Stolz auf Deutschland ? Ja, aber auf die letzten 75 Jahre, die 75 Jahre zuvor waren überwiegend ein Alptraum !

Die Ideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wurden Ende des 18. Jahrhunderts von Frankreich nach Deutschland getragen. Das sogenannte Heilige Römische Reich bestand aus mehr als 1.700 reichsunmittelbaren Territorien, es war weder heilig, noch römisch noch ein Reich ( Voltaire) . Deutsche, die damals von Demokratie und Freiheit träumten, hofften die Fackel der Demokratie würde von Frankreich nach Deutschland getragen, andere in Deutschland sahen in dieser Entwicklung eine Gefährdung der alten Ordnung. Aber schon bald wurde aus dem Konsul Bonaparte der Kaiser Napoleon. Beethoven der vorgehabt hatte seine 3. Symphonie ( Eroica ) Napoleon zu widmen, nahm von dieser Idee Abstand. Frankreich, das anfangs die Idee der Freiheit durch Europa tragen wollte, war zu einer imperialistischen Macht geworden. Ergebnis der Befreiung von französischer Vorherrschaft war die weitgehende Restauration der alten Ordnung. Aus den über 1.700 Territorien in Deutschland waren ca 20 Staaten geworden, aber die Idee von Freiheit und Einheit – einmal in Köpfen und Herzen – blieb da.

Die Revolution von 1848 hatte zwei große Ziele, Freiheit und Einheit. Dies jedoch zu erreichen, war eine noch viel größere Aufgabe als 70 Jahren zuvor in Frankreich. Frankreich hatte nämlich die staatliche Einheit bereits gehabt. Die überwiegend biederen, bürgerlich-liberalen Vertreter der 48er waren damit eindeutig überfordert. Um ihre Ideale verwirklichen zu können, hätten sie erstmal alle Fürsten ins Exil jagen oder auf die Guillotine schicken müssen. Stattdessen boten sie dem König von Preußen an, König von ganz Deutschland zu werden. Der lehnte natürlich ab und die 1848 Revolution war letztendlich gescheitert. Vermutlich hätte man sich erst einmal entscheiden müssen, welches Ziel man vorrangig anstreben wollte, Freiheit oder Einheit.

Dann trat ein Mann in den Focus der Geschichte, für den das keine Frage war, Bismarck. Die nationale Einheit wollte er, mit Freiheit hatte er es nicht so sehr. Es war entschlossen, die deutsche Einheit, wie er sie sich vorstellte, mit „Blut und Eisen“ durchzusetzen. 1862 wurde der konservative Hardliner preußischer Ministerpräsident, weil er der einzige war, der bereit war die von König gewollte Heeresreform ohne die notwendige Zustimmung des Parlaments einfach durchzuziehen. Dann legte er los. Im dänischen Krieg drängte er Dänemark ( der dänische König war damals Herzog von Schleswig, Holstein und Sachsen-Lauenburg ) aus Deutschland heraus. Anschließend nahm er Streitigkeiten mit den Habsburgern um die Verwaltung der Herzogtümer Holstein und Schleswig zum Anlass einen Krieg mit der Habsburger Monarchie zu beginnen, diese aus Deutschland heraus zu drängen und bei dieser Gelegenheit die Herzogtümer Schleswig und Holstein, das Königreich Hannover, das Kurfürstentum Hessen und die Stadt Frankfurt zu annektieren. Weiterhin war er überzeugt, dass sich ein Krieg mit Frankreich auf Dauer nicht zu vermeiden war und so provozierte es durch eine bewusste Verfälschung der Emser Depesche den Deutsch-Französischen Krieg. Am Ende stand die Niederlage Frankreichs und die Proklamation des preußischen Königs zum Kaiser des deutschen Reiches. Er hatte gesiegt und alle Liberalen jubelten ihm zu. Es folgte eine Reichsordnung in dem der Reichskanzler nur dem Kaiser verantwortlich war, von ihm ernannt und erlassen wurde ohne Zustimmung des Reichstags. Allein das Budget-Recht des Reichtags war manchmal lästig für die Reichsregierung. Als Reichsfeinde galten unter Bismarck Sozialdemokraten und der politische Katholizismus. Eine Ordnung war entstanden, in der ein uniformierter Offizier der Reichswehr ( Hauptmann von Köpenick ) wesentlich mehr galt als ein gewählter Reichstagsabgeordneter.

Zur Ehrenrettung des innenpolitischen Reaktionärs Bismarck soll nicht unerwähnt bleiben, außenpolitisch blieb er trotz allem moderat. Er hielt die Annexion Elsass-Lothringens für falsch und betrachtete Deutschland für gesättigt. Aber die Geister des Militarismus und des neuen deutschen Imperialismus, die er auf den Plan gerufen hatte, waren einmal da. Deutschland wollte sich seinen „Platz an der Sonne“ aggressiv erkämpfen. Auch Liberale ( zB Friedrich Naumann ) stießen voll ins Horn einer imperialistischen Politik. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es eines Funkens bedurfte, den ersten Weltkrieg auszulösen. Es führt ein direkter Weg von Sedan nach Verdun. Der erste Weltkrieg führte zu der totalen Niederlage Deutschlands, diese löste 1918 die November-Revolution aus, danach folgte die Weimarer Republik. Allerdings wollten die Militaristen ihre Niederlage nicht eingestehen, sie erfanden die Dolchstoß-Legende, ohne die November-Revolution wäre der erste Weltkrieg für Deutschland nicht verloren gewesen. Viele glaubten das und das führte dazu, dass die Weimarer Republik von breiten Teilen der Bevölkerung nicht akzeptiert wurde, sondern als ein Ergebnis einer nicht notwendigen militärischen Niederlage angesehen wurde. Von dieser Lüge führt ein direkter Weg zu Hitler und dem Versuch, die Geschichte noch einmal herauszufordern und Deutschland als Weltmacht zu etablieren. Wie dies ausging ist bekannt.

Es ist unhistorischer Unfug, von jahrhundertelanger glorreicher deutscher Geschichte zu schwafeln und 1933-1945 als Betriebsunfall der Geschichte abzuhaken. In der historischen Entwicklung der letzten 200 Jahre liegt eine bestimmte Logik. Diese Logik heißt : Wer sich nicht um Verständigung unter den Völkern bemüht, sondern stattdessen eigene Vorstellungen aggressiv verwirklichen will, wer sich nicht als Teil einer größeren Völker Gemeinschaft sieht, die versuchen muss friedlich und kooperativ die Probleme anzugehen, der führt sich und andere ins Verderben. Mir erscheint es manchmal wie ein Wunder, aber es ist ein Verdienst der vielen, die Deutschland nach 1945 wieder aufgebaut haben. Heute sieht es so aus, als ob die überwiegende Mehrheit der Deutschen, diese Lektion gelernt hat. Nehmen wir das zum Anlass stolz zu sein und uns zukünftig als ein Teil eines großen und friedlichen Europas zu verstehen, das Teil einer Weltgemeinschaft ist, die die großen Herausforderungen des 21.Jahrhunderts nur gemeinsam bestehen wird.

Die USA und das Natur-Recht auf Widerstand in Zeiten von Fake News

Die Capitol Hill Riots waren ein Anschlag auf die Demokratie und ein jämmerlich gescheiterter Putschversuch. Ich habe in den letzten Tagen sehr viele Diskussionen geführt, u.a. auch mit Trump Anhängern. Das Ergebnis war erschreckend. Sehr oft wurde dieser Anschlag auf das Parlament gerechtfertigt mit den verschiedensten Argumenten und Denkmodellen. Der weitgehendste Denkansatz bezieht sich sogar auf die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Die beginnt „Wir das Volk“ und dann folgt die Erklärung von natürlichen Rechten zu denen Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören. Wenn Regierungen diese natürlichen Rechte grob missachten, hat das Volk ein natürliches Widerstandrecht dagegen. Genau hier liegt für den radikalen Teil der Trump Anhänger der Ansatz ihres Handelns. Nach jahrelanger Einwirkungen von Propaganda sind sie davon überzeugt, dass ihre natürlichen Grundrechte von Eliten in Regierung und Parlamenten grob verletzt werden. Dazu kommt die Überzeugung, sie allein seien das Volk, bei Wahlen hätten im großem Umfang Leute mitgestimmt, die keine richtigen Amerikaner seien sondern illegale Einwanderer und die Gerichte – auch von liberalen Eliten durchsetzt – hätten kläglich versagt.

Wie kommt es zu solch einer abwegigen Sicht der Dinge, welche Entwicklung steckt dahinter? Trump hat sehr viel dazu beigetragen, aber die Entwicklung ist viel älter. Vor 10 Jahren gab die Tea- Party den Slogan aus “ I want my country back“ ( kommt uns in Deutschland ein bisschen bekannt vor ) , dies wurde teilweise von denen, die Capitol Hill stürmten, auch gerufen. Die Republikanische Partei hat solche Kräfte immer gehätschelt und gerne als Unterstützer begrüßt. Manche meinen, dass habe nicht erst mit der Tea-Party begonnen sondern schon mit Newt Gingrich, der seit 1995 eine Fundamental Opposition gegen die Clinton Regierung einleitete, Geoffrey Kabaservice erklärt in seinem Buch „Rule and Ruin“ eine längerfristige Tendenz in der Republikanischen Partei, davon gekennzeichnet, dass der Einfluss moderater Kräfte seit den sechziger Jahren systematisch zurückging. Wie auch immer, die extremen Geister, die republikanische Politiker herbeiriefen werden sie nun nicht mehr los. Vielleicht eine Lehre, die sich in Deutschland auch die Union-Parteien anschauen sollten, falls jemand meint, Kräfte von weit rechts sollten sich in der CDU mehr heimisch fühlen können.

Die Entwicklung der Radikalisierung wurde natürlich durch Internet und soziale Medien rasant voran getrieben. Jeder verbreitet Meinungen und Nachrichten – meistens ohne zwischen beidem zu unterscheiden – in seiner Blase und behauptet gleichzeitig, dass was die anderen sagen, seien nur Fake News. Trump Anhängern in den USA brauche ich gar nicht mit CNN Meldungen zu kommen, die winken sofort ab, „CNN Fake News“ hat Trump oft genug erklärt. Ähnliches erlebe ich übrigens auch manchmal mit deutschen Gesprächspartner, „den Staatsmedien glaube ich eh nicht“. Wenn allerdings jeder nur noch seine eigenen Fakten hat und akzeptiert und dazu auch gehört, wer eigentlich das Volk ist und wie die Mehrheiten aussehen, wie werden dann eigentlich noch Entscheidungen getroffen? In letzter Konsequenz vielleicht nur noch durch die Macht der Straße, dass dort Auseinandersetzungen mit Gewalt entschieden werden? Dann wären wir in der Endphase von Weimar.

Ich weiß nicht, wie die Entwicklung in den USA letztendlich weitergeht. Vielleicht gilt die einfache Erkenntnis, die Bill Clinton einmal so ausdrückte, “ it`s the economay, stupid“. Jedenfalls wünsche ich der Biden/Harris Administration ein glückliche Hand bei der Bewältigung der vielfältigen Probleme, die auf dieses Land zukommen werden. Ich weiß nur eins, wenn es nicht gelingt eine Kultur zu erhalten bzw zu ihr zurück zu kehren, in der es allgemein anerkannte Fakten, wissenschaftliche Erkenntnisse und Wahrheiten gibt, dann sieht die Zukunft der liberalen Demokratie düster aus. Sichere Erfolgsrezepte gibt es wohl nicht. Strafrechtliche Maßnahmen und Sperren in sozialen Medien wenn Gewalt angeheizt wird, sind sicher notwendig. Das letztere wird allerdings dazu führen, dass solch Leute sich immer mehr in rein rechtsradikalen Medien tummeln, wo die Radikalisierung noch schneller verläuft. Das einzige was langfristig hilft, wird sein, immer wieder die Stimmen der Vernunft und des Rechtstaates laut werden zu lassen und die anstehenden Probleme effektiv zu lösen.

Trump: „“our incredible journey is only just beginning“ Are we at the beginning of Trump-Terrorism ?

Terrorists don`t go quietly

When it comes to Trump, I’ve given up the habit of calming down by saying: It won’t be that bad. Yes it will be that bad and maybe even worse. Trump told his supporters after the terrorist storm on the US parliament: Our incredible journey is only just beginning. What journey is it, that started a few days ago? Surely it can only be a trip into far-right domestic terrorism.

Trump’s movement is extremist because it rejects democratic, constitutional order. – His followers are extremely violent. – It will be the greatest domestic terrorist threat in the years to come. – How big and threatening ultimately depends on Trump. Let’s not have any illusions. Roughly 50 million Americans believe the 2020 presidential election was fraudulent and consequently they think, the Biden government, which will be in office on January 20, is illegal. We do not know, how many of these people generally approve violence and how many will be ready to act violently themselves. But I’m afraid the number is terrifying.

The reconciliation of the American nation is not a matter that can end a few weeks after inauguration. It will be a very long way. It will depend on dialogue and on separating those willing to talk from those willing to use violence. Difficult years lie ahead of the American nation. But I believe in American democracy, which has weathered major crises over the past 200 years. I fear the domestic terrorism in the US can also fuel right-wing extremist terrorism in other countries of the world. But if we stand by the values of democracy, they won’t stand a chance in the long run. Good luck and a lucky hand to President Joe Biden and God bless America !

Trump: „Die Reise beginnt gerade“ Stehen wir am Beginn des Trump-Terrorismus ?

Terroristen gehen nicht ruhig

Wenn es um Trump geht habe ich es mir abgewöhnt, mich zu beruhigen mit den Worten: Es wird schon nicht so schlimm kommen. Ja es wird so schlimm kommen und vielleicht sogar noch schlimmer. Trump hat seinen Anhängern nach dem terroristischen Sturm auf das US Parlament zugerufen: Unsere unglaubliche Reise ist gerade erst am Beginn. Welche Reise ist denn das, die vor wenigen Tagen erst begonnen hat ? Es kann doch nur eine Reise in einen rechtsextremen inländischen Terrorismus sein.

Trumps Bewegung ist extremistisch, weil sie demokratische, verfassungsmäßige Ordnung ablehnt. — Ihre Anhänger sind hochgradig gewaltbereit. — Sie wird in den kommenden Jahren die größte inländische Terrorgefahr in den USA sein. — Wie groß und bedrohlich, hängt letztlich von Trump ab. Machen wir uns keine Illusionen. Ungefähr 50 Million Amerikaner glauben bei den Präsidentschaftswahl 2020 sei Betrug im Spiel gewesen und folglich sei die Biden Regierung, die ab 20. Januar im Amt sein wird, illegal. Wir wissen nicht wieviel von diesen Leuten Gewalt grundsätzlich billigen und wieviel selbst zu Gewalt-Aktionen bereit sein werden. Aber ich fürchte die Zahl ist erschreckend hoch.

Die Versöhnung der Amerikanischen Nation ist keine Angelegenheit, die ein paar Wochen nach der Inauguration beendet sein kann. Es wird ein sehr langer Weg sein. Es wird auf den Dialog ankommen mit den Gesprächsbereiten und Konsequenz und Härte gegenüber den Gewaltbereiten zu zeigen und darauf, die Gesprächsbereiten von den Gewaltbereiten zu trennen. Schwierige Jahre liegen vor der Amerikanischen Nation. Aber ich glaube an die Amerikanische Demokratie, die in den letzten 200 Jahren schon große Krisen überstanden hat . Ich fürchte der einheimische Terrorismus in den USA kann auch in anderen Ländern der Welt rechtsextremen Terrorismus anfeuern. Aber wenn wir fest zu den Werten der Demokratie stehen, werden diese Kräfte auf Dauer keine Chance haben.

Viel Erfolg und eine glückliche Hand für Präsident Joe Biden und Gott segne Amerika.

Christentum und Humanismus, gibt es eine Widerspruch ? Oder liegt nicht gerade im Zusammenwirken ein Chance

Christliche und humanistische Weltanschauung wurden und werden oft als Gegensatz verstanden, nach dem „finsteren Mittelalter“ Renaissance, Humanismus und schließlich Aufklärung. Der Humanismus meint den Menschen, traditionelle Kräfte wie die Religion oder Herrschaft werden hinterfragt. Der moderne Mensch mit seinen Gaben und gestalterischen Fähigkeiten wird hervorgehoben. Menschen, die sich christlichen Traditionen und Werten verbunden fühlten, haben dies oft als Bedrohung empfunden und umgekehrt wurde christliche Weltanschauung oft als bloße Fortschrittsverweigerung und Wissenschaftsleugnung angesehen. Das kam unter anderem auch in den Kulturkämpfen des 19. Jahrhunderts zum Ausdruck. Bis weit ins 20. Jahrhundert prallten oft sehr unterschiedliche Gedankenwelten auf einander. So dauerte es bis 1992, dass die formelle Rehabilitierung Galileis durch die katholische Kirche erfolgte.

Allerdings sind seit dem 20. Jahrhundert verstärkt Bemühungen erkennbar, bei denen es um ein Zusammenwirken, wenn nicht gar um ein Synthese von Christlicher und Humanistischer Weltanschauung geht. Hier ist u.a. der französische Philosoph und Katholik Jacques Maritain zu nennen, der bei der Formulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen mitwirkte. Man kann diskutieren, ob eine Synthese zwischen christlichen und einer humanistischen Grundauffassung letztendlich überhaupt möglich ist. Immerhin geht ein humanistisches Menschenbild sehr oft von einem Glauben an menschliche Bildung, Erkenntnisfähigkeit und Verstand aus, der fast unbegrenzt ist, während ein christliches Weltbild davon geprägt ist, dass letzte Erkenntnisse über unser Sein, diese Welt und das Universum dem menschlichen Verstand verborgen bleiben werden und wir letztendlich doch auf den Glauben angewiesen sind. Aber das ist meiner Meinung nach vor allem eine philosophische Diskussion.

Die Menschheit des 21. Jahrhunderts ist mit Problemen konfrontiert, die nur gemeinsam zu lösen sind und deren Lösung von einem Geist, geprägt sein sollte, den Werte ausmachen wie Brüderlichkeit, gegenseitiger Respekt und Toleranz und die Erhaltung unserer natürlichen Umwelt, die Voraussetzung für unser Leben ist und deren Teil wir sind. Ob wir diese Werte ableiten, von christlicher Nächstenliebe, von einer menschenfreundlichen Gesinnung des klassischen Humanismus oder vielleicht von der Barmherzigkeit als Fundament islamischen Gottesverständnisses, ist in der Praxis zumindest zweitranging. Es wird keinen Frieden in der Welt und unter den Nationen geben ohne Frieden zwischen Religionen. Und den wird es nicht geben ohne einen respektvollen Dialog aller Religionen und Weltanschauungen. Das bedeutet nicht einen Einheitsbrei von Kulturen und Weltanschauungen. Ein wichtiges Beispiel für die Gemeinsamkeiten in den Religionen, aber auch nicht religiösen Ansichten ist das Prinzip der Goldenen Regel. Alle Religionen und Kulturen kennen dieses Prinzip der Gegenseitigkeit. In Form eines deutschen Sprichworts aus dem Judentum lautet es: Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu. Dieses Prinzip finden wir wieder in Christentum, Buddhismus, Humanismus, Hinduismus, Jüdischem Glauben und Islam. Nur auf dieser Grundlage wird die Menschheit überleben.

2020 Das Jahr in dem der Neoliberalismus endgültig scheiterte

Im Vordergrund eines Rückblicks auf das Jahr 2020 steht sicherlich die Corona-Krise. Beim Versuch längerfristige Entwicklungen festzustellen, stellt sich aber zusätzlich heraus, dass ein Trend, der ca 1980 begann ( Wahl Ronald Reagans zum US Präsidenten ) wohl endgültig sein Ende findet. Es handelt sich um den sogenannten Neoliberalismus, eine Ideologie, die vor allem besagt, der Staat möge sich möglichst aus allem heraushalten, die Kräfte des Marktes würden schon auf wundersame Weise die Geschicke zum Guten wenden und das Wohl der Menschen fördern. Eine Begleitthese war unter anderem, kräftige Steuersenkungen für Wohlhabende wären ein Wundermittel, die richtigen und notwendigen Investitionen einzuleiten und würden letztendlich allen zu Gute kommen. Diese Ideologie fand einen geradezu euphorischen Höhepunkt nach dem Zusammenbruch des Ostblocks. Manche fantasierten vom Ende der Geschichte und einer positiven Neuordnung der Welt. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 war eigentlich klar, dass diese Entwicklung an die Wand gefahren war.

Allerdings herrschte bei vielen noch die Illusion vor, ein bisschen bessere Überwachung der Finanzjongleure würde schon reichen und dann hätte man alles wieder im Griff. Kritische Stimmen haben immer darauf hingewiesen, dass dies nicht reichen wird. Der Wirecard-Skandal 2020 hat u.a. in aller Deutlichkeit bewiesen, wie wenig man eine Casino-Mentalität und sogar kriminelle Tendenzen in der Finanzwelt unter Kontrolle hat. Aber was noch entscheidender ist: Gegen die großen Gefahren für die Menschheit – Pandemien und noch mehr die Auswirkungen des Klimawandels – haben die Märkte keine Antwort. Ohne einen starken – demokratisch kontrollierten – Staat sind wir und werden wir in der Zukunft noch mehr all diesen Katastrophen ausgeliefert sein. Krankenhäuser, die zu erst als Profit-Center verstanden werden, könnten Herausforderungen wie Pandemien nicht gerecht werden. Konzerne, die sich an einem kurzfristigen Shareholder-Value-Prinzip orientieren, werden die Notwendigkeit einer ökologischen Umgestaltung verschlafen. Wer vor allem die Entwicklung von Aktien-Indizes für ein Zeichen hält, es laufe in die richtige Richtung, schafft soziale Probleme, die letztendlich die Gesellschaft zerreißen werden.

Glücklicherweise gibt es Anzeichen, dass die Skepsis neoliberalen Lösungen gegenüber weltweit steigt, selbst dort, wo diese Tendenz entstanden ist. Paul Krugman, Träger des Wirtschafts-Nobelpreises 2008, schreibt in einer Kolumne für die New York Times „2020 was the year reaganism died“. In Krisenzeiten ist staatliche Hilfe für Menschen in Not eine gute Sache, nicht nur für diejenigen, die Hilfe erhalten, sondern für die gesamte Nation, entgegnet er der Vertretern des Neoliberalismus. Staatliche Hilfe und Intervention ist bei der Bewältigung der großen Probleme, die vor uns stehen, eine absolute Notwendigkeit. Das gilt für Corona und eventuell auch ( für hoffentlich nicht kommende aber nicht unwahrscheinliche ) Pandemien der Zukunft, aber vor allem auch für die große Herausforderung dieses Jahrhunderts, die Klimakatastrophe. Es wäre fatal zu glauben, nach der Bewältigung der Corona-Krise müsse man möglichst schnell durchstarten und alles so machen wie zuvor, auf Umwelt könne man ja im Sinne eines dringend notwendigen Aufschwungs nicht so viel Rücksicht nehmen. Das Gegenteil ist richtig.

In der Hoffnung, dass unsere Gesellschaft langfristige und sinnvolle Antworten finden wird auf die Herausforderungen unserer Zeit, wünsche ich allen ein gesundes, friedliches und gesegnetes Jahr 2021.

A Christmas Story – The Package of God ( by Bertolt Brecht )

One of the most beautiful Christmas stories I know is written by the atheist Bertolt Brecht, whose favorite reading – according to him – was the Bible. It’s about the big philosophical question: What role does chance play? Is there a coincidence at all? Or is this word perhaps synonymous with what some call God?

„The package of God

Take your chairs and your tea glasses with you back here by the stove and don’t forget the rum. It is good to be warm when you are told about the cold.

Some people, especially a certain kind of guy who is against sentimentality, have a strong aversion to Christmas. But I really have fond memories of at least one Christmas in my life. That was Christmas Eve 1908 in Chicago.

I had come to Chicago at the beginning of November, and when I asked about the general situation I was told that it was going to be the hardest winter that this already uncomfortable city could bring about. When I asked what the prospects for a boilermaker were, I was told that boilermakers had no chance, and when I was looking for a reasonably possible place to sleep, everything was too expensive for me. And that was what many people in Chicago found out that winter of 1908, from all professions.

And the wind blew hideously from Lake Michigan all through December, and by the end of the month a number of large meat packers closed and a flood of unemployed people took to the cold streets.

We trotted through every part of the city all day long, desperately looking for some work and were glad if we could find accommodation in the evening in a tiny pub in the slaughterhouse area filled with exhausted people. At least we were warm there and could sit quietly. And we sat with a glass of whiskey as long as we could, and we saved everything for the day on this one glass of whiskey, which also included warmth, noise and comrades, all that we still had of hope gave.

We sat there on Christmas Eve of that year and the place was even more crowded than usual, the whiskey even waterier and the audience even more desperate. It is evident that neither the public nor the innkeeper get into a festive mood when the whole problem of the guests is to last a whole night with a glass and the whole problem of the innkeeper of getting those out with empty glasses in front of them.

But around ten o’clock two or three fellows came in who, the devil might know how, had a few dollars in their pockets, and because it was Christmas and sentimentality was in the air, they invited the entire audience in empty a few extra glasses. Five minutes later the whole place was unrecognizable.

Everyone went to get fresh whiskey (and were now extremely careful to ensure that everything was poured correctly), the tables were moved together, and a frozen-looking girl was asked to do a cake walk, with everyone clapping their hands in time. But what can I say, the devil might have his black hand in the game, there was no good mood.

Yes, right from the start the event took on a directly malicious character. I think it was the compulsion to have gifts that annoyed everyone. The donors of this Christmas spirit were not viewed with kind eyes. After the first glasses of the donated whiskey, the plan was made to have a real Christmas present, a company on a larger scale, so to speak.

Since there was not an abundance of gift items, people wanted to stick less to directly valuable gifts and more to gifts that were suitable for the recipient and perhaps even made a deeper sense.

So we gave the landlord a bucket of dirty snow water from outside, where there was just enough of it to last with his old whiskey into the new year. We gave the waiter an old, vomited tin can, so that he would have at least a decent service item, and a jagged pocket knife to a girl belonging to the pub so that she could at least scrape off the layer of powder from last year.

All of these gifts were greeted with challenging applause by those present, with the possible exception of the recipients. And then came the main fun.

There was a man among us who must have had a weak point. He sat there every evening, and people who understood that sort of thing believed they could say with certainty that no matter how indifferent he might be, he must have had a certain insurmountable shyness about anything to do with the police. But everyone could see that he wasn`t in good skin.

We came up with something very special for this man. With the innkeeper’s permission, we tore out three pages from an old address book that were full of police guards, carefully closed them in a newspaper, and handed the package to our man.

There was a great silence when we handed it over. The man hesitantly picked up the package and looked up at us from below with a somewhat chalky smile. I noticed how he felt the package with his fingers to determine what might be inside before opening it. But then he opened it quickly.

And now something very strange happened. The man was fiddling with the string with which the present was tied when his gaze, apparently absent, fell on the newspaper into which the interesting address book pages had been wrapped. But then his gaze was no longer absent. His entire thin body (it was very tall) curled up around the newspaper, so to speak, he bent his face down on it and read. I have never, before or after, seen a person read like this. He simply devoured what he read . And then he looked up. And again I had never, before or after seen, a man looking so radiantly as this man.

„That’s because I read the newspaper, „he said in a rusty, laboriously calm voice that was in ridiculous contrast to his beaming face, that the whole thing has just been cleared up for a long time. Everyone in Ohio knows that I am not with the whole thing and had nothing to do with it. “ And then he laughed.

And all of us, who stood there in astonishment and had expected something completely different and almost only understood that the man had been accused of some crime and, as he had just found out from the newspaper, had been rehabilitated, suddenly started at full speed and almost laughing along from the heart, and this gave our event a big boost, the certain bitterness was forgotten altogether, and it turned out to be an excellent Christmas that lasted until morning and that satisfied everyone.

And with this general satisfaction, of course, it no longer mattered that it wasn’t us who chose this newspaper, but God. „

I wish you all a Merry Christmas and a peaceful time.

Welche Rolle spielt der Zufall in unserem Leben? – Das Paket des Lieben Gottes ( von Bertolt Brecht )

Eine der schönsten Weihnachtsgeschichten, die ich kenne, stammt von dem Atheisten Bertolt Brecht, zu dessen Lieblingslektüre allerdings – nach dessen eigener Aussage – die Bibel zählte. Es geht um die große philosophische Frage: Welche Rolle spielt der Zufall ? Gibt es überhaupt einen Zufall ? Oder ist dieses Wort vielleicht ein Synonym für das, was manche Gott nennen?

„Das Paket des Lieben Gottes

Nehmt eure Stühle und eure Teegläser mit hier hinter an den Ofen und vergeßt den Rum nicht. Es ist gut, es warm zu haben, wen man von der Kälte erzählt.

Manche Leute, vor allem eine gewisse Sorte Männer, die etwas gegen Sentimentalität hat, haben eine starke Aversion gegen Weihnachten. Aber zumindest ein Weihnachten in meinem Leben ist bei mir wirklich in bester Erinnerung. Das war der Weihnachtsabend 1908 in Chicago.

Ich war anfangs November nach Chicago gekommen, und man sagte mir sofort, als ich mich nach der allgemeinen Lage erkundigte, es würde der härteste Winter werden, den diese ohnehin genügend unangenehme Stadt zustande bringen könnte. Als ich fragte, wie es mit den Chancen für einen Kesselschmied stünde, sagte man mir, Kesselschmiede hätten keine Chance, und als ich eine halbwegs mögliche Schlafstelle suchte, war alles zu teuer für mich. Und das erfuhren in diesem Winter 1908 viele in Chicago, aus allen Berufen.

Und der Wind wehte scheußlich vom Michigan-See herüber durch den ganzen Dezember, und gegen Ende des Monats schlossen auch noch eine Reihe großer Fleischpackereien ihren Betrieb und waren eine ganze Flut von Arbeitslosen auf die kalten Straßen.

Wir trabten die ganzen Tage durch sämtliche Stadtviertel und suchten verzweifelt nach etwas Arbeit und waren froh, wenn wir am Abend in einem winzigen, mit erschöpften Leuten angefüllten Lokale im Schlachthofviertel unterkommen konnten. Dort hatten wir es wenigstens warm und konnten ruhig sitzen. Und wir saßen, so lange es irgend ging, mit einem Glas Whisky, und wir sparten alles den Tag über auf dieses eine Glas Whisky, in das noch Wärme, Lärm und Kameraden mit einbegriffen waren, all das, was es an Hoffnung für uns noch gab.

Dort saßen wir auch am Weihnachtsabend dieses Jahres, und das Lokal war noch überfüllter als gewöhnlich und der Whisky noch wässeriger und das Publikum noch verzweifelter. Es ist einleuchtend, daß weder das Publikum noch der Wirt in Feststimmung geraten, wenn das ganze Problem der Gäste darin besteht, mit einem Glas eine ganze Nacht auszureichen, und das ganze Problem des Wirtes, diejenigen hinauszubringen, die leere Gläser vor sich stehen hatten.

Aber gegen zehn Uhr kamen zwei, drei Burschen herein, die, der Teufel mochte wissen woher, ein paar Dollars in der Tasche hatten, und die luden, weil es doch eben Weihnachten war und Sentimentalität in der Luft lag, das ganze Publikum ein, ein paar Extragläser zu leeren. fünf Minuten darauf war das ganze Lokal nicht wiederzuerkennen.

Alle holten sich frischen Whisky (und passten nun ungeheuer genau darauf auf, daß ganz korrekt eingeschenkt wurde), die Tische wurden zusammengerückt, und ein verfroren aussehendes Mädchen wurde gebeten, einen Cakewalk zu tanzen, wobei sämtliche Festteilnehmer mit den Händen den Takt klatschten. Aber was soll ich sagen, der Teufel mochte seine schwarze Hand im Spiel haben, es kam keine reche Stimmung auf.

Ja, geradezu von Anfang an nahm die Veranstaltung einen direkt bösartigen Charakter an. ich denke, es war der zwang, sich beschenken lassen zu müssen, der alle so aufreizte. Die Spender dieser Weihnachtsstimmung wurden nicht mit freundlichen Augen betrachtet. Schon nach den ersten Gläsern des gestifteten Whiskys wurde der Plan gefasst, eine regelrechte Weihnachtsbescherung, sozusagen ein Unternehmen größeren Stils, vorzunehmen.

Da ein Überfluss an Geschenkartikeln nicht vorhanden war, wollte man sich weniger an direkt wertvolle und mehr an solche Geschenke halten, die für die zu Beschenkenden passend waren und vielleicht sogar einen tieferen Sinn ergaben.

So schenkten wir dem Wirt einen Kübel mit schmutzigem Schneewasser von draußen, wo es davon gerade genug gab, damit er mit seinem alten Whisky noch ins neue Jahr hinein ausreichte. Dem Kellner schenkten wir eine alte, erbrochene Konservenbüchse, damit er wenigstens ein anständiges Servicestück hätte, und einem zum Lokal gehörigen Mädchen ein schartiges Taschenmesser, damit es wenigstens die Schicht Puder vom vergangenen Jahr abkratzen könnte.

Alle diese Geschenke wurden von den Anwesenden, vielleicht nur die Beschenkten ausgenommen, mit herausforderndem Beifall bedacht. Und dann kam der Hauptspaß.

Es war nämlich unter uns ein Mann, der musste einen schwachen Punkt haben. Er saß jeden Abend da, und Leute, die sich auf dergleichen verstanden, glaubten mit Sicherheit behaupten zu können, dass er, so gleichgültig er sich auch geben mochte, eine gewisse, unüberwindliche Scheu vor allem, was mit der Polizei zusammenhing, haben musste. Aber jeder Mensch konnte sehen, dass er in keiner guten Haut steckte.

Für diesen Mann dachten wir uns etwas ganz Besonderes aus. Aus einem alten Adreßbuch rissen wir mit Erlaubnis des Wirtes drei Seiten aus, auf denen lauter Polizeiwachen standen, schlugen sie sorgfältig in eine Zeitung und überreichten das Paket unserm Mann.

Es trat eine große Stille ein, als wir es überreichten. Der Mann nahm zögernd das Paket in die Hand und sah uns mit einem etwas kalkigen Lächeln von unten herauf an. Ich merkte, wie er mit den Fingern das Paket anfühlte, um schon vor dem Öffnen festzustellen, was darin sein könnte. Aber dann machte er es rasch auf.

Und nun geschah etwas sehr merkwürdiges. Der Man nestelte eben an der Schnur, mit der das Geschenk“ verschnürt war, als sein Blick, scheinbar abwesend, auf das Zeitungsblatt fiel, in das die interessanten Adreßbuchblätter geschlagen waren. Aber da war sein Blick schon nicht mehr abwesend. Sein ganzer dünner Körper (er war sehr lang) krümmte sich sozusagen um das Zeitungsblatt zusammen, er bückte sein Gesicht tief darauf herunter und las. Niemals, weder vor- noch nachher, habe ich je einen Menschen so lesen sehen. Er verschlang das, was er las, einfach. Und dann schaute er auf. Und wieder hatte ich niemals, weder vor- noch nachher, einen Mann so strahlend schauen sehen wir diesen Mann.

Da lese ich eben in der Zeitung“, sagte er mit einer verrosteten mühsam ruhigen Stimme, die in lächerlichem Gegensatz zu seinem strahlenden Gesicht stand, dass die ganze Sache einfach schon lang aufgeklärt ist. Jedermann in Ohio weiß, dass ich mit der ganzen Sache nicht das Geringste zu tun hatte.“ Und dann lachte er.

Und wir alle, die erstaunt dabei standen und etwas ganz anderes erwartet hatten und fast nur begriffen, daß der Mann unter irgendeiner Beschuldigung gestanden und inzwischen, wie er eben aus dem Zeitungsblatt erfahren hatte, rehabilitiert worden war, fingen plötzlich an, aus vollem Halse und fast aus dem Herzen mit zu lachen, und dadurch kam ein großer Schwung in unsere Veranstaltung, die gewisse Bitterkeit war überhaupt vergessen, und es wurde ein ausgezeichnetes Weihnachten, das bis zum morgen dauerte und alle befriedigte.

Und bei dieser allgemeinen Befriedigung spielte es natürlich gar keine Rolle mehr, dass dieses Zeitungsblatt nicht wir ausgesucht hatten, sondern Gott.“

Ich wünsche allen angenehme und besinnliche Weihnachtstage .

Weihnachten, Lesbos und unsere Werte, Irgendwas passt da nicht zusammen

In wenigen Tage feiern wir die Geburt dessen. der uns das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter erzählt hat. Im überwiegend christlich geprägtem Europa vor allem ein Familienfest, bei dem man es sich gut gehen lässt, gutes Essen und Trinken genießt, Geschenke austauscht, das alles vielleicht abgerundet durch einem Gottesdienstbesuch, der oft traditionell dazu gehört. Aber dieses Jahr wird es auf Grund von Corona nicht ganz so sein, wie man es gewohnt ist. Der Gottesdienstbesuch könnte problematisch sein wegen der Infektionsgefahr, man muss sich überlegen wieviel Leute man überhaupt einladen sollte, ein Restaurantbesuch kann man wegen des Lockdowns ganz vergessen und beim Einkauf der Weihnachtsgeschenke, gab es auch jede Menge ungewohnte Einschränkungen. Alles schlimm, oder ?

Aber am Rande Europas da gibt es griechische Inseln, da werden Babys in nassen Zelten von Ratten gebissen. Hygienische Zustände und ärztliche Versorgung sind katastrophal. Frauen, die auf der Flucht vergewaltigt wurden, sitzen auf nacktem Boden und warten auf die Geburt ihrer Kinder. Es gibt viele schlimme Flüchtlingscamps auf der Welt, aber nirgendwo herrschen so schlimme Zustände wie auf Lesbos. (Gerd Müller, Bundesentwicklungsmister).

Wir reden oft von unseren Werten. Für den einen sind es vor allem christliche Werte, für den anderen humanistische Werte der Aufklärung. Egal ob wir uns auf christliche Nächstenliebe oder auf die Fraternité beziehen, ob wir sagen, „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.“ ( Matthäus 23.8 ) oder auf die Erklärung der Menschenrechte der UN beziehen „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen sich zueinander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen“, diese Werte werden auf Lesbos mit Füßen getreten.

Wenn sich jemand als Verteidiger des Abendlandes oder christlicher Werte aufspielt und nicht gleichzeitig seine Stimme erhebt und alles tut, dass das Leiden auf Lesbos beendet wird, so gilt für den: “ So erscheint auch ihr von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Ungehorsam gegen Gottes Gesetz“ (Matthäus 23.28). Klagen wir ein bisschen weniger über die Einschränkungen, die uns zu Weihnachten belasten und setzen wir uns mehr dafür ein, dass Lesbos, die Schande Europas, nicht in dieser Form weitergeht. In diesem Sinne wünsche ich allen ein friedliches, angenehmes und besinnliches Weihnachtsfest.

American Democracy is in Danger

On January 20 Joe Biden will be inaugurated as 46th President of the Unites States, no doubt. Proof that American democracy still works ? Yes it is. But let’s not feel safe. A majority of Republican voters, that means a third of the total number of voters, still thinks – in spite of lack of any evidence – the election would not have been right and Joe Biden will not be a legitimate president. There are theories about ecological systems that say, if more than 30% of an ecosystem is poisoned, the whole system will soon tip over. Sometimes I fear that could also be the case in politics.

Democracy lives from the fact that an overwhelming majority of the people recognize the rules of the game and, despite existing differences of opinion, assume that there is more that unites us than what divides us. In a two-party system in particular, it can be dangerous if a strong radicalized minority gains control of a party. A party that is of fundamental opposition can hinder many parliamentary things and bring them down. In times of major crisis this will have a very negative impact. In addition, a 60% majority in both houses is necessary for the ratification of international treaties. If the US is no longer able to ratify international treaties, trust in the US as a reliable partner will decline dramatically in the long run. On top of that, in a heated domestic political situation, violent conflicts on the streets could increase dangerously. That would be a highly dangerous situation, sometimes even comparable to Weimar Germany at the beginning of the 1930s.

Is it inevitable that this will happen? Certainly not. Let’s hope the people’s common sense and President Biden’s efforts to unite the nation will be stronger than any destructive foolishness. God bless America !