Was ist schlimmer? 30 Km zu schnell fahren oder eine Kreuzungsblockade ?

Viele Menschen neigen dazu, gegen Regeln zu verstoßen aus unterschiedlichen Gründen und sie nehmen verschiedene Auswirkungen und Risiken dafür in Kauf. Die einen möchten ein paar Minuten schneller am Ziel sein, die anderen wollen der Forderung nach einer wirksameren Klimapolitik Nachdruck verleihen. Die einen nehmen die Gefahr, ihre eigene und anderer Gesundheit und Leben zu gefährden, billigend in Kauf, die anderen wissen, das von ihnen verursachte Verkehrschaos führt dazu, dass viele Menschen später zur Arbeit oder nachhause kommen.

Meine Meinung ist ganz klar. Wenn ich mir Motivationen und mögliche Auswirkungen der unterschiedlichen Regelverstöße ansehe, gibt es für mich keinen Zweifel, wem eher meine Sympathien gehören. Natürlich weiß ich, viele Menschen sehen das ganz anders. Ich kann und will auch nicht jede einzelne Vorstellung der Extinction Rebellion Aktivisten teilen oder gutheißen. Aber ich sage klipp und klar, das dahinter stehende Anliegen verdient Unterstützung und ich weigere mich, jede gewaltlose Form des zivilen Ungehorsams von vornherein zu verunglimpfen.

Nebenbei gesagt, auch ich bin schon manchmal deutlich schneller gefahren, als es richtig gewesen wäre. Damit bin ich natürlich nicht allein und genau da liegt wahrscheinlich der Grund, warum bei vielen der viel zu schnell fahrende Verkehrssünder mehr Sympathie und Verständnis findet, als der Kreuzungsblockierer. Aber ich glaube, es macht schon Sinn, darüber nachzudenken, ob nicht im Bewusstsein der Mehrheitsgesellschaft einiges schief liegt, wenn mehr Sympathien für den Schnellfahrer als für den radikalen Klimaaktivisten da sind, wenn Tempo 130 auf Autobahnen als Unvernunft bezeichnen werden und bei Kreuzungsblockaden viele harte Polizeigewalt fordern.

The Brexit Mess reveals a problem: There is no written Constitution

The Leave and Remain demonstrators are standing irreconcilably face to face. „Remainers are Traitors“ against „Bollocks to Brexit“. Both say, the are fighting for democracy.

The problem is there is no written constitution

The function of a constitution is to facilitate collectively binding decisions and plurality of opinions and interests at the same time: Some prefer this, others prefer that, and the constitution gives them institutions and procedures to settle their disputes in a way that makes it expectable that in the end each part will accept the outcome as binding even if they lose. Which is precisely what the unwritten, but nevertheless very much existent British constitution spectacularly failed to achieve with Brexit.

The first referendum didn’t make it expectable at all that the losing side would accept its result as valid: not just because of the tremendous amount of lies in the campaign, but because so much was still unresolved at the time of the referendum. How binding would the result be for Parliament? What exactly happens after one side or the other wins? Instead of settling these matters before, under the veil of ignorance, they were tackled only afterwards, if at all, when all answers inevitably appear as an attempt to manipulate the outcome in one direction or another. By the way, it was absolutely not clear, what „Leave“ should mean. Only 35% of Leave voters expected a No-Deal-Leave. Thus, the output of that decision process was both too weak to make it collectively binding and not weak enough to just dump it.

The one side tries to resolve this dilemma by immunizing themselves against the recognition of the gaping flaws of this result and outsourcing the problem to the critics of the referendum: it is them there’s something wrong with. They are traitors. The other side tries to resolve the dilemma by pathologizing the conflict and pretending that it is only a phenomenon of distorted perception and that the decision between leave and remain is just a matter of reason, outsourcing the problem to those who refuse to see that. It is them there’s something wrong with. They are lunatics.

The possible solution: 1. second referendum with a clear alternative 2. a debate about a written Constitution

I am well aware of the fact, that most British would reject the idea of having a great, organized debate about their constitution as horribly un-British. And presumably that is still true for many people. But for many perhaps not, after all that has happened. And it’s far from over. The worst is maybe still to come. Whatever the outcome, it will remain a deeply divided nation. In my opinion the way out of the whole chaos and the deep division in the long run can only be the one: The UK needs a constitution that makes clear the relation between government, parliament and referendum.

Können wir wegen des Klimawandels eine weitere Polarisierung riskieren? Ja, wir müssen es sogar!

Menschen mögen keine unbequemen Wahrheiten. Vor allem nicht, wenn diese dazu zwingen Veränderungen in Kauf zu nehmen, die man nicht mag, und auf Dinge zu verzichten, die einem lieb geworden sind. Da sind viele gerne bereit, sich einreden zu lassen, es sei alles nur Hysterie und Panikmache. Klimawandel habe es schließlich immer gegeben, ob das was wir jetzt in Anfängen erleben, überhaupt vom Menschen verursacht sei, könne man ja bezweifeln und schließlich ein paar Grad mehr, davon würde die Welt wohl nicht untergehen. Also munter weiter so, das nächste Auto ein paar PS mehr und den „Fuck You Greta“ Sticker über den Doppelauspuff geklebt.

Solch eine Stimmung wird gerne angeheizt von Rechtsextremen. Sie verbreiten neben der Parole „alles nur Klimahysterie“ auch gern Verschwörungstheorien. Alles nur Fake News, die von Feinden des Volkes verbreitet werden, um von dem großen Bevölkerungsaustausch, den die Eliten ( wer das auch immer sein mag ) gerade durchführen. Abgaben auf klimaschädliches Verhalten seien nur ein Vorwand, das Volk zu schröpfen, um dann mit diesem Geld die Masseneinwanderung zu finanzieren, damit so ins Land geholte „Neger und andere Kanacken“ sich in der „sozialen Hängematte ausruhen“ können. Lächerlich? Sicherlich, aber keine Verschwörungstheorie ist verrückt genug, dass es nicht ein paar Idioten gibt, die sie glauben.

Auch Vorurteile und Verunglimpfungen aller Art werden gern benutzt: “ die Kinder haben ja überhaupt keine Ahnung“ und außerdem “ wollen nur Schule schwänzen“. Von primitiven AFD-Hetzern wird Greta Thunberg als „Schwedenmongo“ bezeichnet, subtilere Hetzer, die sich für gebildet halten, lassen mal eben Weisheiten über Diagnosen, die über Frau Thunberg bekannt sind, nebenbei fallen und meinen, dadurch wäre es ja gar nicht mehr nötig, gegen inhaltlich begründete Klimawarnungen zu argumentieren, es sei ja beweisen, dass es sich nur um Angststörungen handele.

Aber Angst hat offensichtlich die deutsche Bundesregierung, nämlich vor solchen Hetzern, die vielleicht ein paar Wähler nach rechts treiben könnten. Was heißt es sonst, wenn Frau Merkel sagt, politisch sei nicht mehr drin gewesen oder Herr Altmeier vor Bewegungen wie den Gelbwesten in Frankreich warnt. Zugegeben, diese Ängste vor einer zunehmenden Polarisierung in der Gesellschaft sind nicht unbegründet. Vorher einen Konsens für notwendige Klimaschutzmaßnahmen über breiteste Teil der Bevölkerung herzustellen, wäre natürlich besser. Aber, liebe Politiker, diese Gelegenheit habt ihr 30 Jahre gehabt und vertan.

Auch jetzt muss natürlich alles getan werden, die guten Argumente für wirksame Klimapolitik durch breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit möglichst jedem verständlich zu machen. Aber es ist keine Zeit da, erstmal das in aller Ruhe zu machen und dann Maßnahmen zu ergreifen, die keine Trippelschritte sind. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein dafür, wie unsere Welt Mitte dieses Jahrhunderts aussieht. Wenn die Chancen jetzt vertan werden, dann stehen wir 2050 nicht mehr vor der Frage ob ein 1,5 oder 2 Grad Ziel realistisch ist, sondern wahrscheinlich vor der Frage ob eine globale Erwärmung auf 3 Grad zu begrenzen ist oder ob es zu 6 Grad kommt. Dann seid Ihr natürlich nicht mehr im Amt. Denkt Ihr tatsächlich so ??

Ich selbst werde im Jahre 2050 wahrscheinlich nicht mehr leben. Aber ich weiß, die Entwicklung verläuft so schnell, dass wir mehr Verantwortung tragen als jede Generation vor uns. Dieser Verantwortung müssen wir gerecht werden !!!

Trump in the trap, either he appears as a coward or he starts a war that can not be won

Nobody says the Iran nuclear deal solved all problems with Iran. But the agreement signed in 2015 by the United States, the United Kingdom, Russia, France, China, Germany and the European Union worked, it prevented Iran from developing nuclear weapons . Trump ended the agreement for a simple reason, his predecessor was involved in the establishment of this agreement. And he thought of course, everything Obama did was crap and himself would easily be able to do better.

Now he is in a trap. His strategy of maximum pressure ended in a disaster. He faces pressure from Iran. The only result achieved so far is, the hardliners in Iran have gained influence in the country and they show him that not only Iran but also the West is very vulnerable . What’s next?

If Trump continues logically on his way, he will order military strikes. But in this case an asymmetric war will begin and there will be no winners but only losers. And Trump knows this will significantly worsen his chances of re-election. That`s the reason he hesitates.

There are many warning voices saying the situation is similar to the situation before the onset of WWI , when the major powers staggered sleepwalking into war. There are high risks and weak hopes Europe might be able – perhaps involving Russia – to calm the situation and prevent the worst. I doubt, but hope dies last.

Perhaps Trump’s instincts and his hope to be reelected prevent him from making fatal decisions. I am afraid, we only can pray for peace.

Die Menschheit steht vor einer Umbruchsphase wie sie zuletzt vor mehr als 10.000 Jahren stattgefunden hat

Es ist 11 bis 12 Tausend Jahre her, da begann eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte. Der Mensch wurde sesshaft und gleichzeitig fand der Übergang von Jäger und Sammlerkulturen zu einer bäuerlichen Lebensweise mit domestizierten Tieren und Pflanzen statt. Der Mensch, bis dahin nur mit dem reinem Überleben beschäftigt, fing an sich die „Erde untertan“ zu machen, ihre Ressourcen systematisch zu nutzen. Der Übergang zum Neolithikum dauerte bis zu 5.000 Jahre. Voraussetzung war wahrscheinlich ein Klimawandel, der zuvor stattgefunden hatte, Begleiterscheinungen waren Migration und weitreichende gesellschaftliche Veränderungen.

Fortschritt und Wachstum, die sich anfangs nur im Schneckentempo entwickelten, wurden schneller vor allem in der Neuzeit, sie nahmen Fahrt auf mit der ersten industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts und die Entwicklung beschleunigte sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts in einem atemberaubenden Tempo, so dass heute schon von Industrie 4.0 die Rede ist. Dabei haben wir allerdings ein System der Produktion und des Konsums entwickelt, das basiert ist auf ständigem Wachstum und steigendem Ressourcenverbrauch und dies in einer Welt, deren Ressourcen eindeutig begrenzt sind. Es muss jedem einleuchten, dass ständiges – zumindest quantitatives – Wachstum und steigender Ressourcenverbrauch in absehbarere Zeit in einer Katastrophe enden müssen.

Das Problem ist allerdings, bei dem Tempo, das die Entwicklung heute angenommen hat, haben wir nicht viel Zeit. Während in früheren Jahrtausenden und Jahrhunderten die Menschen über Generationen Zeit hatten, sich an veränderte Bedingungen anzupassen, bleibt uns im 21. Jahrhundert diese Zeit nicht. Und die Erde ist durch die rasante Entwicklung der Informationstechnologie wesentlich kleiner geworden. Wie man in Europa oder USA lebt, ist in Afrika oder Indien kein Geheimnis mehr. Ein US Bürger lebt, als ob wir 5 Erden zur Verfügung hätten, ein Deutscher als ob es 3 wären und die Vergleichszahl für einen Inder ist 0,7 Erden. Ziemlich problematisch jetzt dem Inder zu sagen, er solle mal auf die Ressourcenknappheit Rücksicht nehmen, oder ?

Wenn ein Kollaps vermieden werden soll, dann geht es um viel mehr, als Autos mit Verbrennungsmotor gegen Autos mit Elektroantrieb auszutauschen. Dann geht es darum, unsere gesamte Art zu leben, zu denken, zu konsumieren und zu produzieren total umzustellen. Es reicht auch nicht ein neues Heizungssystem einzubauen, das in 10 oder 20 Jahren schon wieder veraltet ist und am besten gegen ein moderneres ausgetauscht werden sollte. Damit drehen wir letzten Endes nur weiter an einer Beschleunigungsschraube, die uns dem Kollaps näher bringt. Ein SUV mit Elektromotor wird auch die Produktion immer größerer Batterien notwendig machen usw . Nach 10.000 Jahren Menschheitsgeschichte, in denen wir so handelten als ob die Ressourcen dieser Erde unbegrenzt wären, muss jetzt ein totales Umsteuern stattfinden. Es wird vielmehr notwendig sein, unsere Art zu Denken auf das Prinzip der Nachhaltigkeit umzustellen und entsprechend zu konsumieren und zu produzieren.

Ich gebe zu, angesichts dieser Mammut-Herausforderung kann man leicht mutlos werden. Aber was ist die Alternative? Resignieren? wir fahren eh vor die Wand, also mit Vollgas voran? Nein, das darf nicht unsere Haltung sein. Elektromobilität, Einschränkung des Individualverkehrs, Ausstieg aus den fossilen Energien, all das ist notwendig. Aber wir müssen noch viel mehr verändern. Das geht von Ernährungsgewohnheiten bis zu Konsumgewohnheiten in allen Bereichen, also zB statt 10 T-Shirts eins, das so verarbeitet ist, dass es viele Jahre hält und so manches mehr in diese Richtung.

Wenn uns das alles nicht gelingt, haben wir möglicherweise Ende dieses Jahrhunderts eine Welt, in der die eine Hälfte der Menschheit die andere umbringt oder im schlimmsten Fall ist das Ende menschlichen Lebens überhaupt auf diesem Planeten nahe. Die Welt wird nicht untergehen. Leben wird es immer geben. Aber menschliches Leben? Da können wir nicht so sicher sein. Wir haben – historisch gesehen- wenig Zeit. Es bleiben wahrscheinlich weniger als 100 Jahre Zeit, uns auf eine neue Denkweise und ein neues Zeitalter einzustellen. Fangen wir an!

Friedliche und nicht friedliche Religionen? Welch ein Unfug!

Es gibt viele Argumente für und gegen Religionen. Die Einen glauben, Menschen brauchen Religionen und die Anderen sind überzeugt, Religionen haben der Menschheit vor allem Unglück und Kriege gebracht. Vielleicht hat auch John Lennon Recht als er sagte:

„Ich glaube an Gott, aber nicht als eine Sache, nicht als alter Mann am Himmel. Ich glaube, dass das, was die Leute Gott nennen, etwas in uns allen ist. Ich glaube, dass das, was Jesus und Mohammed und Buddha und alle anderen sagten, richtig war. Es ist nur so, dass die Übersetzungen schief gelaufen sind.“

Unabhängig davon bin ich überzeugt davon, problematisch ist eine Verbindung zwischen Staat und Kirche. Dass kirchliche und weltliche Kräfte unselige und enge Allianzen eingegangen sind, ist eine Tatsache, die wir häufig feststellen und kein für eine bestimmte Religion spezifisches Problem. Nicht nur im finsteren Mittelalter auch die absoluten Herrscher in der Zeit der Aufklärung leiteten ihre Macht von Gottes Gnaden ab. Die Verbindung von Thron und Altar war noch im 19. Jahrhundert sprichwörtlich und in den evangelischen deutschen Ländern war der Landesherr gleichzeitig Kirchenoberhaupt. Gleichzeitig gab es aber ausgehend von den Philosophen der Aufklärung eine Gegentendenz, die eine Trennung von Kirche und Staat forderte.Die erste Verfassung in der dieses Konzept nachhaltig Eingang gefunden hat, ist die Verfassung der USA.

In vielen anderen Staaten gab es in den folgenden Zeiten vielerlei ähnliche Entwicklungen, natürlich auch Gegenkräfte und nicht selten ein Auseinander-Driften von Verfassungstheorie und Wirklichkeit. In der Türkei gibt es seit 1924 eine säkulare Verfassung, in der letzten Zeit sind aber starke Gegenkräfte in der politischen Landschaft wirksam. In Polen wurde die ausdrücklich Trennung zwischen Kirche und Staat aus dem Jahre 1952 in der Verfassung von 1997 wieder relativiert und seit dem Regierungswechsel in den letzten Jahren ist ein verstärkter Einfluss klerikaler Kräfte festzustellen.

Aber die Verfassungs-Wirklichkeit kann sich auch anders verschieben. Es kommt darauf an, wie die Zivilgesellschaft sich entwickelt. Manchmal zeigt sich das an scheinbaren Kleinigkeiten. In den fünfziger Jahren rutsche einem Fußball-Kommentator während der Spielberichterstattung heraus “ Liebrich, du bist ein Fußball-Gott“ . Anschließend bekam er Ärger. Kirchenvertreter  witterten Blasphemie. Ungefähr fünfzig Jahre später beendete  der Ex-Nationalspieler Jürgen Kohler seine Karriere. Zehntausende im Dortmunder Westfalenstadion ( sicherlich Christen, Muslime und Atheisten gemeinsam) skandierten “ Jürgen-Kohler-Fußballgott“. Niemand beschwerte sich darüber. Ich, wie die Mehrheit in diesem Lande, möchte mir nicht von irgendwelchen kleinkarierten Menschen vorschreiben lassen, was ich zu sagen habe oder nicht. So bin ich beispielsweise auch froh, dass die Versuche von verschiedenen Politikern den § 166 im Strafgesetzbuch zu verschärfen ( sogenannter Blasphemie §) gescheitert sind, zuletzt gab es diesen Versuch von CSU Politikern nach der Veröffentlichung der Mohammed Karikaturen in der Zeitschrift Charlie Hebdo (  3 Jahre vor den Attentaten).

Übrigens eine Religion braucht nicht den Beweis antreten, das sie und alle Aussagen in ihren heiligen Bücher mit dem Grundgesetz übereinstimmen. Dann hätten auch die christlichen Kirchen ein Problem. Wie die Aufforderungen zum Völkermord im 4.Buch Mose rechtfertigen? Oder ist die frauenfeindliche Einstellung, die an einigen Stellen in den Paulusbriefen zum Ausdruck kommt, grundgesetzkonform? Nein es zählen nur die Handlungen, nicht Glaubensinhalte. Das hat bereits Thomas Jefferson, einer der Väter der US Verfassung, sehr gut in einem Kommentar ausgedrückt “ the legitimate powers of government reach actions only, not opinions.“

Im deutschen Grundgesetz ist eine Trennung zwischen Staat und Kirche nicht verankert, wie zB  in der Verfassung der USA oder Frankreichs. Aber wir sollten uns dafür einsetzen, dass sich die Verfassungswirklichkeit weiter in diese Richtung entwickelt. Etwas anderes macht ja auch wohl kaum Sinn bei einer Bevölkerung, zu der zu 29% evangelische Christen, zu 30% Katholiken und zu 34% Konfessionslose gehören.

Ich persönlich halte es mit Tomas Jefferson : Die legitimen Befugnisse der Regierung erstrecken sich nur auf Handlungen, die anderen schaden. Aber es verletzt mich nicht, wenn mein Nachbar sagt, dass es zwanzig Götter oder keinen Gott gibt.

Manches mag früher besser gewesen sein, aber das Meiste nicht

Es ist jetzt 56 Jahre her, da stand ich als 14jähriger Fan in der vordersten Zuschauerreihe am ersten Bundesliga Spieltag so nah am Spielfeldrand – ohne Zaun oder Graben dazwischen – dass ich den Spieler der gegnerischen Mannschaft beim Einwurf an der Hose hätte festhalten können. Wir waren laut und haben freche Lieder gesungen, aber Gewalt in den Stadien gab es damals nicht.

Als ich 19 war habe ich in den Semesterferien als Briefträger gearbeitet. Der Zusteller, dessen Urlaubsvertretung ich machen sollte, gab mir Tipps, ja nicht zu schnell zu sein, er sagte mir, wo ich einen Kaffee umsonst bekäme, und wann ich in einer bestimmten Kneipe die Post bringen solle, damit ich ein Bier gratis bekäme. Wenn ich den Postzustellern heute zusehe, weiß ich, sie haben sicher mehr Stress als damals.

War also früher alles besser? Nein, bestimmt nicht. Es war nämlich auch eine Zeit, in der Eltern strafrechtliche Verfolgung befürchten mussten, wenn sie erlaubten, dass der Freund der Tochter bei ihnen übernachtete . Menschen mit damals nicht als normal empfundenen sexuellen Orientierungen drohten Gefängnisstrafen. In der Schule der Meinung des Lehrers zu widersprechen, konnte unangenehme Konsequenzen haben. Ärzte waren Halbgötter in Weiß, deren Behandlungsmethoden natürlich nicht anzuzweifeln waren. An den Grenzen zu den europäischen Nachbarländern gab es Schlagbäume und Grenzkontrollen.

Übrigens auch damals schon habe ich das Gerede gehört, früher ( damit war damals die Nazi-Zeit gemeint ) habe es nicht soviel Kriminalität gegeben, weil man mit Verbrechern nicht so sanft umgegangen sei und weil weniger Ausländer im Land gewesen wären. Also früher alles besser? Bestimmt nicht.

Es hat sich Vieles geändert. Das Meiste zu Besseren. Es gibt mehr Freizügigkeit und Liberalität. Meinungsfreiheit und Informationsvielfalt haben zugenommen. Wir reisen durch ganz Europa und schließen Freundschaften, ohne Grenzkontrollen oder andere Schwierigkeiten. Wir können zwischen Telefonanbietern, Stromversorgern und anderen Service-Anbietern problemlos wechseln.

Natürlich gibt es auch Dinge, die ich kritisch sehe. Das ist zum einem, die Kommerzialisierung immer weiterer Lebensbereiche und damit verbunden eine Zunahme des Stress für die Menschen und in diesem Zusammenhang auch eine größere Unsicherheit für die meisten Arbeitnehmer. Und auch -zumindest teilweise- weniger Respekt im Umgang miteinander, stelle ich fest. Ein bestimmter Egoismus und ethischer Nihilismus verbreitet sich bei vielen Mitmenschen. Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass der respektvollere Umgang damals nicht innerer Überzeugung entsprach, sondern von Autoritäten erzwungen und durch soziale Kontrolle gesichert wurde. Diese negative Entwicklung ist möglicherweise eine unschöne Begleiterscheinung der größeren Liberalität.

Deshalb sollten wir uns schon Gedanken machen, wie wir einen respektvolleren und toleranteren Umgang miteinander erreichen können, und wie wir die fortschreitende Kommerzialisierung bändigen können, damit diese Gesellschaft ein sozialeres Gesicht erhält. Keinesfalls sollten wir auf das Geschwafel hereinfallen, früher sei alles besser gewesen oder gar, es läge nur an der Migration ( besonders vernagelte Verschwörungstheoretiker reden vom Bevölkerungsaustausch).

Wir leben in schnelllebigen Zeiten und stehen vor großen Herausforderungen. Aber Optimismus und Besinnung auf unsere Werte können helfen. Deshalb zitiere ich gerne abschließend unsere Bundeskanzlerin, die ich sonst auch oft kritisiere : Wir schaffen das !