so nenne ich doch, das was sich unserem menschlichen Verstand immer entziehen wird, Gott. Eine zutreffende Gottesdefinition wird dem Menschen nie möglich sein. Schon im sogenannten finsteren Mittelalter erkannte 1215 das 4. Laterankonzil, dass jede menschliche Aussage über Gott mehr Falsches als Richtiges enthalten muss.

In diesem Sinne bekenne ich mich im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott und den Menschen zu den oben aufgeführten konservativen Werten und grenze mich gleichzeitig deutlich ab von allen extremen und menschenfeindlichen politischen Einstellungen.